2 AUF DER TENNE

Klaus A.E. Weber

 

© Historisches Museum Hellental, Foto: Mechthild Ziemer

 

Hab mein Wage vollgelade[1]

Zum Einfahren des Heues und Getreides bzw. Strohs wurde ein von Kühen gezogener Leiterwagen benutzt (Kuhgespann).

Die Einlagerung von Heu und Stroh erfolgte über die Ladeluke des Zwerchgiebels auf dem großen Dachboden des heutigen Museumshauses.

Wurde die Scheune vormals als Speicher-Gebäude und als überdachter Arbeitsraum landwirtschaftlich und handwerklich genutzt, so dient der ehemalige Arbeits- und Lagerraum nun als Ausstellungraum für das Historische Museum Hellental.

 

Vollbeladener Heuwagen mit Kuhgespann │ 1940er Jahre

im oberen Hellental auf dem Wege zur Scheune im Dorf

Heu-Einlagerung über die Ladeluke des Zwerchgiebels auf dem Dachboden eines „Sollinghauses”

© Historisches Museum Hellental

 

Ausdruck des kleinbäuerlichen Wirtschaftens in Hellental

Baulich formal vom imposanten Wohngebäude abgesetzt, wurde um 1884 die Scheune als Wirtschaftsgebäude angebaut, bestehend aus

  • Bruchsteinmauerwerk

  • Holzarchitektur "Tannen-Steinfachwerk"

  • schlicht ausgemauertes Backsteinmauerwerk

  • Holzbalkendecke

  • "Sollinger Sandsteinplatten"

  • Satteldach

Die Bauakte von 1930 weist für die Scheune nunmehr als verbindendes Gebäudeteil zum Stallgebäude, eine Raumnutzung als Tenne aus.[2]

Der befestigte Fußboden besteht aus dickeren "Solling-Sandsteinplatten".

Bislang ist allerdings die Frage ungeklärt, ob im Winter in der Tenne tatsächlich Korn gedroschen wurde.

 

Blick in die Scheune von 1884 mit bäuerlichen Arbeitsgeräten │ September 2022

© Historisches Museum Hellental, Foto: Mechthild Ziemer

 

Alter Leiterwagen für Heu und Getreide

Das aus dem alltagskulturellen Altbestand des „Sollinghauses“ in Teilen vorgefundene Ackerwagengestell [3] mit ehemals Ernteaufbau wurde noch in den 1960er Jahren zum Einbringen von Heu und Getreide (Roggen, Hafer) in Hellental eingesetzt.

 

Großer Leiterwagen in Heinade

Postkartenausschnitt │ März 1918

© Historisches Museum Hellental

 

Ackerlandnutzung

im Kreis Holzminden (KH) und im braunschweigischen Weserbergland (WBL) nach TACKE [6]:

Roggen

  • KH 1856: 5.435 ha 25,7 %

  • WBL 1878: 6.957 ha 24,1 %

  • 1927: 5.303 ha 19,5 %

Hafer

  • KH 1856: 3.892 ha 18,4 %

  • WBL 1878: 6.426 ha 22,3 %

  • 1927: 5.309 ha 19,5 %

 

Hausschlachtung

Im vorderen Bereich der Tenne erfolgte im November die jährliche Hausschlachtung.

 

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[1] Aus dem Text eines Volksliedes │ Anfang 20. Jahrhundert.

[2] Auszug aus der Bauakte Landkreis Holzminden, Aktenzeichen: 257/30, Antragsbeschreibung: Stallgebäude, Gemarkung, Hellental, Lönsstr. 6 │ Bauherr: Hempel, Friedrich │ eingesehen am 22. Juli 2013.

[3] SIUTS 2002, S. 128-131, Tafel 69.

[6] TACKE 1943, S. 39 Tab. 5.