Kostbares aus Salinen: Salz und Asche

Klaus A.E. Weber

 

Wie für den Kaufunger Wald gut belegt [16], wurde im 16./17. Jahrhundert Salz als mischungstechnisch nur begrenzt einsetzbarer Natrium-Rohstoff aus Salinen bezogen

- als Nebenprodukte des Siedeprozesses in Solepfannen

- als Verbrennungsasche („Siedeasche“)

 

Salz als Ergänzungs- oder Ersatzmittel

Salz ist neben kalkreicher Holzasche die Grundlagen zur Herstellung von Holzasche-Kalk-Glas.

Zur Frage der Verwendung von Kochsalz (Natriumchlorid, NaCl) als Ergänzungs- oder Ersatzmittel bei der historischen Glaserzeugung wird auf die Ausführungen von LOIBL [3] verwiesen.

Nach AGRICOLA [5] verwendete man in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bei der Glasherstellung als „Salz“ auch „weißes, durchscheinendes Steinsalz".

Bei der Mischung der Rohstoffe wurden „Soda, Steinsalz oder aus Salzkraut hergestelltem Salz“ oder alternativ „etwas Salz, das aus Sole oder Meerwasser gewonnen ist,“ hinzugesetzt.

 

Salz und mittelalterliches Holzasche-Glas

Zum Einsatz von Kochsalz bei der Herstellung von mittelalterlichem Holzasche-Glas führt BERGMANN [1] aus, dass regional mit einem Zusatz von 5-8 % Kochsalz ein Defizit an Kalium durch die wertlosere Holzasche kompensiert wurde.

Dies sei an einem Rest von 0,7-1 % Chlor zu erkennen, nach dem der Kochsalzzusatz beim Erhitzen zum Teil verdampfte.

Bei ALMELING [4] werden als Minorbestandteile in zwei Glasproben um 1600 0,02 % und 0,07 % Chlor angegeben.

Analysen von Buchenasche von verschiedenen Standorten erbrachten den, wenn auch geringen Nachweis an Natriumchlorid.[2]

Wie bei STEPHAN [6] ausgeführt wird, ergaben Probeanalysen des „Holzasche-Kalk-Glastyps aus Wittenberg“, dass bei deren Herstellung eine erhebliche Salzzugabe – Kochsalz (NaCl) und Natriumsulfat (Na2SO4) als Beimengung erfolgte, um den Natriumgehalt der Glasschmelze anzureichern.

 

"Salz, das aus Sole gewonnen ist"

Salz (Natriumchlorid) gilt als ein "geschichtsmächtiger Stoff" - auch begehrt als Handelsgut.[7]

Nach AGRICOLA [6] wurden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bei der Glasherstellung als „Salz“ auch „weißes, durchscheinendes Steinsalz“ verwendet und bei der Mischung der Rohstoffe „Soda, Steinsalz oder aus Salzkraut hergestelltem Salz“ oder alternativ „etwas Salz, das aus Sole oder Meerwasser gewonnen ist,“ hinzugesetzt.

 

Söltjerbrunnen vor dem Rathaus in Bad Münder

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Salinen und ihre wertvolle "Sodasche"

Ein kurzgefasster Überblick zu Salinen im ehemaligen Land Braunschweig ist bei JARCK/SCHILDT [10] zu finden.

 

Herbeischaffung der begehrten Salzasche unter hohen Kosten

Wie in der Saline Münder am Deister, so gewann man auch andernorts aus vorkommender salzhaltiger Sole durch Sieden auskristallisiertes Kochsalz, wobei zum Eindampfen der Sole die Salinenbetreiber Buchenholz verwendeten.

Die beim Sieden anfallende „Salz-Sieder-Asche“ war als Nebenprodukt ein begehrtes Handelsobjekt und fand bei den regionalen Glashütten schnell Absatz.[13]

So hatten die Besitzer der hannoverschen Salinen in Salzhemmendorf und Münder als Aschelieferanten eine nicht unbedeutende Stellung im Wettbewerb des Aschehandels, da sie ihre Salinenasche nicht den einheimischen Glashütten, sondern vielmehr nach "außerhalb des Landes" transportierten.[13]

So gelangte von Salzhemmendorf - auch im Schleichhandel - Salinenasche zur geografisch nahen, besser bezahlenden Glasmanufaktur Schorborn im benachbarten Herzogtum Braunschweig.[10]

 

Saline Salzderhelden in der Leineniederung

In dem zuovor beschriiebenen Kontext findet um 1760 auch die "genehme" Salinenasche aus der Saline Salzderhelden Beachtung, die sich allerdings außerhalb der Kurfürstlichen Kammer in Hannover befindet.[15]

Wie STROHMEIER [13] ausführt, befindet sich unter dem Leinetal in dem Raum Sülbeck [14], Salzderhelden und Vogelbeck "ein mächtiger aufgestiegener Salzkörper aus Zechstein-Salzen der Ober-Perm".

