Urgroßmutters Küche

Klaus A.. Weber

 

Museum der Alltagskultur

Ungeteilter Küchenraum mit zwei Herdstellen [3] und Speise-Kammern

im Erdgeschoss │ um 1930 [4]

© Historisches Museum Hellental

 

Die Küche war Arbeitsplatz, zugleich auch Ess-, Wohn- und Aufenthaltsraum

Wie wurde früher gekocht, gebraten, gebacken, geröstet, geheizt, gebügelt, getrocknet?

Wie sah häuslich vorausschauendes Aufbewahren aus?

Der elektrische Herd mit integriertem Ofen begann sich in der Bundesrepublik ab den 1950er Jahren durchzusetzen.

„Während 1945 erst ca. 23 % der bundesrepublikanischen Haushalte über einen Elektroherd verfügten, waren es 1964 bereits gut 47 %“.[2]

 

Inszenierte ländliche Kochküche │ um 1950

© [hmh, Foto: Mechthild Ziemer

 

Vertiefungsthemen →

⋙ Die Herdstelle - Herz des ganzen Hauses

⋙ Küchengeräte

⋙ Körperpflege in der Küche

⋙ Körbe flechten und Besen binden

⋙ Das koloniale Zeitalter │ gestern-heute-morgen

 

Als einst die Herdstelle noch offen war - und es rauchte

Nach mündlicher Überlieferung verfügte ursprünglich der Küchenraum zeitgemäß über eine offene Herdstelle.

Neben dem Rauchabzug der alten Herdstelle dürfte sich ehemals ein vergleichbarer Speck- und Fleischhaken für Geräuchertes befunden haben.

 

∎ Speckhaken │ Küchenhänger

Eisen, handgeschmiedet

 

Ländliche Hauswirtschaft - Kochen und Bevorraten

Das Tätigkeitsfeld einer Hausfrau in den 1960er Jahren kann unter zeitlichen (Zeitbudget) und räumlichen (Aktionsbereich) Komponenten betrachtet werden.[1]

Ein Haushalt der Selbstversorgung zeichnete sich als ein Arbeitsplatz mit vielfältigen und komplexen Arbeitsabläufen aus.

Dabei umfasste die traditionelle ländliche Hauswirtschaft oft schwer zu bewältigende Aufgaben, wie

  • Nahrungsversorgung nach dem saisonalen Rhythmus der Ernteperioden

  • Lebensmittelverarbeitung │ Lebensmittelzubereitung

  • Vorratshaltung (Speisekammer)

 

Der alte Küchenraum mit Herdstelle

Die inszenierte Ausstellung wirft einen Blick auf die ländlich einfache Küche als Raum mitten im gesellschaftlichen Leben des Wohnhauses von 1884 in Hellental.

Die Küche diente als Arbeitsraum, Aufenthaltsort und Treffpunkt für Familie und Besucher*innen und spiegelt exemplarisch technikhistorische, gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen in der Zeit zwischen 1900 und 1970 wider.

Wie bei allen älteren Küchen, so war einst auch der mit Einzelmöbeln gestaltete Küchenraum [3] der zentrale Arbeitsort primär für die Zubereitung von Lebensmitteln.

Heute ist die Küche traditionell mit einer Herdstelle und einen Holzkasten ausgestattet.

In den Wintertagen war hier ein warmes Plätzchen zum Aufwärmen gegeben und zugleich ein sozialer Treffpunkt für alle Hausbewohner*innen.

Da die Küche der oft einzige warme Raum im Wohnhaus war, wurde sie auch zur persönlichen Körperpflege mit Wasser und Seife genutzt.

Historische und moderne Gerätschaften veranschaulichen eine ländliche Haushaltung - von der alten, vom elektrischen Strom unabhängigen Herdstelle, der „Küchenhexe", bis zum modernen „Zauberstab“, einem elektrischen Stabmixer.

Weitere Wirtschaftsräume des Sollinghauses waren die

 

„Frauensache“ in der Küche

Kochfrauen aus Hellental │ um 1956

© Historisches Museum Hellental

 

Gefliester Keramikboden

∎ Mettlacher Platten │ 1950er Jahre

Mosaik-Bodenfliesen 5 x 5 cm │ Keramik │ Mosaikmatten, bandgeklebt │ 1,60 m²

Villeroy & Boch, Keramische Werke AG

Steingut- und Mosaikfabrik │ Mettlach an der Saar

[hmh Inv.-Nr. 5103

Im Jahr 1846 war im Werk Septfontaines (Département Doubs) mit der Trockenverpressung von Mosaiksteinchen für Fußböden begonnen worden – „Mettlacher Platten" als hartgebrannte Bodenfliesen.

 

Die Wohnküche

 

Mahlzeit in der Wohnküche

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Der Küchenschrank erinnert an die Frankfurter Küche

Ein kulturelles Erbe der 1920er Jahre

Im Gegensatz zum vorgestellten alten ländlichen Küchenraum gilt die in den 1920er Jahren entstandene, innovative „Frankfurter Küche“ als Meilenstein moderner Wohnkultur.

Die Küche avanciert zum abgegrenzten Arbeitsplatz von maximal 6 bis 7 m².

Industriell angelehnt, entwarf die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) eine kompakte Konzeption, um die Wege und Arbeitsschritte bei der Hausarbeit so effizient wie möglich zu gestalten.

Das Küchendesign der ersten industriell gefertigten Einbauküche war mit klaren Linien und durchdachter Ordnung funktional, platz- und zeitsparend und konsequent auf Arbeitsabläufe optimiert.

Aus einem kritischen Blickwinkel betrachtet, stellt sich heute die Frage, ob die Frankfurter Küche eine Care-Arbeitsfabrik war?

 

Bunzlauer Keramik mit Spritzdekor │ Töpferdorf Fredelsloh

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

◼ Bunzlauer Keramik │ 1930er-1940er Jahre

Feinsteinzeug Art Déco │ braunes Spritzdekor mit Zackenmuster

Töpferdorf Fredelsloh

Keramikkonvolut Bunzlauer Keramik:

2 Kaffeekannen │ 2 Teekannen │ 2 Milchkännchen

[hmh Inv.-Nr. 5155

 

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[1] HEIDEMANN/STAPF 1969, S. 38-120.

[2] Freilichtmuseum Kiekeberg: Newsletter Januar 2023.

[3] In den Folgejahrzehnten wurde eine hölzerner Raumteiler mit Oberlichtern und Tür eingebaut.

[4] Auszug aus der Bauakte Landkreis Holzminden, Aktenzeichen: 257/30, Antragsbeschreibung: Stallgebäude, Gemarkung, Hellental, Lönsstr. 6 │ Bauherr: Hempel, Friedrich │ eingesehen am 22. Juli 2013.Bauakte Landkreis Holzminden, Aktenzeichen: 257/30.