ARCHÄOLOGIE

Klaus A.E. Weber

 

In der Dauerausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Rekonstruktion ur- und frühgeschichtlicher Kulturspuren

Die Evolution und Ausbreitung des Menschen sowie sein technologischer und kultureller Fortschritt wurden von Schlüsselphasen des Klimawandels beeinflusst

Anhand der am häufigsten verwendeten Materialien zur Werkzeugherstellung wird die Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas in drei Perioden unterteilt:

 

Museum für Archäologie

Landesmuseen Schleswig-Holstein Schloss Gottorf │ Schleswig

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Steinzeitliche Epochen in Europa

Die Steinzeit gilt als längster Abschnitt der Kulturgeschichte des Menschen:

- Alt- und Mittelsteinzeit: vor etwa 500.000 Jahren bis vor etwa 5500 Jahre

- Jungsteinzeit: vor etwa 5500 Jahren bis vor etwa 2200 Jahren

In kulturhistorischer Hinsicht umfasst die Steinzeit den längsten Abschnitt der Menschheitsgeschichte,

  • beginnend mit der Altsteinzeit (Paläolithikum) - in Niedersachsen: vor etwa 400.000 Jahren bis vor etwa 8000 Jahren
  • endend mit der Jungsteinzeit (Neolithikum) - in Niedersachsen: vor etwa 5500 Jahren bis vor etwa 2000 Jahren

Vor etwas mehr als 400.000 Jahren lebten in Niedersachsen nachweislich die ersten Menschen – der Homo erectus - mit aneignender Wirtschaftsweise als Jäger und Sammler.

Der amatomisch moderne Mensch – der Homo sapiens sapiens - betrat dann vor 50.000 - 40.000 Jahren, im Jungpaläolithikum (jüngere Altsteinzeit), die Bühne der Menschheitsgeschichte, die er unvergleichlich zu seinen Gunsten verwandeln sollte.

Nach Europa einwandernde Neandertaler und frühe moderne Menschen vermischten sich vor 50.000-40.000 Jahren episodisch, wie genetische Untersuchungen nahelegen.

Hierdurch erklärt sich, dass heutige Europäer*innen noch etwa 3–5 Prozent an genetischem Material der Neandertaler in sich tragen.

Allmählich sesshaft wurden die Menschen im südlichen Niedersachsen erst etwa vor 5500 Jahren mit produzierender Wirtschaftsweise (Viehzucht, Ackerbau).[1]

Die frühesten Spuren menschlichen Daseins im Raum des heutigen Landkreises Holzminden gehen auf die mittlere und die späte Phase der Altsteinzeit (Mittel- und Spätpaläolithikum) zurück.[2]

 

Aufrechter Gang des anatomisch modernen Menschen

  • Erstes Herstellen von Werkzeugen und Waffen
  • Erste Beherrschung und Nutzung des Feuers
  • Erste Häuser

Die Steinzeitmenschen vollzogen die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur kulturellen und zivilisatorischen Entwicklung der menschlichen Gesellschaft.

Neben den technischen Errungenschaften des Steinzeitmenschen wirken auch dessen geistig-kulturellen Leistungen bis in die heutige Zeit hinein.

Für die Menschen der steinzeitlichen Epochen galt es die Widrigkeiten extremer wie wechselnder Klimabedingungen - dem zyklischen Wechsel von Warm- und Kaltphasen - mit genialem Erfindungsgeist zu bewältigen und sich schrittweise von den natürlichen Gegebenheiten zu emanzipieren.

Seit dem Ende der letzten Eiszeit/Kaltzeit sind rund 11.500 Jahe vergangen.

Als um 9500 v. Chr.│BCE die Nacheiszeit begann, das Klima in kürzester Zeit wärmer und feuchter wurde, sich in der Folge kleinräumig die Vegetation mitsamt der Tierwelt dramatisch veränderte und Wälder ausbreiteten, begann zugleich die steinzeitliche Epoche des Mesolithikums (Mittelsteinzeit: vor etwa 8000 Jahren bis vor etwa 5000 Jahren).

Der Mensch der mittleren Steinzeit erwies sich während der gravierenden Umweltveränderungen als Überlebenskünstler.

Die Verknappung des Feuersteins als Rohstoff führte nicht zuletzt zu einer Verkleinerung im Werkzeugspektrum mit deutlichem Trend zu kleinsten Formen.

Bodenfunde in dem nördlichen Sollingtal ergaben Hinweise auf erste prähistorische menschliche Aktivitäten bereits während des Mesolithikums.

