Glas der vorrömischen Eisenzeit │ Die Kelten
Klaus A.E. Weber
Wie hallstadtzeitliche Gräberfelder zeigten, fanden in der älteren vorrömischen Eisenzeit, während der Hallstadtzeit, meist sehr kleine "Noppenperlen" mit kleinsten kugeligen oder halbkugeligen Applikationen (Noppen) Verwedung.[7]
Keltischer Glasschmuck
Einzigartige archäologische Funde machen bereits um 500 v. Chr. im Oppidum von Manching im süddeutschen Raum verschiedenfarbige Glasgegenstände (Ringperlen, Armreifen) in einer der größten und bedeutensten Keltenstädte Mitteleuropas fassbar.[6]
Das »kelten römer museum manching« beheimatet als Schaufenster für spektakuläre Funde aus dem Oppidum von Manching und aus dem Römerkastell von Oberstimm einen keltischen Glasschmuck:
„Manching, 3. Jahrhundert v. Chr.: Die keltische Siedlung entwickelt sich zu einem der wichtigsten Handelszentren im süddeutschen Raum.
Berühmt ist das Oppidum nicht zuletzt für seine Glasproduktion.
Bei Ausgrabungen fanden sich Armreifen und Perlen in verschiedensten Farben: strahlendem Blau, leuchtendem Gelb und sanftem Grün.
Das Rohglas stammte aus dem Mittelmeerraum – schon vor der römischen Eroberung gab es also intensive Kontakte über die Alpen.
Die Herstellung des Glasschmucks erfolgte hingegen in Manching.
Gerade bei den nahtlosen Armringen war technisches Spezialwissen erforderlich, das man von Generation zu Generation weitergab und fortentwickelte.“[8]
Glasarmringe und Glasperlenkette als "diesseitiges Mitbringsel" │ 150-80 v. Chr.
Die Kelten waren Träger jener Latènekultur, zu deren Besonderheiten Schmuckstücke in keltischer Formensprache aus Glas zählten, wie
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Fingerringe
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Glasarmringe
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Scheibenhalsringe
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Ringperlen.

Vollständige Armringe │ blaues und klares Glas
Latènezeitliche Fundstelle Basel-Gasfabrik am Rheinknie
Historisches Museum Basel │ Barfüsserkirche
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Scheibenhalsringe mit farbigen (opak roten) Glasperlen finden sich insbesondere in der Rheinebene zwischen Basel und dem Main (Elsass, Lothringen, Pfalz, Rheinhessen).[1]
- Scheibenhalsring von Eguisheim, Haut-Rhin │ Kupferlegierung, opak rote Glasperle, ursprünglich wohl Emaille-Einlagen │ Frühe Latènezeit │ Ende 4. Jh. v. Chr. │ Musée Unterlinden, Colmar [1]
Wie auch archäologische Gräberfelduntersuchungen mit jüngerlatènezeitlichen Siedlungshorizonten im Kanton Stadt Basel (Basel-Gasfabrik) am Rheinknie ergaben, brachte das hochstehende keltische Handwerk eine perfekt ausgereifte Glasverarbeitung hervor.[2]
Dabei beherrschten keltische Glasmacher das Färben oder Entfärbung der Glasmasse, indem sie der Glasschmelze spezifische Mineralien zusetzten:
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tiefes Blau
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Rotviolett
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Grün
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Gelb
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Braun.
Hiervon zeugen Hunderte aus verschiedenfarbigem Glas hergestellte Perlen mit gelben oder weißen Fadenauflagen, zudem kunstvolle, gefärbte oder entfärbte Glasarmringe, die zumeist von Frauen am Oberarm getragen wurden.
Glasarmringe
Gräberfelder Basel-Gasfabrik │ Spätlatènezeit │ ca. 150-80 v. Chr. [3]
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Fünfrippiger, ganz erhaltener Armring aus klarem Glas │ Innenseite aufgeschmolzene gelbe, opake Glasfolie
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Vollständiger Armring aus purpurnem Glas │ dreieckiger Querschnitt
- Vollständiger Armring aus blauem Glas │ dreieckiger Querschnitt
Glasperlen
Gräberfelder Basel-Gasfabrik │ Spätlatènezeit │ ca. 150-80 v. Chr. [4]
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Ganz erhaltene Glasperle aus klarem, leicht grünlichem Glas │ D-förmiger Querschnitt │ Perlenhalskette
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Vollständige Augenperle aus blauem Glas │ vier Spiralaugenverzierungen mittels gelber Glasfadenauflagen eingefasst
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Komplett erhaltene Ringperle aus blauem Glas │ D-förmiger Querschnitt │ weiße Fadenauflagen
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Ganz erhaltene Perle aus blauem Glas │ D-förmiger Querschnitt │ gelb-opake Fadenauflagen
- Etwas unregelmäßig geformte Perle aus blauem Glas │ D-förmiger Querschnitt │ gelb-opake Fadenauflagen │ Perlenhalskette
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[1] MUSÉE UNTERLINDEN 2016, S. 50-51.
[2] ARCHÄOLOGISCHE BODENFORSCHUNG BASEL-STADT / HISTORISCHES MUSEUM BASEL 2008, S. 131-133.
[3] ARCHÄOLOGISCHE BODENFORSCHUNG BASEL-STADT / HISTORISCHES MUSEUM BASEL 2008, S. 353, Abb. S. 133.
[4] ARCHÄOLOGISCHE BODENFORSCHUNG BASEL-STADT / HISTORISCHES MUSEUM BASEL 2008, S. 354, Abb. S. 132.
[5] ARCHÄOLOGISCHE BODENFORSCHUNG BASEL-STADT / HISTORISCHES MUSEUM BASEL 2008, S. 357, Abb. S. 168-169.
[6] TSCHIRR 2009, S. 22.
[7] KRUEGER 2020, S. 18 Abb. 13.
[8] Zitat aus „Antike in Bayern erleben!“
[9] BALDAMUS/SCHWABE 1909: Die Alte Welt, östl. Teil, Abb. 3a.