Backofentypen, Backhäuser, Lohnbäckereien
Klaus A.E. Weber
Dorfbäckerei um 1910
LWL-Freilichtmuseum Detmold │ Juli 2008
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Auf den Bauernhöfen sind Backhäuser als Nebengebäude eine Entwicklung des Spätmittelalters und waren wegen der hohen Brandgefahr zumeist abseits des Hifes angelegt.
Zuvor wurde im frühen Mittelalter in kleinen kugelförmigen Lehmöfen gebacken.
Diese einfachen Backöfen besaßen eine geringere Haltbarkeit und konnten bei Bedarf neu aufgebaut werden.
Backofenbau
LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte:
֍ Das Handwerk der Beller Backofenbauer
֍ Errichten eines Gemeinschaftsbackofens (Natursteinofen) ⃒ Dattenberg/Linz 1976
Kuppelförmige Backöfen mit direkter Innenraumbefeuerung
Noch bis in die frühe Neuzeit hinein wurden im ländlichen Raum die Brote in kuppelförmigen, holzbeheizten Backöfen unterschiedlicher Gestaltung gebacken, denen gemauerte, innenliegende Steinbacköfen folgten.
Römische Lehmbacköfen

Schemazeichnung der Bestückung
eines vorgeheizten römischen Backofens [7]

Original erhaltener Küchenherd mit Backofen einer Römervilla
Ende 3. Jahrhundert bis Mitte 4. Jahrhundert
Museum Roemervilla │ Bad Neuenahr-Ahrweiler am Silberberg
Oktober 2008
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Rekonstruierte römische Lehmbacköfen [8]
Backöfen um Christi Geburt bis 275 n. Chr.
Römermuseum Schwarzenacker │ Oktober 2019
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Rekonstruierter römischer Lehmkuppelofen
Römerofen um 44 v. Chr. – 300 n. Chr.
Augusta Raurica bei Basel │ Mai 2018
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Rekonstruierter römischer Lehmkuppelofen
Römerofen 24 v. Chr. - 476 n. Chr.
Europäisches Brotmuseum │ Ebergötzen │ April 2017
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Wikingerzeitlicher Lehmbackofen
Kuppelbackofen mit Mahlsteinen │ August 201
Haithabu-Haus "Herberge" (Haus 7) │ um 874
Wikinger Museum Haithabu
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Mittelalterliche Backöfen
Im frühen und hohen Mittelalter bestanden zumeist kleinere, eher kugelförmige Lehmbacköfen mit geringer Haltbarkeit.
Mittelalterlicher Lehmkuppelofen mit Verschluss durch ein Holzbrett │ Mai 2010
Lehmbackofen mit rückwärtig angefügtem Backgewölbe
Rekonstruktion eines Mittelalterhauses │ 1. Hälfte 13. Jahrhundert
Stadtwüstung Nienover
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Backöfen des 17. Jahrhunderts
Kloster Corvey

Barockzeitlicher Backofen in der ehemaligen Klosterküche von Corvey
Baubeginn nach 1699 │ ehemals Benediktinerkloster von 822
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Schloss Salzdahlum
Wolfenbüttel, 17. Juni 1745
NLA WO, 75 Alt 57 Bl. 9 r
Backofenanlage im herzoglichen Schloss Salzdahlum
erbaut zwischen 1688 und 1694
NLA WO, 75 Alt 57 Bl. 10 r.
Palacio Nactional de Sintra │ Portugal
Küche mit Backofenanlage im Palacio Nactional de Sintra
Portugal │ März 2011
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Innenbefeuerung │ kleinere Hofstellen │ Feldbacköfen
Auf spätmittelalterlichen Hofanlagen - um 1250-1500 - wurden Backöfen/Backhäuser als Nebengebäude errichtet - wegen der hohen Brandgefahr abseits des Hofes.

Nachbau eines freistehenden Backofens mit Ziegelsteinkuppe
17.-20. Jahrhundert
Kreismuseum Syke │ Oktober 2019
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Dorfbackofen mit Zweiseitenfeuerung in der Serra de Monchique
Nordrand der Algarve │ März 2013
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Backhaus/Backstube
Rückwärtig angefügtes Backgewölbe │ Backofen im Hausanbau
Wegen der großen Brandgefahr wurden Bauern seit dem 17. Jahrhundert dazu angehalten, ihre Backöfen nach draußen abseits der Hofgebäude zu platzieren.
Im 18. Jahrhundert wurde die Errichtung von separaten Backhäusern gesetzlich vorgegeben.
Ein Backhaus bestand in der Regel aus einem
-
Vorraum zur Vorbereitung des zu backenden Brotes wie auch für Backgerätschaften
-
Backofengewölbe im hinteren (äußeren) Bereich, aus Ziegelsteinen gemauert und mit einer dicken Lehmschicht ummantelt
- Schornstein zur Rauchableitung
Kuchenbacken und Obstdörren
Museum Uslar │ Mai 2010
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Brot wurde etwa alle drei bis vier Wochen an einem Backtag in Backhäusern gebacken.
In der Nachhitze wurden
-
Kuchen gebacken
-
Obst gedörrt
- Flachs getrocknet.
Backhaus des Lür-Kropp-Hofes mit Schornstein
Bremen-Oberneuland │ Februar 2015
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Backhaus (K5) mit rückwärtig angebautem Backgewölbe
Backsteine mit dicker Lehmhülle │ ohne Schornstein
1695 / Zustand um 1800
LWL-Freilichtmuseum Detmold │ Juli 2008
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Backhaus (Q5) vom Typ Backstube
angefügtes Backgewölbe (Lehmofen) │ ohne Schornstein │ 1614
LWL-Freilichtmuseum Detmold │ Juli 2008
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Backhaus (T5) mit Backofen und Schornstein │ 1790
LWL-Freilichtmuseum Detmold │ Juli 2008
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Backhaus (38) │ erbaut 1742 │ Zustand um 1900 [5]
LWL-Freilichtmuseum Detmold │ Juli 2008
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