Vor etwas mehr als 400.000 Jahren lebten in Niedersachsen die ersten Menschen (Homo erectus) mit aneignender Wirtschaftsweise - als Jäger, Sammler und Fischer.

Der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens sapiens) betrat dann vor 50.000 - 40.000 Jahren, in der jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum), die Bühne der Menscheitsgeschichte, die er rasant und unvergleichlich zu seinen Gunsten verwandeln sollte.

Während das Paläolithikum vom Eiszeitalter geprägt war, begann der Zeitabschnitt des Mesolithikums mit dem Ende der großen Kaltphase vor etwa 8.500 - 8.000 Jahren, gleichgesetzt mit dem Beginn der Nacheiszeit, dem Holozän.

Mit der zunehmenden nacheiszeitlichen Wiedererwärmung des Klimas war nicht nur eine grundlegende Änderung der Umweltverhältnisse verbunden, sondern auch ein Wandel, der den Menschen und sein Verhalten in der Umwelt bestimmte und einen starken kulturellen Wandel zur Folge hatte.

So wurden die Steingeräte auffallend klein - daher als „Mikrolithen“ bezeichnet - und Pfeil und Bogen zur effektiven Hauptwaffe.

Allmählich sesshaft wurden die Menschen im südlichen Niedersachsen wahrscheinlich erst vor etwa 5500 Jahren mit produzierender Wirtschaftsweise (Viehzucht und Ackerbau).

 

"Alteuropa" und "Donauzivilisation" - etwa 6000-3000 Jahre v. Chr.│BCE [4]

Nach HAARMANN habe vor etwa 6000 Jahren in Alteuropa (Old Europe) eine Epoche in Ländern Südosteuropas begonnen, welche zum Aufbau einer Hochkultur geführt, die vor etwa 5300 Jahren mit Kupfer- und Goldschmelzverfahren geradezu „Weltmaßstäbe“ gesetzt habe, einhergehend mit der Errichtung von zweistöckigen Häusern und monumentalen Tempelanlagen.

Im 5. Jahrtausend v. Chr.│BCE. seien erste Städte mit mehr als 10.000 Einwohner*innen entstanden.

Alteuropa mit seiner bis zu 8000 Jahre alten „Donauzivilisation“ habe über einen Wohlstand verfügt, der sich vor allem auf intensive Handelsbeziehungen über die Donau wie auch über deren Nebenflüsse gründete; auch habe ein maritimer Handel von den Küsten der Ägäis bis in das Schwarze Meer bestanden.

Vinca (heute Serbien), Turda (heute Rumänien) und Varna (heute Bulgarien) gelten dabei als wichtige Handelszentren in Alteuropa.

Die als friedlich geltende Gesellschaft der vor-indoeuropäischen chalkolithischen Kultur des Balkans soll „egalitär mit funktionierenden demokratischen Verwaltungsstrukturen" gewesen sein, jedoch ohne eine (hoch-)herrschaftliche Elite.

Der Besitz sei überwiegend kommunal gewesen.

Die „Donauzivilisation“ als Vorgängerkultur der minoischen und der mykenischen Kultur habe über einen Zeitraum vor etwa 3000 Jahren - vor etwa 6000 Jahren bis vor etwa 3000 Jahren - stabil floriert.

 

Tundra-Landschaft in Norwegen │ 1998

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Klimaschwankungen: Kalt- und Warmzeiten

Die bislang jüngste Kaltzeit in Mitteleuropa endete mit der Wiederbewaldung etwa ab 9500 v. Chr.│BCE.

Während jener Epochen der frühen Menschheitsgeschichte entwickelten sich die Grundlagen unserer heutigen Kultur.

Mit dem Wechsel der Tundra-Landschaft (Mammutsteppe) hin zu ausgedehnten Waldgebieten mit veränderten Vegetationszonen begann - im Übergang zwischen dem Paläolithikum und Neolithikum - per definitionem zwischen der Alt- und Jungsteinzeit - das europäische Mesolithikum, die Mittelsteinzeit.

Während das Paläolithikum noch vom Eiszeitalter geprägt war, begann das Mesolithikum mit dem Ende der großen Kaltphase zwischen 8500 - 8000 v. Chr.│BCE - gleichgesetzt mit dem Beginn des gegenwärtigen Zeitabschnitts der Erdgeschichte, dem Holozän.

Durch das Zurückschmelzen des nordischen Inlandeises nach Mittelschweden endete die letzte große Eiszeit und mit ihr zugleich auch das Leben kaltzeitlicher Säugetiere, wie das der Wollnashörnern (Coelodonta antiquitatis) und der Mammute (Mammuthus) vor 8000 Jahren.

