Die Regionalmacht der Eversteiner

Klaus A.E. Weber

 

Die Grafen von Everstein waren reich begütert, übten die Gerichtsbarkeit aus, besaßen die Markt- und Bürgerrechte sowie das Geleitrecht über die Weser.

Der nach rechts schreitende gekrönte Eversteiner Löwe ist im Wappen des Landkreises Holzminden hinterlegt.

 

Der nach rechts schreitende gekrönte Eversteiner Löwe │ 14. Jahrhundert

Wappenschild derer von Everstein

Tumba in der Klosterkirche von Amelungsborn

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Seit dem frühen 12. Jahrhundert (in der Literatur 1113, auch 1116) nannten sich die Grafen von Everstein (auch "von Euerstein" und "von Eberstein") nach den Dynastenburgen "Großer Everstein" und "Kleiner Everstein" auf mehr oder minder schwer zugänglichen, eingeebneten Felskuppen des Höhenzuges Burgberg bei Bevern.

Diese Burganlage entstand etwas früher als die benachbarte Homburg.

Zudem bestand ein kleinräumiger Burgflecken.

 

Höhenburgen als regionale machtpolitische Symbole des Mittelalters

Die dynastische Doppelburg Großer und Kleiner Everstein von Südosten

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Ruine der Hohenburg "Großer Everstein" an der Ostkuppe des Burgberges ⎸ Februar 2022

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Im mittelalterlichen Zeitalter von Schwert und Glaube waren regionalhistorisch die beiden Eversteiner Dynastenburgen machtpolitische Zentren der hoch- bis spätmittelalterlichen Gesellschaft.[1]

Beide Höhenburgen zählen zu den wichtigsten Dynastenburgen im Weserbergland.[3]

Wie eine plastisch ausgeformte Zierscheibe in Wappenform „mit einem weißen gekrönten Löwe im blauen Feld“ an einer der vier Gewölberippen des mittleren Chorjochs im Hohen Chor zeigt, war das Kloster Amelungsborn der Grafschaft Everstein besonders verbunden.[5][6]

 

Zierscheibe mit Wappen der Grafen von Everstein

„weißer gekrönter Löwen im blauen Feld“

Chor der Klosterkirche Amelungsborn

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die Höhenburgen Everstein

 

Kleiner Everstein

  • Bergkuppe: 311,0 m
  • errichtet

  • um 1100 - 1284

  • mit ehemaligem Kirchdorf Dune

 

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Grundriss des Kleinen Eversteins

 

Großer Everstein

  • Bergkuppe: 345,2 m

 

Die Höhenburg Polle

Vermutlich bereits um das Jahr 1200 errichtet, wurde die Höhenburg an der Weser als Sitz der Eversteiner Grafen 1285 erstmals urkundlich erwähnt.

 

 

Eversteinsches Grabmal

Sandsteintumba des Grafen Hermann III. und seiner Frau Gräfin Adelheid

 

Eversteinsches Grabmal

Eversteiner Graf Hermann III. zu Polle und seine Gemahlin Adelheid zur Lippe [7]

Sandstein-Hochrelief │ Mitte/Ende 14. Jahrhundert

Klosterkiche zu Amelungsborn, verlegt in die Mitte des südlichen Chorseitenschiffes

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

In der Klosterkiche von Amelungsborn wurde das größte und prächtigste, sarkophagähnliche Grabmal aus dem 14. Jahrhundert in die Mitte des südlichen Chorseitenschiffes verlegt.⦋4⦌

Hierzu die 1907 veröffentlichte Beschreibung von STEINACKER [2]:

Im Chore südlich zwischen dem ersten und zweiten Pfeiler von der Vierung das Grabdenkmal aus rotem Sandstein eines Ehepaares des gräflichen Eversteinschen Hauses.

Schwerfällige Arbeit vom Ende des XIV. Jahrhunderts.

Die etwa lebensgroßen Figuren sind in starkem Hochrelief ausgeführt und liegen, der Mann links, die Frau rechts, unter einem Maßwerkbaldachin auf der tumbenartig erweiterten Chorbrüstung, wozu den Übergang an den Längsseiten eine Schräge über einer auch an der Kopfseite herumgeführten Kehle bildet.

Vor den Füßen ist Platte und Untersatz bis fast an den Pfeiler verlängert.

Breite 123 cm, Länge vom Fußrande der Figuren bis zur Höhe des Baldachins 250 cm.

Vermutlich lag dieses Grabmal noch 1840 im Chor vor der Vierung und neben dem damaligen kleinen Altare.

Die Köpfe ruhen auf Kissen.

 

Eversteiner Graf Hermann III. zu Polle († 1350/1351) [7]

barhäuptig mit halblangem Haar und spitzem Vollbart

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der barhäuptige Graf trägt halblange Haare mit spitzem Vollbart, Lederkoller, vorn mit Knopfreihe, darunter Kettenhemd, an Armen, Beinen, Knieen und Füßen Panzerplatten.

Ein Gürtel mit einer Reihung von mit Vierpassen ausgefüllten Kreisen umgibt die enge Taille.

Die Linke ruht auf einem Wappenschilde mit dem eversteinschen nach heraldisch rechts schreitenden gekrönten Löwen.

Die Rechte fasst auf den Griff des Schwertes, das senkrecht zwischen den Beinen steht.

Die Füße ruhen je auf einem Löwen.

 

Gräfin Adelheid zur Lippe

mit Kinn- und Kopftuch

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die Frau trägt über dem Untergewande einen faltenreichen Mantel, vor der Brust an einem Bande ein Schild mit fünfblättriger Rosette, Kinn- und Kopftuch.

Die Hände liegen nach oben gegeneinander gerichtet vor der Brust.

Die Faltenrichtung ist die einer stehenden Figur.

Die Füße ruhen je auf einem Hunde.

Der ursprünglich über den Häuptern angebrachte, aus einem Stück gearbeitete Baldachin ist jetzt zur Seite gestellt.

Er war unvollendet geblieben und ist neuerdings leider ersetzt in der Absicht, am neuen Stück die am alten unterbliebene Arbeit auszuführen und zu verbessern.“

 


Lippische Rose am Torhaus

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Heimat- und Verkehrsverein Höxter e.V.:

Graf Hermann von Everstein und die Geschichte der Thonenburg

 

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[1] HEINEMANN 1977, S. 271.

[2] STEINACKER 1907.

[3] STEPHAN 2010, S. 283-286.

⦋4⦌ GÖHMANN 1991, S. 19 Anm. 45.

[5] GÖHMANN 1991, S. 55 Anm. 29.

[6] GÖHMANN 1982, S. 84.

[7] RAULS 1974, S. 29.