DORF │ Handwerk Backen und Brauen
MiB│EG4
Klaus A.E. Weber
Brot braucht Getreide und Hefe
Brot, ältestes von Menschen zubereitete pflanzliche Grundnahrungsmittel in einem Backofen herzustellen,, hat eine über 8.000-jährige Kulturgeschichte.
Sie ist eng verbunden mit der landwirtschaftlichen Kultur des Getreideanbaus und der Entwicklung der Getreideverarbeitung, beginnend um 5.500 v. Chr.
In der ältesten bäuerlichen Kultur der Jungsteinzeit - der Linearbandkeramischen Kultur – kam es zu einem erhöhten Verzehr von Kohlenhydraten.
Älteste domestizierte Getreidearten sind
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Emmer Triticum dicoccum
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Einkorn Triticum monococcum
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Dinkel Triticum aestivum subsp. spelta
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Gerste Hordeum vulgare
Vor über 6.000 Jahren begann in Hochkulturen die Geschichte des Bierbrauens - mit Gerste oder Emmer.

© [hmh, Foto: Christel Schulz-Weber
Grundsätzlich hat sich das Prinzip des Backens bis heute nur wenig verändert.
Wenn der Duft von regional, knusprig, duftend und frisch gebackenem Brot das Museum im Backhaus durchzieht, steht im Zentrum des alten Dorfbackhauses das alltagskulturell tradierte Brotbacken.
Bei den Öffentlichen Brotbacktagen können aus dem Steinbackofen geholte Brote verkosten werden.
Dabei kann man in der gemütlichen Sitzecke ins Gespräch kommen, erzählen, zuhören, fragen und lernen.

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Kulturgetreide aus dem Vorderen Orient
Die Kulturgeschichte des Brotes und des Bieres ist eng mit der landwirtschaftlichen Kultur des Ackerbaus mit systematischem Getreideanbau und der Entwicklung der handwerklichen Getreideverarbeitung verbunden, beginnend um 5.500 v. Chr.
In der ältesten bäuerlichen Kultur der Jungsteinzeit, der so genannten Linearbandkeramischen Kultur, kam es zu einem erhöhten Verzehr von Kohlenhydraten.
Kulturgeschichtlich ist das Brot gekennzeichnet durch
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die Feldbestellung (Pflügen)
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die manuellen Aussaat
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die Ernte
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das Mahlen der Getreidekörner zu Mehl
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das Erntedankfest
- den Brothandel mit der Kiepe auf dem Rücken.
∎ Vierzeilige Gerste (Hordeum vulgare)
Gerste ist eine der ältesten Getreidearten │ Ähre mit langen Grannen
Gerstenanbau in Mitteleuropa seit der Jungsteinzeit
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Archäobotanische Probe aus einem Massenfund verkohlter Gerstenkörner auf einer mittelalterlichen Siedlung des 12. Jahrhunderts in Norddeutschland
- Gerstenkörner aus Niedersachsen
Getreideernte
∎ Zinnteller
„Unser täglich Brot gib uns heute“
sechsteiliger, traditionell-bäuerlicher Jahreszyklus
∎ Sammelteller │ Monatsbild August
Porzellan │Fürstenberg
nach Entwurf von Hans Bol (1534-1593), gezeichnet um 1580
∎ Teekanne Landleben
Porzellan
Villeroy & Boch Dresden 6326
∎ Dekorteller
Dreschen der Getreideernte
Vintage-Porzellan
Décor Déposé Création P. Lenoir │ Limoges, France
Bäuerliche Arbeitsgeräte im Solling und Odenwald
1. Hälfte 20. Jahrhundert
∎ Sichel für die Getreideernte │ um 1930
Eisen, Holz
Hellental
∎ Dreschflegel
Holz, Lederhalterung
zum manuellen Dreschen des Getreides nach seiner Ernte
∎ Kornschaufel, langstielig
Holz
∎ Laufgewichtswaage
„Römische Waage“
Eisen
∎ Mehlsiebe
Holz mit Drahtgeflecht
∎ Mehlsack Rhumemühle │ 1950er Jahre
Rhume Mühle Northeim A. G.
Rhumemühle (Getreidespeicher) │ Am Mühlenanger 2
Die Mühle gehörte einst dem Benediktinerkloster St. Blasien in Northeim und lässt sich bis ins 14. Jahrhundert nachweisen.
Der vorhandene Neubau stammt von 1865.
