Vom Korn zum Brot
Klaus A.E. Weber
"Der Brotschneider" │ 1823
Olgemälde von Moritz von Schwind (1804-1871)
Oberes Belvedere Museum │ Wien 2018
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Brot zu backen, erfordert Wissen, Geduld, Kreativität und Teamwork
Das älteste von Menschen zubereitete pflanzliche Grundnahrungsmittel in einem (Holz-)Backofen herzustellen hat eine über 6.000-jährige Kulturgeschichte, vornehmlich verbunden mit der Entwicklung der bäuerlichen Kultur in der Jungsteinzeit.
Dabei bestimmte die Erfindung des Backofens frühzeitig die Entwicklungsgeschichte des Brotbackens.
Das Brot als "Geschenk der Natur" ist seither ein elementarer Bestandteil menschlicher Ernährung.

Bäckerei │ Bemaltes Holzmodell als Grabbeigabe
Mittleres Reich │ 1980-1760 v. Chr.
Rijksmuseum van Oudheden │ Leiden │ April 2023
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Im 18. Jahrhundert erlangte Brot als Hauptbestandteil der sich wandelnden Nahrungsgewohnheit eine zentrale Bedeutung in der täglichen Ernährung, so auch im Solling.
Brotbacken gilt als zentraler Bestandteil der Selbstversorgung auf dem Land und war seit alters her eine Domäne der Hausfrauen.
Aus dem Hauswerk des (Brot-)Backens entwickelte sich bei zunehmender Nachfrage ein produzierendes Handwerk mit Spezialistentum, das Handwerk des Bäckers.
Eine Darstellung des traditionellen bäuerlichen Backens in Westfalen und der Backgeräte für die Zeitspanne 1890-1930 findet sich bei SIUTS [4].
Die im 19. Jahrhundert anwachsende ländliche Bevölkerung musste ihr Brot in gesonderten, fremden Backöfen backen lassen, wenn kein Brotkauf möglich war.
Aus der zunehmenden Nachfrage entwickelte sich aus dem Hauswerk des Brotbackens alle zwei bis drei Wochen das produzierende Handwerk des Bäckers in Bäckereien wie auch die geregelte Anlage zentraler Dorfbackhäuser mit Gemeindebacköfen im ländlichen Raum.
Den steigenden Brotbedarf konnten Lohnbäckereien als Gewerbebetriebe abdecken, indem der Brotteig zuhause zubereitet und gegen Entgelt in der Lohnbäckerei gebacken wurde.
Um den Bedarf an Brot für die Familie im Dorf abzudecken wurde an bestimmten Wochentagen von Lohnbäckern Brot gebacken.
Zudem wurde der Backofen auch zum Dörren von Obst genutzt – eine Konservierungsmethode, um Obst als Vitaminträger für die Winterzeit haltbar zu machen.
Im Rahmen der permanenten Ausstellungen des [hmh wird gezeigt, dass traditionelles Brotbacken ein gemeinsames Merkmal charakterisiert: Wissen, Geduld, Kreativität und Teamwork.
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[2] Ezé Wendtoin in 3sat Kulturzeit am 22. Oktober 2024.
[3] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 01. Juli 2022 von Nemo Krüger, studiert Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich und arbeitet als Hilfsassistent für das Forschungsprojekt «The Mass Politics of Disintegration».
[4] SIUTS 1982, S. 195-202, Tafel 109-114.
[5] FAHRENKAMP 2012, S. 37-38, 134-142.