Backhaus (5) einer holsteinischen Hofanlage │ um 1850 [5]
LWL-Freilichtmuseum Detmold │ Juli 2008
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Feuerstelle mit Backofen [6]
Freilichtmuseum Molfsee │ August 2016
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Backöfen im 19. Jahrhundert
Reileifzen



Ausschnitte aus einer Bauantragszeichnung zur Errichtung eines Backofens mit Schornstein
"Situation & Zeichnung behufs Erbauung eines Bakofens auf dem Gehöfte ...
Ass. 7 zu Reileifzen" │ Oktober 1876
Backofen in Reileifzen
© Historisches Museum Hellental
Backöfen im 20. Jahrhundert
Kirch-Brombach/Odenwald

Planung zur Errichtung eines einfachen Zweideck-Einschieß-Backofens mit Schornstein
Familie Georg Weber in Kirch-Brombach/Odenwald │ Juni 1937
© Historisches Museum Hellental
Hellental
Detailausschnitt aus der im März 1921 angefertigten „Zeichnung zum Anbau einer Mehlkammer am die Backstube im Hause des Herrn Bäckermeisters Wilhelm Kempe №.ass 67 in Hellenthal“ [1]

Längsschnitt des innenbefeuerten Backofens
im Backraum │ um 1920 [1]

Schema eines Backofens mit direkter Heizung (Innenbefeuerung)
um 1920 [2]
Lohnbäckereien mit staatlich konzessionierten Gemeindebacköfen
Während des 10. Jahrhunderts hatte sich der Beruf des Bäckers ("Beck") als freier Berufsstand entwickelt, der aus Kostengründen in der Regel städtische Backöfen nutzte.
Die im 19. Jahrhundert anwachsende ländliche Bevölkerung musste ihr Brot in gesonderten, fremden Backöfen backen lassen, wenn kein Brotkauf möglich war.
Den steigenden Brotbedarf konnten Lohnbäckereien (mit staatlich konzessioniertem Gemeindebackofen) als Gewerbebetriebe abdecken, indem der Brotteig zuhause zubereitet und gegen Entgelt in der Lohnbäckerei gebacken wurde.
Stahle

Backhaus/Lohnbäckerei aus Stahle │ um 1808
Bruchstein-Erdgeschoss mit großem Gemeinde-Backofen
LWL-Freilichtmuseum Detmold
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Die kurz nach 1808 erbaute Lohnbäckerei in Stahle (Ortsteil der Stadt Höxter) gehörte mit ihrem staatlich konzessionierten Gemeindebackofen zum Haupthaus des Hofes Hilmer-Borgolte.
1983 abgebaut, wurde es 1986 im LWL-Freilichtmuseum Detmold wieder aufgebaut.
Backstube einer Lohnbäckerei (A23)
erbaut 1808 │ Zustand: spätes 19. Jahrhundert
LWL-Freilichtmuseum Detmold │ Juli 2008
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Ostwestfalen
Der größte „Königswinterer Ofen" von Ostwestfalen war als Ofen-Typ geeignet für das Backen des westfälischen Pumpernickels.
Der Steinbackofen wurde von Gerd Zepp, einem Backofenbauer mit langer Familientradition aus Bell, mit Eifler Tuffstein errichtet und befand sich in dem jetzt dauerhaft geschlossenen Westfälischen Brotmuseum Nieheim.
"Königswinterer Ofen"
Westfälisches Brotmuseum Nieheim │ Mai 2013
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Museumsbackstube mit gemauertem "Königswinterer Ofen" von 1901
LWL-Freilichtmuseum Detmold │ Juli 2008
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
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[1] KreisA HOL 548/3.
[2] ZIMMERMANN 2006, S. 63 Abb. 28.
[5] HEIDRICH 2007, S. 85.
[6] HEIDRICH 2007, S. 20.
[7] Kleine Schriftenreihe zur römischen Archäologie und Geschichte, Nr. 4 Römisches Brot 2002, S. 12.
[8] MOHS 2004, S. 42-53.