∎ Hölzerne Back-/Teigmollen
In der Ausstellung werden Holz-Backtröge (Teigmollen/Backmulden) des 19./20. Jahrhunderts - zum ehemals anstrengenden manuellen Kneten des Brotteiges zur Vorbereitung des Backens im Holzbackofen - einer modernen elektrischen Teigknetmaschine gegenübergestellt.
⊚ Zum Anklicken
Profilierte Ofenstütze aus Buntsandstein
stilisiertes Mühlenrad mit Inschrift: Georg Düwell │ Müllermeister │ 1828
© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
∎ Profilierte Ofenstütze │ 1828
Buntsandstein │ Solling
Um ein stilisiertes Mühlenrad ist die Inschrift angeordnet: Georg Düwell │ Müllermeister │ 1828
Müllermeister Georg Friedrich Düwel (1797-1861)
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trat Georg Friedrich Düwel (1797-1861) als Besitzer der Hellentaler Mahlmühle auf.
Als 31-jähriger Müllermeister pachtete er 1828 das neu errichtete Gemeinde-Backhaus im Waldarbeiter- und Landhandwerkerdorf Hellental.
Er gilt somit auch als erster Pächter des ehemaligen zentralen Dorfbackofens.
Das besondere Jahr 1753
Gründung der „Colonie im Hellenthale“
Im Jahr 1753 erfolgt im Zusammenhang mit der Verordnung von Herzog Carl I. vom 19. März 1753 über den "Neuen Anbau auf dem Lande" die systematische Anlage des gewerblichen Dorfes Hellental zur „Beförderung des commerce“ im braunschweigischen "Weserdistrikt".
Gründung der Warsteiner Brauerei │ Haus Cramer
Der Landwirt Antonius Cramer aus Warstein legte 1753 den Grundstein für eine deutsche Brauerdynastie mit der Traditionsmarke „Warsteiner“.
Er braute in seiner Hausbrauerei erstmals so viel Bier, dass ihm 1753 seitens der Stadt Warstein eine Biersteuer von einem Reichstaler und 19 Gulden auferlegt wurde.
Unser Brot [1]
Als Körnlein gesät, als Ähren gemäht,
gedroschen im Takt, gesiebt und gehackt,
dann hurtig und fein gemahlen vom Stein,
geknetet und gut gebräunt in der Glut,
liegt’s duftend und frisch als Brot auf dem Tisch.

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Städtische "Brottaxen" im 18. Jahrhundert
Beurkundete "Brodt=TAXE" für Weizen- und Roggenbrote
Monatliche Berechnung
Brot und Brotbacken
Dem Kapitel "Vonn etlich Backwerck" aus der Veröffentlichung "Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält" von FAHRENKAMP [5] sind wiederentdeckte mittelalterliche Backrezepturen zum Ausprobieren hinterlegt.
- Bäckerhandwerk und häusliches Backen │ Brot auf dem Weg ins neue Jahrtausend
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"d'Elis bachd - Das traditionelle Brotbacken im Holzbackofen" ⃒ Seit 1840 existiert im Zentrum des Wengerterdorfes Stetten im Remstal ein gemeindeeigenes Backhaus in dem noch heute Brot im traditionellen Holzbackofen hergestellt wird.
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Europäisches Brotmuseum e. V. in Ebergötzen - Dauerausstellung zur Geschichte des Brotes und zur Müllerei
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Freilichtmuseum Molfsee: ֍ Die Joldelunder Bioland Bäckerei backt Holzofenbrot
Brot & Glaube
Evangelium nach Matthäus │ Kapitel 6 │ Vers 11
“panem nostrum supersubstantialem da nobis hodie” │ “Unser täglich Brot gib uns heute.“
Biblisch-symbolische Bedeutung des Brotes als Inbegriff des Grundnahrungsmittels:
Um Brot zu backen und zu essen
∎ Runde Gärkörbe für Brot
Gärgutträger aus geflochtenem Stroh │ Odenwald │ um 1950
Innen mit Mehl bestreut, dienen die Körbe zur Stückgare von Brotteig.
Der Brotteig wird beim Aufgehen gleichmäßig geformt und stabil gehalten, um nicht breitzulaufen.
Nach abgeschlossenem Gärprozess werden die aufgegangenen Teiglinge aus den Gärkörben auf den Holzschieber gekippt und zum Ausbacken in den Backofen geschoben.
