Jagd, Wilddieberei und Schmuggel in den Sollingforsten
Klaus A.E. Weber
Zwischen 1840-1880 herrschte im Solling eine schwere Wirtschaftskrise, die zur Blütezeit der „Freijagd“ in den Sollingwäldern führte.
Insbesondere das „Revolutionsjahr“ 1848 gilt als das Jahr der Wilderer.

Kupferstich „Hirschjagd“ von Jost Amman, um 1560 [3]

Wandteller "Hirschhatz im Gebirge"
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
∎ Gusseiserner Wandteller, schwarz
„Hirschhatz im Gebirge“
Durchbruchteller, Eisen-Kunstguss
Eisengießerei O. Gattermann, Dassel
[hmh Inv.-Nr. 1266
∎ Schnitzarbeit „Der Wilddieb“
um 1980
Heimlich auf „Pirsch gehen“
Wilddieberei im Hellental/Solling
Johann Christoph Greinert wird 1804 mit scharf geladenem Gewehr im Merxhäuser Forst am Ahrensberg vom Förster Georg Heinrich Christian Cunitz (1764-1835) als Wilddieb verhaftet.
Der 46jährige Holzhauer ist bislang strafrechtlich unauffällig gewesen.
Den existenziell Not leidenden Hellentaler Wilddieb liefert der Förster „zum Schießhause" beim Amt Allersheim ab.
Zur Bestrafung wird Greinert nach Wolfenbüttel überstellt.
Von dem mit 93 Jahren hoch betagten Forstwart Karl Julius Hermann Greinert (*1891) – der 30 Jahre lang das Hellentaler Forstrevier betreute – ist die folgende Erzählung aus dem Solling überliefert:
Eines Tages traf ich im Walde einen Holzfahrer, von dem bekannt war, dass er „ging“.
Dies war der Ausdruck für jemanden, der in hellen Nächten heimlich auf „Pirsch ging“.
Ich begrüßte ihn sehr freundlich und begann ein harmloses Gespräch.
Langsam steuerte ich aber bewusst auf mein Ziel los.
Schließlich sagte ich dann, dass ich gehörte hätte, das er in letzter Zeit öfter losgegangen sei und er das lassen solle.
„Was denkst du, was passieren könnte, wenn wir beide mal aufeinander treffen?“
Darauf habe der Holzfahrer die eiskalte Antwort gegeben:
„Es macht mir gar nichts aus, einen Förster tot zu schießen, und ich setze mich noch auf ihn, um zu frühstücken!“
Wilddiebe nach Ende des Zweiten Weltkrieges
Im umgebenden Sollingforst ("Mackensches Holz") lagen zahlreich weggeworfene Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg umher.
Dadurch waren im Dorf Hellental einige Wilddiebe zugegen, die sich der Schusswaffen bedienten.
In der "Englischen Besatzungszone" gelegen, mussten später alle Waffen an die englischen Streitkräfte abgegeben werden.
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[1] Original aus Privatsammlung Schulz-Weber, Hellental.
[2] auch hinterlegt bei SOHNREY 1929, S. 324-325.
[3] Abb. in: Lesebuch 1937, S. 253 │ Einzelblatt Kupferstich-Kabinett, Berlin.