Wasseraufbereitung

Klaus A.E. Weber

 

Wasseraufbereitung des THW-Ortsverbandes Wolfenbüttel

Notfall 2009: „Nur noch für drei Tage Trinkwasser“

Für das abgelegene Sollingdorf Hellental war es am 18. Oktober 2009 zu einem einschneidende Ereignis gekommen:

Am Sonntagnachmittag war unvermittelt ein außergewöhnlicher Notfall in der Trinkwasserversorgung des Dorfes Hellental mit damals rund 320 Einwohner*innen aufgetreten.

Die Wasserreserve des Hellentaler Hochbehälters konnte nur noch 4 – 5 Tage Trinkwasser bereitstellen.

Zur Sicherstellung einer einwandfreien Trinkwasserversorgung der Hellentaler Dorfbevölkerung erfolgte vom 20. – 30. Oktober 2009 erstmalig in Deutschland ein aufwändiger Echteinsatz einer mobilen modularen Trinkwasser-Aufbereitungspilotanlage (TWAA 15) der Fachgruppe Trinkwasserversorgung des THW-Ortsverbandes Wolfenbüttel.[1]

 

THW-Fachgruppe Trinkwasserversorgung im Oktober 2009

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© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Mit der Trinkwasseraufbereitungsanlage UF15 wurde mit den Ultrafiltrationsmodulen vom Typ Berkefeld mit UV-Anlage, Chlor- Dosierungsanlage und Flockungsfiltration mit/ohne Aktivkohlestufe hatten eine Leistung von ca. 5 – 10 - 15 m³/h.

Über die Erfahrungen mit einem THW-Echteinsatz mit Ultrafiltrationsmodulen wurde bei der Fortbildungstagung für Wasserfachleute beim WaBoLu-Wasserkurs im November 2010 in Berlin amtsärztlich berichtet.[2]

 

Alte Routine-Wasseraufbereitung durch das Ionisationsverfahren

 

Historische Silberungsanlage zur chemischen Trinkwasserdesinfektion

noch 2001 in einem Wasserwerk betrieben

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung

Immer wieder traten während des 18. und 19. Jahrhunderts wassergebundene Infektionskrankheiten auf, wie vornehmlich

  • Ruhr

  • Cholera

  • Typhus abdominalis.

Diese meist klinisch schwer verlaufenden bis hin gar tödlichen Infektionserkrankungen können vornehmlich im Zusammenhang mit der hygienisch mangelhaften Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung in jener Zeit gesehen werden.

Zeittypisches Beispiel hierfür ist die als „asiatische Brechruhr“ bezeichnete Cholera, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstmals als verheerende Epidemie in Europa wütete.

 

Die Cholera als wassergebundene Infektionskrankheit

Plötzlichkeit, Geschwindigkeit und Fremdheit des dramatischen Auftretens der Cholera führte zu einer besonderen öffentlichen und politischen Wahrnehmung der Infektionskrankheit.

Der ersten europäischen Cholera-Welle folgten weitere in unterschiedlicher regionaler Ausprägung, wie 1850 im Alt-Kreis Holzminden.

Von Juli bis September 1850 verbreitete sich die Cholera entlang des Leinetals und forderte beispielsweise in der Stadt Uslar und in dem Sollingdorf Sievershausen zahlreiche Todesopfer.

Am 19. August 1850 trat am nordöstlichen Sollingrand – im Bauerndorf Heinade - der erste Choleratodesfall im Alt-Kreis Holzminden auf.

Auch das benachbarte Sollingranddorf Merxhausen wurde von der Cholera-Epidemie heimgesucht.

Für Heinade und Merxhausen konnten insgesamt 34 Cholerasterbefälle ermittelt werden.

Der schlimmste Cholera-Tag in dem Walddorf Sieverhausen sei der 26. August 1850 gewesen, an dem „nicht weniger als 37 Tote“ gezählt wurden.

Wie Berichten der Kreisdirektion und dem Hauptbericht des Herzoglichen Ober-Sanitäts-Collegiums zu Braunschweig zu entnehmen ist, verstarben an der Cholera vom August bis zum Dezember 1850 - mit erkrankungstypischem Maximum in den Spätsommermonaten September und Oktober - insgesamt 352 Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts und mit unterschiedlichem sozio-ökonomischem Status.

Legt man die durchschnittliche Sterblichkeitsrate der schweren Infektionskrankheit zugrunde, so dürften schätzungsweise bis zu 700 Kreiseinwohner an der Cholera erkrankt gewesen sein.

Die tiefe Abgeschiedenheit mit mangelhafter verkehrsräumlicher Erschließung erwies sich für Hellental in jenem Jahr der schweren Cholera-Epidemie als vorteilhafte geografische Barriere gegenüber einer Infektionseinschleppung.

ie geografische Isolierung führte zu einem infektionsepidemiologischen Sonderstatus gegenüber benachbarten, verkehrsräumlich besser erschlossenen Bauerndörfern am nördlichen Sollingrand.

Aber auch die Berglage des Sollingdorfes mit stagnationsfreiem Quellwasser wirkte sich gegenüber einem Import der Cholera offenbar vorbeugend für die ansonsten Not leidenden Dorfbewohner aus.

Aus tiefem religiösem Dank heraus, dass durch „göttliche Fügung“ die fürchterliche Choleraepidemie keine Todesopfer gefordert hatte, fasste die Hellentaler Gemeindevertretung den Beschluss, für „ewige Zeiten“ jährlich für die Errettung von der Cholera zu danken.

Ab 1851 wurde der erste Mittwoch im September als örtlicher Buß-, Bet- und Gedächtnistag bestimmt.

Der angelobte „Cholerafeiertag“ wurde danach jährlich etwa 100 Jahre lang würdigend mit einem Abendmahlgang in der Hellentaler Dorfkapelle begangen.

 

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[1] Weber, Klaus A.E., Uwe Brinkmann: Trinkwasser-Störfall in einer südniedersächsischen Gemeinde. Gesundheitswesen 59 (1997), S. 609-612.

[2] Weber, Klaus A.E.: "Nur noch für drei Tage Trinkwasser" - Erfahrungen mit einem THW-Echteinsatz mit Ultrafiltrationsmodulen. WaBoLu-Wasserkurs 2010. Fortbildungstagung für Wasserfachleute. 2.-4. November 2010, Berlin. Schriftenreihe des Vereins für Wasser-, Boden und Lufthygiene e.V. Bd. 139 (CD-ROM), V 10.