Christlich-kirchliche Glasmalerei

Klaus A.E. Weber

 

Glasfenster mit der Darstellung der Heiligen Elisabeth

um 1430/1440 │ Niedersachsen oder Nordhessen

Hessisches Landesmuseum in Kassel │ Oktober 2018

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Zum Stellenwert und zur Bedeutung und Technik der Glasmalerei kann auf die Masterarbeit der Kunsthistorikerin SCHAG [8] verwiesen werden, in der sie darlegt, dass „in der Malerei die Glasmalerei einen besonderen Stellenwert“ einnimmt.

Keine andere Technik kann eine so hohe Farbleuchtkraft, unterschiedliche Nuancen der Helligkeit und Farbbrillanz zeigen wie ein Glasbild zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten bzw. bei wechselnder Witterung und variierendem Lichteinfall.“

Da es sie in der vorchristlichen Zeit nicht gab, gilt die Glasmalerei als eine ausschließlich christliche Kunst.[8]

 

Prachtvolle bunte Kirchenfenster

In der mittelalterlichen Zeit von Dunkelheit und Enge glichen imposant gestaltete Kirchenfenster einem gewaltigen „Bilderbuch“ mit großformatigen Szenen, die Kirchenbesucher*innen, die nicht lesen konnten, biblische und christliche Botschaften und Geschichten erzählten.[3]

Nicht zuletzt sollte durch die Darstellungen zugleich auch den Stiftern großes Ansehen und ein Andenken verliehen werden.

Nach MÜLLER [5] sind schon in der karolingischen Zeit bis hinein in das 16. Jahrhundert Gotteshäuser mit leuchtenden farbigen Bild- und Ornamentfenstern geschmückt worden.

Die monumentale Glasmalerei entfaltete ihre Blütezeit im 12. und 13. Jahrhundert in gotischen Kathedralen.

Wie KUNZE [6] anhand von Erzählungen eines Glasfensters exemplarisch darlegt, wurde der Effekt des großen Glasfensterformats von Anbeginn genutzt, "um die Botschaften des Glaubens zu vermitteln" und mit der "Ornamentik der Glaubenszeichen und der Symbole des Glaubens auf den großen Flächen mit ihrer überwältigenden Farbenpracht" die Gläubigen in der Kirche tief zu beeindrucken.

 

Kölner Dom │ um 1280

Glasmalerei im Hohen Dom zu Köln - Kathedrale und Weltkulturerbe

 

⊚ Zum Anklicken

Mittelalterliche Verglasung mit der gotischen Glasmalerei aus dem jüngeren Bibelfenster

Kölner Dom │ Juni 2015

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

[4]

 

Zisterzienserklosterkirche Amelungsborn

Auch für ehemalige Zisterzienserklosterkirche in Amelungsborn mit ihren "Glasmahlereyen" nachvollziehbar schreibt MÜLLER [49]:

"Nur etwa ein Prozent des zerbrechlichsten Bildmediums des Mittelalters hat die Zerstörungen durch die Jahrhunderte überlebt, vielfach in fragmentarischem Zustand und herausgerissen aus den ursprünglichen architektonischen Zusammenhängen."

 

Corpus Vitrearum Medii Aevi (CVMA) Deutschland

Digitales Bildarchiv mit kunsthistorischer Einführung des Corpus Vitrearum Medii Aevi (CVMA) Deutschland für ausgewählte Kirchen mit mittelalterlichen Glasmalereien in Deutschland

 

Stadtpfarrkirche St. Sixti Northeim │ 1478

Die Nordseite der Northeimer St. Sixti-Kirche weist bedeutende Bleiglasfenster mit mittelalterlichen, jetzt aktuell restaurierten Glasmalereien auf. [7]

Neben der Darstellung Hl. Katharina und Hl. Bischof (Eligius?) beheimatet der Kircheninnraum an der Langhaus-Nordseite die ikonografisch ausgefallene Fensterkomposition in einem erhalten gebliebenen Glasmalereizyklus vier monumentale, um 1478 entstandene Szenen der Passion Christi [7]:

Fein ausgearbeitet zeigt das großformatige Fensterbild „Das letzte Abendmahl“ (n VII, 7–9a–c) transparente, grün gefärbte, unterschiedlich geformte und verzierte Trinkgefäße in Form zeittypisch geblasenem Waldglas des norddeutschen Raumes im 15. Jahrhundert:

  • ein Stangenglas mit unten versetzt angeordneten, gleichmäßigen Warzenreihen (Warzenmuster)

  • ein großer Krautstrunk mit aufgeschmolzenen, glatten Nuppen

  • konisch geformter Becher mit Korbgeflecht-Muster

  • konisch geformter Warzen-Becher

 

St. Johannes-Kirche Uslar

Hervorzuheben sind die großen gotischen Glasfenster mit Heiligendarstellungen des ab 1428 neu errichteten Chors der St. Johannes-Kirche gegenüber der ehemaligen welfischen Burg in Uslar.

 

Glasfenster mit der Darstellung von Heiligen

2. Drittel 15. Jahrhundert │ St. Johannes-Kirche Uslar

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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[1] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 13. November 2020 von Christophe Vuilleumier, Historiker und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte.

[2] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 12. Februar 2021 von Cornelia Mechler, Leiterin Verwaltung, Marketing, PR im Kunstmuseum Thurgau und Ittinger Museum, Kartause Ittingen.

[3] LINGEN 2021, S. 5, 13.

[4] Brockhaus‘ Konversations=Lexikon. 14. Aufl., 7. Bd. Leipzig, Berlin u. Wien. 1902. Glas - 1002-1044.

[5] MÜLLER 1994, S. 5.

[6] KUNZE 2020, S. 33.

[7] LINGEN 2021.

[8] SCHAG 2015, S. 31-35.