Technische Keramik │ Glashütte "Bremer Wiese"

Klaus A.E. Weber

 

Hellgrau gebrannter Schmelzhafen

Prunkstück des Histrorischen Museums Hellental

Bedeutsam war der Oberflächenfund zweier hellgrau gebrannter, konischer Hafenscherben als Beleg einer freihändig geformten Feuerfestkeramik in traditionell runder Form; vergl. BERGMANN [11].

Die größere der beiden Hafenscherben bestand aus dem Standboden mit flacher, relativ breiter, kreisförmiger Grundfläche und schrägem Wandungsansatz mit leicht nach innen abgestrichener Randlippe:

  • korrosive Vertiefungen mit erstarrter, schwach verfestigter bläulich-grüner Glasmasse (Reste der Glasfüllung)

  • Höhe max.: 8,3 cm; Breite max.: 16,0 cm; Wandungsstärke: 2,7 – 3,1 cm; Bodenstärke: 0,6 – 1,5 cm)

Das zweite passgenaue Hafenfragment entsprach der glatten, konischen Wandung des Glashafens:

  • Höhe max.: 11,2 cm; Breite max.: 12,1 cm; Wandungsstärke: 1,4 – 2,5 cm

Die Hafenkeramik ist nicht analysiert worden.

Gleichwohl kann für das Glasschmelzgefäß aus poröser, hellgrauer Feuerfestkeramik mit hoher technischer Qualität die Verwendung von feuerfestem Großalmeroder Hafenton diskutiert werden.[1]

 

Keramikrestauratorische Hafenrekonstruktion

Im September 2006 gelang in einer Restaurierungswerkstatt für Keramik [6] die fachgerechte Rekonstruktion des hellgrauen Glasschmelztiegels aus Feuerfestkeramik.[9]

Die keramikrestauratorische Rekonstruktion ergab einen kleinformatigen, leicht leicht asymmetrisch verformten, ungewöhnlich dünnwandigen Glashafen, dessen errechnetes Fassungsvermögen etwa 4 l beträgt [12], was vermutlich einer erschmolzenen Glasmasse von etwa 10 kg entsprechen dürfte.

  • Höhe: 19,0 – 19,5 cm

  • Mündungsdurchmesser: 25,5 – 26,5 cm

  • Fußdurchmesser: 18,00 cm
  • Standboden ⃒ Fußdurchmesser: 18,0 cm; Bodenstärke: 0,6 – 1,5 cm ⃒ mit korrosiven Vertiefungen, teilweise mit erstarrten bläulich-grünen Glasresten
  • konische Tiegelwand  ⃒  Höhe: 19,0 – 19,5 cm; Wandungsstärke: 2,7 – 3,1 cm
  • Abschlusskante, asymmetrische Mündung

Der Schmelzhafen hat aufgrund seines Standbodens mit flacher und relativ breiter Grundfläche im Werkofen wahrscheinlich auf einer Hafenbank seitlich des Schürkanals gestanden haben.

 

 

Mittelalterliche Waldglashütte "Bremer Wiese" │ um 1170

∎ Dünnwandiger mittelalterlicher Glashafen │ restauriert und ergänzt [6]

Bodenfund im Oktober 2004: Zwei passgenaue hellgraue Hafenfragmente

© Fotos: Keramik Restaurierung Lüdtke

© Zeichnerische Rekonstruktion: Henri Henze

Archäologische Denkmalpflege Landkreis Holzminden.

 

Ofenschalenfragment

Der Bodenfund eines aus feuerfestem Hafenton handgeformten, hellgrauen, flachovalen Ofenschalenfragments mit Standboden mit Auflage und schrägem, leicht hochgezogenem Rand findet eine Entsprechung in einem Ofenschalenfund einer Glashütte des 12./13. Jahrhunderts im Hils (Archäologische Denkmalpflege).

Die Tonschale war vermutlich direkt vor einer rundbogigen Arbeitsöffnung an der Außenwand des Hauptschmelzofens angebracht.

 

Gießschale oder Probierhafen

Eine Begehung erbrachte ein hellgraues keramiktechnisches Fragment, das als kleine Gießschale oder als Probierhafen interpretiert werden kann.

Der Oberflächenfund wurde von der Archäologischen Denkmalpflege vorläufig als mögliche kleinere Gießschale zur Herstellung von flachen Glasprodukten eingeordnet:

  • hellgrau gebranntes Fragment mit Standboden mit Auflage und schrägem, nach außen gebogenem Wandungsansatz
  • Höhe max.: 6,6 cm │ Breite max.: 7,0 cm │ Wandungsstärke: 1,8 cm │ Bodenstärke: 2,2 cm

 

Hafen für Bleiglas

Bei dem kleinen eiförmigen Gefäßfragment, gefertigt aus rot gebranntem Ton mit dünnem weißlich-hellgrauem Überzug an der Außenwandung, handelt es sich vermutlich um einen Hafen für Bleiglas.

Ergänzend hierzu konnten im Umfeld mehrere Blei-Gussreste gefunden werden.

 

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[1] STEPHAN 1995, S. 74.

[6] Keramik Restaurierung Lüdtke, Bad Münder am Deister.

[9] vergl. Angaben zu Schmelzhäfen  bei BERGMANN 2008, S. 9-10, 15.

[11] BERGMANN 2008, S. 78-79 Abb. 68-69.

[12] vergl. BERGMANN 2008, S. 80.