Verarbeitung der Milch

Klaus A.E. Weber

 

Die in Themenräumen ausgestellten historischen westfälischen und ostwestfälischen Hausgeräte zeigen die Arbeitsschritte, die früher ausschließlich in Handarbeit verrichtete wurden.

 

Arbeitsschritte der historischen Milchverarbeitung

Die Milchverarbeitung war mit Zeit, Geduld und Kraft verbunden und gehörte zumeist in den Arbeitsbereich der Landfrauen.

Die typischen Arbeitsschritte der traditionellen Milchverarbeitung sind

  • Milchgewinnung durch ein- oder mehrmaliges Melken von Kühen mit der Hand, regional auch von Ziegen oder Schafen

  • Aufbereitung der Milch

  • Verarbeitung der Milch zu Butter und/oder Käse

  • Verkauf der übrigen Milch an regionale Molkereien.

 

Freilichtmuseum Molfsee – Schleswig-Holstein

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Harte Arbeit mit Zeit, Geduld und Kraft

Frisch durch Handmelken gewonnene Milch wurde traditionell zumeist dazu verwendet, Butter herzustellen - regional bis in die 1950er Jahr.

Das Buttern bzw. die Butterung ist der zentrale Prozess bei der Butterherstellung.

Es war ein altes landwirtschaftliches Handwerk, um den Rahm, das nahrhafte Milchfett, über eine längere Zeit haltbar zu machen und zugleich eine streichfähige Form des Milchfettes (Streichfett) zu erhalten.

Der Prozess der Butterung, die Arbeitsschritte des Rahmens und Butterns, war früher in der kleinbäuerlichen Selbstversorgung ausschließlich harte Handarbeit - vor allem die von Landfrauen.

Die meisten Hellentaler Kleinstellenbesitzer waren im 18./19. Jahrhundert Waldarbeiter, die mit einem Mischeinkommen nebenerwerblich eine kleinbäuerliche Landwirtschaft mit je 1-2 Kühen betrieben.

Die durch das Handmelken gewonnene Kuhmilch wurde primär zur Herstellung von Sauerrahmbutter zum häuslichen Eigenbedarf verwendet.

Im Zuge der Gleichschaltung der Landwirtschaft durch das seit dem 30. Januar 1933 regierende NS-Regime wurde 1933 die Ablieferungspflicht für Milch eingeführt, um zur Versorgung des NS-Staates die Milchwirtschaft s zentral zu organisieren und zu kontrollieren.

In der Folgezeit wurden Bauern, deren Betrieb Milch erzeugte, verpflichtet, sie an festgelegte örtliche Molkereien oder Rahmstationen abzuliefern.

Die Eigenverarbeitung der Milch wurde den bäuerlichen Haushalten untersagt und zugleich verboten, Butter im eigenen Haushalt herzustellen.