In dem historisch bedeutenden Salzwerk im alten Ortskern von Salzderhelden wurde bereits im 12. Jahrhundert aus einem Brunnen eine etwa 6%ige Sole geschöpft und in 15 Salzkoten (Salzsiedepfannen) zu Salz gesiedet.

Zwischen den beiden Salzwerken Sülbeck (Saline mit stärkerer Solequelle) und Salzderhelden (verkehrsgünstigere Lage nach Einbeck) bestand eine andauernde wirtschaftliche Konkurrenz, einhergehend mit historisch bedingten Ressentiments.[14]

Bislang ungeklärt ist noch die Frage, welche Bedeutung „Salz-Sieder-Asche“ aus Salzderhelden möglichweise für die relativ nahe gelegenen Waldglashütten im Umfeld des Hellentals im Solling gehabt haben.

Zumindest ist für die Schorborner Filialglashütte am Pilgrimsteich belegt, dass 1802 "besonders Salzasche ... von Nordheim, Eimbeck und aus dem Hildesheimschen … hergeholt" worden war.[11]

 

 

1868 errichtetes, scheunenartiges Fachwerkgebäude mit zwei hölzernen Solebehältern

Saline Salzderhelden │ Oktober 2021

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Rohstoff Salinenasche

das Nebenprodukt als Flussmittel

Die "gute" Holzasche, die im Siedeprozeß bei der Befeuerung der Siedepannen in den Salinen entstand, war reich an Kaliumcarbonat (K2CO3), weshalb sie als Nebenprodukt an Glashütten verkauft wurde.[15]

In den Glashütten wurde die „Salz-Sieder-Asche“ als Flussmittel umfangreich genutzt.

Nach LOIBL [8] war die Salinenasche "in Glashütten als Flussmittel besonders begehrt, da diese aufgrund des hohen Natriumanteils mehr Quarzsand zum Schmelzen brachte, als jede andere Aschensorte.“

Im Einzelnen führt LOIBL hierzu aus:

Da die enorme Energiegewinnung zur Erhitzung der Sudpfannen auf allen Salinen durch Holz erfolgte, produzierten die Salzsiedereien in den Salzorten – quasi als Abfallprodukt – riesige Quantitäten an Holzasche, die sich Glashütten zunutze machen konnten.

Die hervorragende Wirkung als Flussmittel resultierte wahrscheinlich aus den getrockneten Salzresten, die beim Erhitzen der Sudpfannen durch Überkochen, Unachtsamkeit oder undichte Gefäße in die Asche gelangt waren und dadurch den Natriumgehalt der Verbrennungsrückstände wesentlich erhöht hatten.

Möglicherweise begünstigten die Prozeduren der Salzsieder die Bildung von Natriumkarbonat (Na2CO3) in der Asche, wodurch beim Glashütteneinsatz “eine ähnliche Flussmittel-Wirkung wie bei der Soda erzielt worden wäre.

Vermieden wurden damit offenbar die negativen Begleiterscheinungen des Kochsalzes, das auf Glashütten immer wieder vergeblich als Flussmittel versucht worden war.“

 

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[1] BERGMANN 2008, S. 89.

[2] LOIBL 1996, S. 28.

[3] LOIBL 1996, S. 185-187.

[4] ALMELING 2006, S. 33 Abb. 10, 34.

[5] AGRICOLA 1556, S. 501.

[6] STEPHAN 2021, S. 285.

[7] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 180-181.

[8 LOIBL 1996, S. 61.

[9] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 181.

[10] JARCK/SCHILDT 2000, S. 501-502.

[11] HASSEL/BEGE 1802, S. 164-165 (3).

[12] AGRICOLA 1556, S. 501.

[13] STROHMEIER 2003, S. 11.

[14] Zusammenfassung der Geschichte der Saline Sülbeck: STROHMEIER 2003, S. 11-33.

[15] STROHMEIER 2003, S. 14,16.

[16] STEPHAN 2021, S. 285.