Waldglas - natürlich grün

Klaus A.E. Weber

 

Grünliches, transparentes Waldglas der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts

Ausschnitt aus dem Gemälde "Bauernhochzeit" von 1550 [3]

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Neben vornehmlich kräftig grünem und  grünlichen gab es aber auch farbiges mittelalterliches und frühneuzeitliches Waldglas.

Das grünliche Waldglas steht für jenes Holzasche-Glas oder Holzasche-Kalk-Glas, das vom Hoch- bis Spätmittelalter bis in zur Neuzeit rohstofforientiert inmitten von Laubwald gelegenen Waldglashütten bis zur Resourcenerschöpfung produziert wurde, wie im Umfeld des Hellentals im Solling - dem "Alten Tal der Glasmacher".

Jahrhunderte lang wurde vor allem

  • die geheim gehaltene Rezeptur zur Glaserzeugung

  • das Verarbeiten

  • das Veredeln

von Gläsern vom Vater nur mündlich an die Söhne in immer denselben Meisterfamilien weitergegeben - nicht zuletzt aus Gründen der Konkurrenz.

Trinkgläser, wie Becher, Paßgläser, Ringelbecher oder auch schwere Humpen waren teils angereichert mit am Ofen angebrachten Verzierungen, Nuppen, umgelegten Glasfäden, tief eingestochenen und ausgezwackten Böden.[1]

 

Römer mit Beerennuppen am Hohlschaft │ Mitte 17. Jahrhundert

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast, Düsseldorf

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Warum ist Waldglas grün?

Die Grünfärbung von Waldglas beruht auf der Verunreinigung seiner Rohstoffe (Quarzsand) mit Eisenoxiden - regional aus dem Solling-Buntsandstein.

Grüne Trinkgläser waren zu verschiedenen Zeiten im Mittelalter zudem in Mode gewesen, was zu der Vermutung Anlass gibt, dass möglicherweise Sand mit deutlich höherem Eisenanteil bei deren Herstellung eine Rolle gespielte.[4]

Durch Zusätze von Glasmacherseifen, Kalk und Blei waren die Glasmachermeister bestrebt, farbloses Glas herzustellen.

 

Wertigkeit                         Farbeffekt                      Glasschmelze

Eisen (Fe)

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Fe ³+ [Eisen(III)oxid, Fe2O3]    gelblich    oxidierend (Sauerstoffüberschuss)

Fe ²+ [Eisen(II)oxid, FeO]         bläulich     reduzierend (Sauerstoffmangel)

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etwa gleicher Anteil = grün

ansonsten Mischfarben: blaugrün - braungelb

 

Von Cosimo de‘ Medici geschätzt: Waldglas für Laborzwecke

Wie STEPHAN [2] ausführt, habe man „als robustes, wohlfeiles und dennoch gutes Gebrauchsglas sowie als Glas für alchemistische Zwecke … das grüne, speziell das deutsche und hier besonders gerade auch das „hessische“ Glas aus dem Werra- und Weser-Bergland im 16. und noch im 17. Jahrhundert hochgeschätzt und zu Recht fast europaweit gerühmt.

Selbst in den berühmten Venezianer Hütten und am Hofe der in den angewandten Künsten mit Einschluss der Alchemie versierten Großherzöge Francesco I. sowie Cosimo de‘ Medici in Florenz und vielerorts anderswo wusste man von der besonderen Eignung hochwertiger grüner Waldgläser für Laborzwecke.“

 

Cosimo de‘ Medici (1389-1464) │ Monument in Florenz │ 2017

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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[1] SÜSSMUTH (1950), S. 18.

[2] STEPHAN 2021, S. 218.

[3] Gemälde von Pieter Aersten (1508/09-1575), Kunsthistorisches Museum Wien.

[4] DBU 2018, S. 183.