Epochenübergreifende Leitepidemien

Klaus A.E. Weber

 

Ausgewählte, historisch bedeutsame Epidemien

Epochenübergreifende „Volksseuchen“ ► Leitepidemien │ ohne Berücksichtigung sexuell übertragbarer Krankheiten (STI/STD)

 

Vorrömische Hygiene

Indus-Zivilisation in Südasien

Handel als treibende Kraft der Zivilisation und Hochkultur vor bereits ~ 4.500 Jahren mit „sauberen Städten“: Trinkwasser- und Abwasserhygiene

 

Antike Sanitärhygiene zur Infektionsprävention: Römische Latrinen

Inszenierung Augusta Raurica │ Mai 2018

Villa rustika Wachenheim │ Oktober 2018

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Antike

Griechisch-antike Spuren vorrömischer Hygiene

Theorien der so genannten Astrometerologie, der Verknüpfung von Sternenkonstellationen, Wetter und Krankheitsgeschehen:

Als Auslöser von Epidemien galten die Sterne und der Einfluss ("Influenza") des Wetters bzw. der Klimaveränderung [1]

Für die innovativen Etrusker war im Kontext technischer Errungenschaften die persönliche wie die öffentliche Hygiene wichtig - mit Bädern und Latrinen.

In der Hydrauliktechnik Rom übertreffend, bauten die Etrusker Aquaedukte und raffinierte unterirdische Kanalsysteme mit Abwasserkanälen, wie in Rom die Cloaca maxima, die später die Römer übernahmen.

 

Mittelalter │ um 400-1500 n.Chr.

Mittelalterlich-mystische Epoche

Seuchenberichte mittelalterlicher Chronisten werden historisch als "oft sehr pauschal" eingestuft.[1]

Als epochenübergreifende Leitepidemien des Früh- bis Spätmittelalters gelten, neben sexuell übertragbaren Krankheiten (STI/STD), wie der endemischen Syphilis

  • Grippe (Influenza) - Ausbreitung einer Grippe-Pandemie über Europa [1]

  • grippeähnliche Infektionskrankheiten

  • Pest ("Schwarzer Tod")

Davon waren zunächst die Pest und später die Pocken demografisch besonders einschneidend wirksam.

 

Stark verschmutzte und ungepflasterte Straßen in mittelalterlichen Städten:

Tragen von Unterschuhen aus Holz │ Trippe

Mittelalterhaus Nienover im Juli 2010 │ StadtMuseum Einbeck im Januar 2008 

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Neuzeit │ 19./20. Jahrhundert

Im 19./20. Jahrhundert traten - begünstigt durch die Industrialisierung und Urbanisierung - als schwerwiegenden Leitepidemien in Europa zeitlich wie örtlich unterschiedlich dominierend auf

  • die Cholera ("Asiatische Brechruhr") - Die große Leitseuche des 19. Jahrhunderts
  • die Ruhr

Aber auch sexuell übertragbare Krankheiten (Geschlechtskrankheiten, STI/STD), wie insbesondere die Syphilis, nahmen im 19./20. Jahrhundert bedeutende epidemische Ausmaße an.

 

Globaler Wandel und Infektionskrankheiten im 20./21. Jahrhundert

In Europa hatten Epidemien bis zum Ende des 19. Jahrhunderts große Effekte auf die Sterblichkeit, bei der es durch Seuchen bedingt hohe Schwankungen gab.

  • Weltweit sind Infektionskrankheiten die Haupttodesursache in den Industrieländern

  • Erreger und Überträger (Vektoren, z.B. invasive Stechmücken) drängen in neue Lebensräume vor.

  • Neue Infektionskrankheiten („New emerging infectious diseases“) treten auf – vom Tier übertragen

  • Generell ist es möglich, dass sich alte Infektionskrankheiten wieder zu Seuchen entwickeln können.

  • Es kann vorausgesagt werden, welche Pathogene das Potenzial zur Pandemie haben.

 

Mit der Wende zum 20. Jahrhundert wurden Epidemien als „Volkskrankheiten“ zurückgedrängt durch

  • eine bessere Hygiene

  • die Sanierung der Städte

  • Seither verschiebt sich das Krankheitsprofil von Gesellschaften.

  • Verblieben aber ist die Angst vor Epidemien.

 

Multiresistenz und Multiresistente Problemstämme

  • „Keime“ - Bakterien oder Viren - sind gegen mehrere verschiedene Antibiotika beziehungsweise Virostatika unempfindlich (resistent).
  • Sie werden daher auch als MRE-Keime / MultiResistenteErreger bezeichnet

 

ErregerwandelInfluenza

 

Hinweis in einem norddeutschen Restaurant (Name entfernt)

Mai 2011

© Historisches Museum Hellental

 

EHEC-Epidemie / Mai - Juli 2011

Die EHEC-Epidemie im Sommer 2011 sorgte bundesweit für Besorgnis.

Fast 4.000 Menschen infizierten sich von Mai bis Juli mit dem Darmbakterium des aggressiven EHEC-Typs O104:H4.

Rund 850 davon entwickelten das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS).

 

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[1] KIRCHNER 2020.