© [hmh, Foto: Mechthild Ziemer
∎ Brot-Kiepe │ 1950er Jahre
Holz, geflochten, Textilband
Hellental
∎ Brotschneidegerät │ um 1900
Gusseisen, Holz
Alexanderwerk (Remscheid)
Traditionelle Bäckerwaage mit Laufgewicht
© [hmh, Foto: Mechthild Ziemer
∎ Elektrische Teigknetmaschine │ um 2010
hochschwenkbarer Knet-Arm │ 1,5 PS │ Teigschüssel 24 l │ Fassungsvermögen: ca. 10 kg Mehl ⟶ 14 Brote zu 1,0 kg
∎ Traditionelle Teigwaage │ um 1950
Bäckerwaage mit Laufgewicht
Eisen, Holz
Holzminden
∎ Traditionelle Teigwaage │ um 1950
Laufgewichtwaage, weißer Anstrich
Eisen, Holz
Holzminden
∎ Balkenwaage │ um 1900
Bäcker-Waage mit Gewichten
Eisen, Holz
Holzminden
∎ Brotstempel JHS
modern, zur Brotverzierung
JHS = Jesus-Heiland-Seligmacher
∎ Kuchenablage │ 20. Jahrhundert
Holz
zum Ablegen frisch gebackener Brote oder Kuchen, zur Vorratshaltung unter einer Kammerdecke befestigt
Dassel
Backen mit Backpulver
Um die Jahrhundertwende wurde das chemische Backpulver beim Backvorgang entwickelt.
Durch Benutzung des Triebmittels war sichergestellt, dass der Gebäckteig immer zuverlässig gelingt.
∎ Backformen zum häuslichen Backen von Topfkuchen
Napfkuchen │ Gugelhupf │ Herzkuchen
Material:
- Metall
- glasierte Keramik (Steinzeug)
- Platinum-Silikon ⃒ Herzbundform ⃒ Ø 27 cm
© [hmh, Foto: Mechthild Ziemer
Bier und Korn brauchen Getreide und Hefe
Zur Malzgewinnung wird meist spezielles Getreide - „Braugerste“ oder „Brauweizen“ - eingesetzt.
Mittels Hefe entsteht durch die alkoholische Gärung des Malzes ober- oder untergäriges Bier – ohne Destillation.
Kornbrände hingegen werden seit dem ausgehenden Spätmittelalter durch Brennen - arabische Kunst der Destillation - hergestellt, zumeist aus Roggen oder Weizen.
Gerstensaft und Hopfengetränk
In mittelalterlichen Klöstern war das Backhaus zugleich auch das Brauhaus.
Im Frühmittelalter lag das Bierbrauen zur Selbstversorgung außerhalb der Klostermauern in den Händen der Frauen - wie das Brotbacken.
Bier brauen mit Gerste, Hopfen und Wasser
Mönche und Nonnen brauten Bier als „flüssiges Brot“ zum Eigenbedarf für die strengen Fastentage - so entstanden die Klosterbrauereien.
Neben Brot war Bier im Spätmittelalter wie in der frühen Neuzeit das Alltagsgetränk und Grundnahrungsmittel der ärmeren Stadt- und Landbevölkerung.
Im Grundverfahren werden beim Bierbrauen die Zutaten Wasser, Hopfen, Malz und Hefe miteinander vermischt.
Das durch Mälzen – Einweichen in Wasser und Keimen der Getreidekörner – gewonnene Malz gibt im Brauprozess dem Bier Geschmack und Farbe.
Als Konservierungs- und Aromastoff (Bierwürze) ist der Hopfen die Seele des Bieres.
Einbecker Brauhaus │ Ainpöckisch Bier - seit 1378
„Ainpöckisch Bier“ war im Spätmittelalter ein nahrhaftes Starkbier.
Das in der Hansestadt Einbeck gebraute, weit verbreitete „Bockbier“ wurde bei besonderen Anlässen getrunken.
Baumgarten’s Brauerei Allersheim │ Brauerei Allersheim - seit 1854
1854 wurde die „Baumgarten’s Brauerei Allersheim“ vom damaligen Pächter der Domäne Allersheim - Amtsrat Otto Baumgarten – gegründet.
Gerste und Hopfen wurden zunächst auf dem Domänenland angebaut.
Nach 170 Jahren wurde im Jahr 2024 di Brauereibetrieb von der Brauerei Westheim übernommen.
Gräflich von Hardenberg'sche Kornbrennerei
Hardenberg-Wilthen │ älteste eingetragene Marke der Welt
Um 1700 gründete Karl-Dietrich von Hardenberg die Kornbrennerei bei Nörten-Hardenberg.
