Im alten Backraum - Backen und Dörren

Klaus A.E. Weber

 

Blick in den rekonstruierten Museums-Backraum

historischer Holzbackofen mit herzoglich „vorbeschriebenen Maasse

© Historisches Museum Hellental, Fotos: Mechthild Ziemer

 

Als so genannter Einschießofen gibt der Hellentaler Steinbackofen die ursprünglichste Grundform des „Altdeutschen Holzbackofens“ wieder.

Durch das im Jahr 1828 neu errichtete Hellentaler Dorfbackhaus mit seinem überraschend großen Holzbackofen wird in besonderer Weise kulturhistorisch fassbar, wie unter Herzog Carl I. im braunschweigischen Weserdistrikt "zur ansehnlichen Holz-Ersparung" das Errichten von "Gemeinde Back-Häusern" und von "Gemeinde-Back-Oefen" genormter "Struktur und vorbeschriebenen Maasse" verpflichtend wurde.

 

Ofengewölbe mit rund 7 m² großer Backfläche

Drei dem Ofengewölbe aufliegende und mit Eisenschiebern versehene Rauchkanäle erlaubten es dem Bäcker, die Luftzufuhr und Temperaturverteilung im Herdinnern von der Stirnwand des Backofens aus manuell zu steuern.

Der „Dreizugofen“ wurde wahrscheinlich 1828 im Kontext mit dem Bau des neuen Gemeindebackhauses errichtet und längstens bis um 1907 betrieben.

 

Herdsohle des innen direkt mit Buchenholz befeuerten Steinbackofens ~ 1772-1828

Steinfragmente aus „Solling-Buntsandstein“ der rund 7 m² großen, zweischichtigen Backgrundplatte

Funde aus der im Jahr 2006 freigelegten Originalanlage des alten Backofens im Hellentaler Gemeinde-Backhaus

 

Drei Kreuze über dem Brotteig

Als im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Sollingdörfern noch selbst Brot gebacken wurde, pflegten die backenden Frauen zuhause drei Kreuze über dem Brotteig (Sauerteig) zu machen, um die Hexen von ihm fern zu halten.

Schnitt der alte Bauer Nickel aus Dinkelhausen ein Brot an, machte er stets zuerst drei Kreuze unter dem Brotlaib und sprach „In Gottes Namen“.[1]

 

"Rocken-Brodt"

Die alte Kulturpflanze Roggen war auf Grund ihrer guten Anbaubarkeit die vorherrschende Getreideart, nach den Anbauverhältnissen der Dreifelderwirtschaft ausgesät als Wintergetreide.

Auf den Buntsandsteinböden des Sollings waren die ohnehin eher spärlichen Roggenernten immer wieder von Frühjahrs- und späten Nachtfrösten, von Nässe (Nebel, Regen) und Überschwemmungen sowie von „Sturmwinden” bedroht.

Auf das unter Carl I. angelegte Sollingdorf Hellental übertragbar, ist der Beschreibung des herzoglichen Commissarius Laurentius zu entnehmen, dass im agrarisch strukturierten Heinade deshalb Weizen nicht angebaut wurde, "weil es wegen der Nähe des Holterschen Berges [Holzberg] und des Sollings zu kalt ist."

 

Balkenwaage um 1900

Bäcker-Waage mit Gewichten │ WJM 5 kg │ Metall, Holz │ Holzminden

 

Teigwaage des Bäckermeisters Manfred Dittrich │ Hellental │ 1960er Jahre

© Historisches Museum Hellental, Foto: Mechthild Ziemer

 

∎ Balkenwaage 1960er Jahre

unbenutzte Bäcker-Waage mit Gewichten │ RHEWA [3] Type 145 │ 6 kg │ Metall, Holz │ Hellental

familiäres Geschenk an Bäckermeister Manfred Dittrich

 

Rundes Kuchenblech um 1900

Metall │ Hessische Rhön, Marktgemeinde Hilders

 

Dörren von Obst [2]

Einst wurden im Weserdistrikt Backöfen auch als Dörr-Öfen zum Konservieren von Obst durch Lufttrocknung genutzt.

Bei Temperaturen von 30 – 70° C wurden dem auf Gitterroste gelegtem Dörrgut Wasser entzogen - die älteste wirksame Konservierungsmethode.

Vitamine, Mineralstoffe und Nahrungsfasern blieben dabei für längere Zeit erhalten.

 

Dörrgerät 2007/08

Dörrer GP-102-1 │ Westfalia │ Hellental

 

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[1] nach Heinrich Sohnrey: Die Sollinger. Berlin 1924, S. 267.

[2] GANS 2013, S. 117-122.

[3] RHEinische WAagenfabrik, Mettmann, gegründet 1904.