Mit der zunehmenden nacheiszeitlichen Wiedererwärmung des Klimas war nicht nur eine grundlegende Änderung der Umweltverhältnisse verbunden, sondern auch ein Wandel, der den prähistorischen Menschen und sein Verhalten in der Umwelt bestimmte und einen starken kulturellen Wandel zur Folge hatte.

 

Schädelfragmente eines Hirsches

Einschussverletzungen durch Pfeilspitzen

Späte Jungsteinzeit │ Mondseekultur │ vor ca. 3800-3300 Jahren

Naturhistorisches Museum Wien

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Archäologische Forschung

 

Arbeitsgemeinschaft „Archäologie digital“

Archäologische Grabung sächsisches Gräberfeld Liebenau

֍ Teil 1-3

 

Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt [8]

 

Deutscher Verband für Archäologie (DVA)

Dachverband archäologischer Vereinigungen und fachverwandter Nachbarwissenschaften in Deutschland

 

Archäologie Online

 

֍ Das Projekt „ROCEEH"

The Role of Culture in Early Expansions of Humans

Heidelberger Akademie der Wissenschaften

 

HESSEN

 

NIEDERSACHSEN

 

VORTRÄGE

 

֍ Archäologie zu zweit - Video Folge 1-9

Museum für Archäologie │ Landesmuseen Schleswig-Holstein Schloss Gottorf

 

֍ Montagsvorträge zur archäologischen Forschung

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege

 

THEMEN DER ARCHÄOLOGIE

 

ÄGYPTEN

Mach es wie die Sonnenuhr… [9]

«Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heit’ren Stunden nur», stand in zahllosen Poesiealben zu lesen.

Forschende der Uni Basel fanden nun heraus: Als Zeitmesser dient die Sonnenuhr seit mindestens 3200 Jahren.

 

FÜRSTENGRAB

Poprad/Nordost-Slowakei

֍ Erforschung des 1600 Jahre alten Fürstengrabes

Landesmuseen Schleswig-Holstein Schloss Gottorf

֍ Fürstengrab konserviert

Nassholzkonservierung der Grabkammern

 

HÖHLEN

HöhlenErlebnisZentrum Iberger TropfsteinhöhleBad Grund

  • ֍ Videos

 

JAGEN

Mensch gegen Bär [6]

Wie ein junger Homo sapiens vor rund 14.000 Jahren im Vallée du Doubs einen Bären erlegte.

Pfeil sucht Bogen

Interessensgemeinschaft (IG) Tunneltal: Eiszeit und Rentierjäger

Pfeile aus dem Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal sind etwa 12.000 Jahre alt.

Sie können späteiszeitlichen Rentierjägern der „Ahrensburger Kultur“ (10.700-9600 v. Chr.│BCE) zugeordnet werden.

Verbreitung der großen Jagdfauna

in Mittel- und Westeuropa im oberen Jungpleistozän

Jordi Serangeli │ Dissertation │ Tübingen 2004

 

LATRINENARCHÄOLOGIE

Pecunia (non) olet – Latrinenarchäologie: die schmutzige Seite des Reichtums [5]

 

RÖMISCHES REICH

֍ Der römische Goldschmuck aus Lunnern

 

STEINE

Wie alte Steine einen neuen Zweck erhielten [9]

In der Antike, im Mittelalter, aber auch noch in der Neuzeit setzte man Steine aus älteren Gebäuden in neue Bauwerke ein.

Vieles wurde durch diese Praxis zerstört – anderes ist nur dank ihr bis in die Gegenwart erhalten geblieben.

 

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[1] HESSE 2003, S. 6.

[2] LEIBER 2004b Teil 1, S. 116.

[3] Übersicht bei THOMAS 2017, S. 23-25.

[4] HAARMANN 2018.

[5] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 23. September 2023 von Elias Flatscher, Assistent für Mittelalterarchäologie an der Universität Zürich und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Archäologischen Bodenforschung in Basel. Er befasst sich vor allem mit Burgenarchäologie und dem Alltag im Mittelalter und der Frühen Neuzeit.

[6] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 31. August 2020 von Frédéric Rossi, Historiker, Verlagsleiter Infolio.

[7] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 09. Juli 2018 von Benedikt Meyer, Historiker und Autor.

[8] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 22. Januar 2021 von Elias Flatscher, Assistent für Mittelalterarchäologie an der Universität Zürich und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Archäologischen Bodenforschung in Basel.

[9] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 06. September 2024 von Jacqueline Perifanakis, Kuratorin beim Schweizerischen Nationalmuseum.