Für die Kornbrände werden hochwertige Getreidesorten verwendet - Weizen für einen milden, Roggen für einen kräftigen Geschmack (Hardenberg-Weizenkorn, 32% vol. ⎸Hardenberg-Doppelkorn, 38% vol.).
Mittelalterliches Bäcker- und Brauerhandwerk in einem Haus
◼ Augsburger Bierkrug Hasen Bräu │ 0,3 Liter
zylindrischer Steinzeug-Bierkrug mit Deckel
Aufdruck, grün: Hasen-Bräu │ Augsburger Haus–Preu │ Seit 1463
Höhe: 18,5 cm
[hmh Inv.-Nr. 5158
Der Hasen-Bräu geht auf eine „Bierpreu“ aus dem Jahre 1464 zurück, die in einem Haus des Bäckerhandwerks in der Stadt Augsburg ihren Anfang nahm .
Das Bier der Hausbrauerei als Schänke „Zu den drey Glass“ durfte nach dem Stadtrecht von Augsburg aus dem Jahr 1156 nur aus Wasser, Malz und Hopfen hergestellt werden.
Denn im Jahr 1156 hatte Kaiser Barbarossa für die Stadt Augsburg eine Rechtsverordnung erlassen, in der auch die Bierqualität erwähnt wurde.
So steht dort geschrieben:
„Wenn ein Bierschenker schlechtes Bier macht oder ungerechtes Maß gibt, soll er gestraft werden".
Daher gilt das Augsburger Reinheitsgebot als das erste Reinheitsgebot der deutschen Bier-Geschichte.
∎ Bierkrug: Milloiose – „Hochwichtige Spezialität für Bäkereien“
Steinzeug, Zinnmontierung │ mit Aufschrift
„Hochwichtige Spezialität für Bäckereien macht Brot edler und aromatischer im Geschmack,
nahrhafter, leichter verdaulich, grösser, rescher, länger haltbar, edler, ansehnlicher, überhaupt
besser in Qualität bei Ersparnis, oder gänzlicher Weglassung von Milch und Zucker.
Circa 250 Gramm Milliose wirken wie circa 6-10 Lit: Milch.
Für alles Hefegebäck von hohem Werthe.“
Erstes mehlförmiges Backmittel auf Malzbasis:
1856 gründete in Kulmbach der Bäckermeister und Brauer Johann Peter Ruckdeschel eine Handelsmälzerei und Brauerei.
1860 entwickelte sein Sohn das erste mehlförmige diastatische Backmittel auf Malzbasis - die "Ruckdeschel's Milliose“.
∎ Biertulpe 0,2 l
Glas, farblos │ Dampfbierbrauerei der Stadt Einbeck │ Domeier und Boden
∎ Bier-Stangenglas 0,3 l
Glas, farblos │ „500 Jahre Reformation 2017“
„Der beste Trank, den einer kennt, der wird Einbecker Bier genennt“ │ „Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521“
∎ Enghalskanne für Bier │ Nachbildungen
Fayence, Daumenrast aus Zinn
18. Jahrhundert
Brauerei-Werbeschilder
∎ „Warsteiner Brauerei“
Warsteiner Brauerei Haus Cramer
1753 Beginn der Geschichte der Brauerfamilie Cramer in Warstein
Kunststoff │ Hempel, Hellental │ 1960er Jahre
∎ „Brauerei Allersheim“
Kunststoff │ Verkaufsstelle Hempel in Hellental │ 1970er Jahre

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
∎ „Lederer=Bräu“
Emaille-Schild │ rund 550 Jahre Nürnberger Braukunst
1468 Gründung als alleinige Braustätte des städtischen Patrizierbieres │ Metall │ Hempel, Hellental │ 1960er Jahre
Die Wurzeln der Brauerei liegen in dem 1471 von Patriziern gestellten Rat der Stadt Nürnberg vollendeten „Herrenbrauhaus“.
Am 11. Juni 1836 waren zwei Fässchen Lederer-Bier das erste Frachtgut der 1835 eröffneten "Königlich privilegierten Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft".
1890 wurde das sich um einen rotgelben Holzkrug windende grüne Reptil als Markenzeichen der Brauerei vom Nürnberger Akademieprofessor Friedrich Wanderer (1840-1910) entworfen, inspiriert vom Namen seines Stammlokals „Zum Krokodil“.
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[1] Trudi Gross, Bubach-Calmesweiler, 2001.
