Als Herzog Carl I. zum Unternehmer wurde
Klaus A.E. Weber

Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel
nach 1735 │ unbekannter Maler
Museum Schloss Fürstenberg
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Offensive Wirtschafts- und Siedlungspolitik
Carl I. förderte die Infrastruktur seines Braunschweiger Landes
Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1713-1780) gilt als typischer Vertreter des aufgeklärten Absolutismus, aufgewachsen in der Tradition barocker Hofhaltung und Staatsführung.
An der Schwelle einer neuen Zeit waren während seiner Regierungszeit von 1735 bis 1780 im Maßnahmenrepertoire des kameralistischen/merkantilistischen fürstlichen Landesausbaus unter dem Aspekt einer aktiven Wirtschaftsförderung im strukturschwachen und notleidenden Weserdistrikt eng miteinander verbunden:
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Neu geordnete Agrar- und Waldwirtschaft in den Weserforsten
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Ansiedlung und Förderung von Manufakturen mit handwerklichen Herstellungstechniken (Glas, Porzellan)
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Intensive, wirtschaftlich rentable Nutzung einheimischer Rohstoffe (Eisenerz, Holz, Kalk, Salz, Sand, Sandstein, Ton)
- Planmäßige Anlage eines gewerblichen Dorfes durch staatlich geförderte Arbeitsmigration
Hierbei zeichnete sich Herzog Carl I. durch seine vielfältigen Bemühungen aus, sein kleines agrarisch strukturiertes Land kulturell und wirtschaftlich voranzubringen, vor allem den Weserdistrikt, den heutigen Landkreis Holzminden.
Dabei war Herzog Carl I. geleitet von dem Bestreben, einerseits Kultur und Wirtschaft zu fördern, andererseits die Verwaltung und Bildung zu verbessern.
Noch heute finden sich materiell fassbare kulturhistorische Spuren und Relikte seiner langen Regierungszeit von 1735 bis 1780 entlang der Aspekte [7]
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Brot
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Eisen
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Eisenerz
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Glas
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Holz
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Kartoffeln
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Porzellan
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Sandstein
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Ton

Landesherrliche Maßnahmen in der frühindustriellen Epoche
- „Neuer Anbau auf dem Lande“ im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel offensive landesherrliche wirtschafts- und siedlungspolitische Maßnahme in der frühindustriellen Epoche im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel unter Herzog Carl I. (reg. 1735-1780) zur „Beförderung des commerce“ mit - ressourcenorientierter Anlage gewinnbringender, frühkapitalistischer Manufakturen
In der Blütezeit der Waldglashütten - während des 16. und 17. Jahrhunderts - führte die zunehmende Nachfrage zur Vergrößerung der Glasproduktionsstätten.
So entstanden meist in Wäldern abgelegene kleine, häufig sozial isolierte Siedlungen auf Zeit mit einem Wohn- und einem Werkbereich - so auch im Hellental.
In der neuzeitlichen Epoche wurde aber die überkommene Methode der Glasproduktion in Wald- und Wanderglashütten wirtschaftlich immer mehr in Zweifel gezogen.
Im 18. Jahrhundert hatte sich die Verwendung von Glas als Werkstoff für Gegenstände des täglichen Bedarfs auch im ländlichen Raum durchgesetzt, einhergehend mit steigender Nachfrage.
Die wachsende Nachfrage nach Glasprodukten konnte durch kleine Wanderhüttenbetriebe nicht mehr befriedigend abgedeckt werden.
Schließlich endete die Blütezeit der „wandernden“ Waldglashütten.
Während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam es zu einem deutlich veränderten, technologisch weiterentwickelten Glashüttenwesen, indem ökonomisch auf einen größeren Glaswarenabsatz orientierte, ortsfeste Manufakturen errichtet wurden.[1]
Ohnehin war es die historische Epoche der staatlich geregelten und geförderten Ansiedelung einer bodenständigen Industrie im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel, wie auch im Kurfürstentum Hannover.
So wurde folgerichtig im 18. Jahrhundert damit begonnen, größere und dauerhaft ortstabile Hüttenanlagen als Glasmanufakturen („Glasfabriken“) zu errichten, nicht zuletzt auch unter dem volkswirtschaftlichen Aspekt des Widereinbringens der investierten baulichen Finanzmittel.
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Herzogliche Silbermünzen
[hmh Inv.-Nr. 6001/6002
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel entwickelte sich dabei unter dem absolutistischen Herzog Carl I. und seines "allmächtigen" Staatsministers" Berhard Schrader von Schliestedt (1706-1773) die unbeschränkte Herrschaftsform und Wirtschaftsordnung des Kameralismus/Merkantilismus zur Mehrung der Landeseinkünfte; die prinzipiellen Voraussetzungen waren seit etwa 1730 gegeben.[2]
Der zwar aufstrebende, aber wenig ökonomisch erfolgreiche Kameralismus/Merkantilismus entfaltete sich.[3]
Dabei sollte die Volkswirtschaft des absolutistischen Territorialstaates "zur Beförderung des commerce" eine aktive Handelsbilanz erreichen.
Mit der Herstellung begehrter, hochwertiger Luxuswaren aus Glas und Porzellan versprach sich Herzog Carl I. Prestige und auch eine klingende Münze.
Gleichwohl die am wirtschaftlichen Wohl des Landes und wohl auch vordergründig am Wohl des Hofstaates ausgerichtete Wirtschaftspolitik begann, verband Herzog Carl I. mit den Manufakturgründungen die Hoffnung, einen strukturschwachen Teil seines Herrschaftsgebietes im Solling wirtschaftlich zu entwickeln und den Menschen eine Perspektive zu bieten.

