Ofenbauteile und technische Keramik

Klaus A.E. Weber

 

Fundbestand

22 .Januar 2023

 

Glasschmelztiegel und Ofenbauteile

aus Hafenton und Lehm

Für die aus poröser, hellgrauer bis dunkelgrauer Feuerfestkeramik mit hoher technischer Qualität freihandgeformten Glasschmelzhäfen wurden spezielle hochwertige Tone verwendet.

War zunächst für die mittelalterlichen Waldglashütten des Sollings die Verwendung von feuerfestem Hafenton aus dem nordhessischen Großalmerode diskutiert worden [1], so ist nunmehr nach röntgenfluoreszenzanalytischen Materialuntersuchungen eher davon auszugehen, dass die Glasmacher einen lokalen, möglicherweise aus dem Solling stammenden feuerfesten Ton nutzten.[2]

Letztlich bleibt aber ungewiss, woher die mittelalterlichen Glasmache im Umfeld des Hellentals ihre Hafentone bezogen.

 

Glasschmelzhafen

Bedeutsam war der Oberflächenfund zweier hellgrau gebrannter, konischer Hafenscherben als Beleg eines aus hochwertiger technischer Spezialkeramik gefertigten Glasschmelzgefäßes in traditionell runder Form.

 

Mittelalterliche Waldglashütte "Bremer Wiese" │ spätes 12. Jahrhundert

Kleiner dünnwandiger hellgrauer Glashafen │ restauriert und ergänzt

„Lochfraß“ auf der Bodeninnenseite und Glasrückstände

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Ofenschalen zur Ablage

Der Bodenfund eines aus feuerfestem Hafenton handgeformten, hellgrauen, flachovalen,  9,2 cm großen Ofenschalenfragments mit Standboden (Wandungsstärke: max.: 2,2 - 3,2 cm) zur Auflage und schrägem, leicht hochgezogenem Rand findet eine Entsprechung in einem Ofenschalenfund einer Glashütte des 12./13. Jahrhunderts im Hils (Archäologische Denkmalpflege).

Die flache Hafentonschale war vermutlich direkt vor einer Arbeitsöffnung an der Außenwand des Hauptschmelzofens angebracht.

 

Mittelalterliche Waldglashütte "Bremer Wiese" │ spätes 12. Jahrhundert

Hellgraues, flachovales Ofenschalenfragment │ Lesefund

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Gießschale bzw. "Probierhafen"

Eine Begehung erbrachte ein hellgraues keramiktechnisches Fragment, das als Gießschale bzw. "Probierhafen" interpretiert werden kann.[3]

Der Oberflächenfund wurde von der Archäologischen Denkmalpflege vorläufig als mögliche kleinere Gießschale zur Herstellung von flachen Glasprodukten eingeordnet:

  • handgeformtes, hellgrau gebranntes schalenförmiges Fragment aus feuerfestem Hafenton
  • Höhe max.: 6,2 - 6,6 cm │ Breite max.: 6,2 - 7,0 cm │ Wandungsstärke: 1,8 cm │ Bodenstärke: 2,2 cm

 

Mittelalterliche Waldglashütte "Bremer Wiese" │ spätes 12. Jahrhundert

Fragment einer Gießschale bzw. eines Probierhafens │ Lesefund

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Marbelplatte

Das Fragment einer 28,5 cm langen und 40 mm starken geröteten Sandsteinplatte aus feinkörnigem Solling-Buntsandstein mit ausgesprochen glatter, vermutlich "polierter" Oberseite kann am ehesten als „Marbelplatte“ angesprochen werden.[5]

Direkt über der Feuerung eingebaut, könnte die glatte Sandsteinplatte zur Fertigung qualitätsvoller Fenstergläser in der spätromanischen Waldglashütte des späten 12. Jahrhunderts gedient haben.[6]

 

Verbackene, teils verglaste Ofenbauteile

Durch Einwirkungen von starker Hitze kompakt verbacken und teils verglast vorgefundene, fragmentierte Ofenbaumaterialien des Hauptofens (?) sind als Lesefunde zu nennen:

  • lokaler Buntsandstein, unbearbeitet

  • Hafenton

  • Lehm.

 

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[1] STEPHAN 1995, S. 74.

[2] STEPHAN/MYSZKA/WILKE 2018, S. 316.

[3] vergl. STEPHAN/MYSZKA/WILKE 2018, S. 318.

[4] BERGMANN 2008, S. 78-79 Abb. 68-69.

[5] vergl. BERGMANN 2008, S. 19 Abb. 7.

[6] vergl. STEPHAN/MYSZKA/WILKE 2018, S. 311.