Lokales Tabakwesen

Klaus A.E. Weber

 

Tabaktopf aus Westerwälder Steinzeug │ um 1900

© Historisches Museum Hellental, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

∎ Tabaktopf │ um 1900

»Marburger Kautabak aus der Fabrik von Stephan Niderehe & Sohn«

salzglasierter grauer Tabaktopf mit blauer Schrift

Westerwälder Steinzeug

1 Liter │ 3 Luftlöcher im Deckel

Im Marburger Stadtteil Weidenhausen gründete 1817 Stephan Niderehe [1] gemeinsam mit seinem Sohn Peter die mittelhessische „Rauch & Kautabak-Fabrik Stephan Niderehe & Sohn“.

Später zogen Raucher*innen die Zigarette der Pfeife und dem Kautabak vor.

 

Hellentaler Tabakwesen

Für Hellental gab es im 18./19. Jahrhundert ein dörfliches Tabakwesen mit selbständig arbeitenden Tabakfabrikanten, wahrscheinlich durch eine nebenberufliche Tätigkeit.

So war Georg Heinrich Konrad Timmermann als „Tabakfabrikant“ im Hellentaler Tabakwesen tätig gewesen, ebenso auch der Gastwirt Georg Friedrich Daniel Theodor Timmermann und Karl Friedrich Ludwig Schütte.

Zwischen 1906 und 1910 sollen kurzzeitig in dem Haus Ass.-№ 9 Karl Brackmann und in dem Haus Ass.-№ 29 Karl Gehrmann als Zigarrenmacher gearbeitet haben; letzterer soll bis etwa 1930 Zigarren hergestellt haben.

 

Tabakspinner

Unter den Steuer zahlenden Handwerkern des Jahres 1765 wurde ein „Tabakspinner" benannt (Caspar Wedel).

Tabakspinner arbeiteten Rohtabak auf, indem sie Tabakblätter zu langen, festen Rollen („Tabakseilen“) für den Pfeifen- und Kautabakkonsum zusammendrehten

 

Tabakfabrikant Georg Timmermann

Das Fachwerkhaus des Tabakfabrikanten Georg Timmermann wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet, wie es die schlichte Hausinschrift zur Selbstdarstellung des Bauherrn mit Namen und Jahreszahl am ehemaligen Hauseingang an der traufenständigen Gebäudeseite ausweist:

 

GEORG TIMMERMANN │ ANNO

FRIEDERIKE │ GB │ KROP │ 1836

 

Der 28-jährige Georg Timmermann hatte zuvor am 17. November 1811 in Heinade die am 15. November 1792 in Merxhausen geborene, 19-jährige Eleonore Friederike Luise Karoline Kropp geheiratet.

 

Zigarrenpressform aus Holz

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Zigarrenpressformen

Die Zigarre gilt als eines der ältesten Genussmittel.

In ihrer heutigen Wickelform fand die Zigarre erst in der Kolonialzeit ab dem 15. Jahrhundert eine globale Verbreitung.

Hierbei gehören Zigarrenpressformen (Wickelpressen) zu den wichtigsten Utensilien der manuellen Zigarrenherstellung.

Tabakpresse aus Holz

  • zwei einzelne, gleich lange Holzteile (Ober- und Unterteil) mit verleimten Einzelteilen für 20 Zigarren

  • Pass-Stifte (1/2) zur passgenauen Zusammenführung von Ober- und Unterteil

Eingebranntes Firmenlogo

  • Carl Intelmann Komm.-Ges. │ Gegr. 1862 │ Ciag │ Bad Zwischenahn i/O. │ № 19315 │ 306

  • Coroma 4.5.6

 

Deutsche Tabak- und Zigarrenmuseum

 

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[1] in der Literatur unkorrekt auch "Niederehe" genannt.