Schafwolle - Ein nachwachsender Rohstoff
Klaus A.E. Weber
Traditionell liegt die Wollverarbeitung. die im Winter erledigt wird, in den Händen der Mädchen und Frauen.
Freilichtmuseum Hessenpark
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Zur Selbstversorgung wurden im und nach dem Zweiten Weltkrieg auch im Hellental Schafe gehalten, um Wolle zu gewinnen, z. B. zum Stricken.[1][2]

Hausschaf (Ovis gmelini aries) │ Frühjahr 2018
Mutterschaf mit Jungtieren im Hellental
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Von der Schur zur Wolle – Verarbeitungsschritte
nach Angaben im Freilichtmuseum Hessenpark (2019)
1. Waschen
Grobe Verschmutzungen werden mit der Hand aus dem Fell des Schafes gewaschen.
2. Schafschur
Das Scheren von Schafen (Wollschur), erfolgt bei Freilandhaltung einmal im Jahr.
Dabei sollte die Rohwolle in einem Stück („Vlies“) verbleiben.
3. Waschen der Schweißwolle
Verschmutzungen (Pflanzenreste, Dreck, Mist, kleine Steinchen) wie auch das Lanolin (wasserabweisendes Wollwachs) werden mittels milder Seifen (Laugen) aus der Rohwolle gewaschen.
4. Zupfen
Die einzelnen Wollfasern werden aufgelockert und verbliebene Verunreinigungen (Stroh, Pflanzenreste) entfernt.
5. Kardieren oder Kämmen
Die Wollfasern werden von Knötchen befreit, weiter voneinander getrennt und einheitlich ausgerichtet, wodurch mit Hilfe von Handkarden das „Kardenvlies“ entsteht und weiterverarbeitet werden kann.
Langfaserige Wolle kann mit Hilfe von zwei Kämmen ausgekämmt werden, wodurch ein „Kammerzug“ entsteht, der nur gleichlange Fasern aufweist.
6. Spinnen
Die Wollfasern werden beim Spinnen miteinander zu einem Einfachgarn verdreht, zumeist mit dem Spinnrad.
7, Zwirnen
Mehrere Einfachgarne werden zu einem dickeren Garn (Zwirn) miteinander verdrillt.
8. Haspeln
Das fertige Garn wird zu Strängen aufgewickelt, wobei die Länge mittels eines Zählwerks an der Haspel gemessen werden kann.
Rohe Schafwolle
Neben Pflanzenresten und Verschmutzungen enthält die als Schafwolle gewonnene Rohwolle (ungewaschene Scheißwolle) Wollfett (Lanolin) aus den Talgdrüsen des Hausschafs (Ovis gmelini aries).
© [hmh, Foto:: Klaus A.E. Weber
Gewaschene Schafwolle
Die mit milder Seife gewaschene Schafwolle enthält kaum noch Lanolin.
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Naturgefärbte Wolle
Nach spätmittelalterlicher Art in einem großen Kessel mit Wasser und Pflanzenfarben gefärbte Schurwolle.

Wasch- und Färbetag
Nienover Mittelalterhaus
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
______________________________________________________________________
[1] mündliche Berichte aus Hellental.
[2] siehe auch SIUTS 2002, S. 150.