Sonderausstellung 2023 zum Braunschweiger Kunsthandwerk "Coralle, Perle, Papagei" │ 2023
Schloss Museum Wolfenbüttel
Braunschweiger Perlentische und Corallenwaren" [5][6]
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Herzog Carl I. unterstützte mit seiner wirtschaftsfreundlichen kameralistischen/merkantilistischen Landespolitik großzügig die 1755 gegründete Braunschweiger Corallenfabrik des vermutlich aus Amsterdam stammenden Johann Michael van Selow (1705 - nach 1767) durch einen zinslosen Kredit, Abgabenfreiheit und ein Jahr Mietfreiheit.[4]
Zudem begünstigte die "Braunschweiger Messe" im 18. Jahrhundert die Ansiedlung der innovativen Manufaktur.
In der kunsthandwerklichen Manufaktur wurden als Luxusgüter des Rokoko mit farbenfrohen Mosaiken aus importierten Glasperlen („Corallen“) dekorativ verzierte Perlentische und exklusive „Corallenwaren“ hergestellt, wie u. a. Braunschweiger Perlentische (Tee- und Kaffeetische, Spieltische), Kleinobjekte des täglichen Gebrauchs (Tee- oder Tabakdosen, Vasen, Präsentierteller) und Vogelskulpturen (Papageien).
1772/1773 wurde die Manufaktur in Braunschweig aufgelöst.
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[1] LEIBER 2004, S. 111.
[2] TACKE 1943, S. 93.
[3] modern-ökonomisch: Leistungsbilanzüberschuss/Außenhandelsüberschuss - Zu ihrer staatlichen, frühkapitalistischen Einnahmesteigerung förderten Fürsten ihre heimischen (inländischen) Manufakturen und Monopolbetriebe zur Herstellung von Exportprodukten, wohingegen Importe verboten bzw. mit hohen Zöllen (Importzölle) belegt wurden.
[4] GRAF 2023.
[5] HEINTZEN 2023.
[6] KRAMER 2023c.
[7] Zusammenfassung bei Thomas Krueger: Arbeit, Holz und Porzellan. Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel und die Wirtschaftspolitik im 18. Jahrhundert. Der Weserdistrict. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Museum im Schloss der Porzellanmanufaktur Fürstenberg. 23. März bis 06. Oktober 2013. Holzminden 2013.