HtGM 2-1 - Verwendung von Blei- und Kupferoxid

Klaus A.E. Weber

 

Mittelalterliche Waldglashütte "Bremer Wiese" │ um 1170

∎ Tropfenförmig, oval oder unregelmäßig ausgebildete Glastropfen unterschiedlicher Färbung

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Mittelalterliche Waldglashütte "Bremer Wiese" │ um 1170

∎ Relikte mittelalterlicher Bleiglasherstellung auf der Waldglashütte │ Lesefunde

Glasausstellung des Historischen Museums Hellental

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Mutmaßliche Herstellung von farbigem Holzasche-Blei-Glas

Indirekte Nachweise

Es ist für die Waldglashütte des späten 12. Jahrhunderts kann anhand von oberflächennahen Bodenfunden ein kleiner Metallverarbeitungsofen (Bleischmelzstelle) zum Einschmelzen von Blei und Kupfer zur Herstellung von farbigem Holzasche-Bleiglas angenommen werden.

 

Mittelalterliche Waldglashütte "Bremer Wiese" │ um 1170

∎ Bodenfragmente verschiedener Bleiglashäfen │ Lesefunde

tiefe Korrosionsspuren auf der Bodeninnenseite

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Mittelalterliche Waldglashütte "Bremer Wiese" │ um 1170

∎ Glasurfleck (Bleirest?) auf der Innenseite und Korrosionsspuren ("Lochfraß") im Bodenbereich

des restaurierten Glasschmelzhafens

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Als Bodenfunde im Umfeld des Hüttenstandortes konnten mehrere kleine Reste von geschmolzenem, weißlichem bis grauem oxidiertem Blei (Bleioxid-Gussreste) nachgewiesen werden, welche vermutlich für die Herstellung hochwertiger Bleigläser vorgesehen waren.

Bodenfragmente von Bleiglashäfen mit innenseitig tiefen Korrosionsspuren, dem für Bleihäfen typischen „Lochfraß“, glasurartigen weißlich-grauen Anhaftungen auf den Innenseiten von Gefäßwandfragmenten, smaragdgrüne Verglasungen sowie ein Rest rotopak gefärbter Glasschmelze lassen den Einsatz von Blei- und Kupferoxid in der Waldglashütte vermuten.

Ohnehin gelten der aggressive „Lochfraß“ in Bodenfragmenten als typisch für Bleiglashäfen wie auch dünne grüne Bleiglasschichten auf Wandungsinnenseiten.

Ein Ofenlehmfragment mit glasurartiger smaragdgrüner Auflage ist am ehesten auf eine mit Hafenton beschmierte und stark verglaste Innenverkleidung einer Schmelzkammer zurückzuführen.[1]

 

Mittelalterliche Waldglashütte "Bremer Wiese" │ um 1170

∎ Glasurartige Auflage von smaragdgrünem Bleiglas

auf einem Lehmbruchstück einer Schmelzkammer-Innenverkleidung

Vermutlich Hinweis auf die Verwendung von Blei-Kupferverbindungen

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Kleiner, dünnwandiger „Probierhafen“ aus Ton

Das ungewöhnlich zierliche, schalenförmige, 5,1 cm große Gefäßfragment mit einer Wandungsstärke von 0,7 cm , gefertigt aus rot gebranntem Ton (keine Feuerfestkeramik) mit dünnem hellgrau-gelblichem Überzug an der Außenwandung, ist am ehesten als kleiner „Probierhafen“ (Gusstiegel) zur Verwendung für rotes und blaues Glas bei der Herstellung von Bleiglas anzusprechen.[2]

 


Mittelalterliche Waldglashütte "Bremer Wiese" │ um 1170

∎ Fragment eines kleinen, dünnwandigen „Probierhafens“ (Gusstiegels) │ Lesefund

wahrscheinlich zur Verwendung bei Herstellung von farbigem Holzasche-Bleiglas

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

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[1] STEPHAN/MYSZKA/WILKE 2018, S. 327.

[2] vergl. DBU 2018, S. 84.