Der Steinbackofen
MiB│EG3
Klaus A.E. Weber

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber
Traditionelle Zubereitung von "Rocken- und Weizen-Brodt"
Historische Backhäuser der Region tragen erheblich zum Bild der historischen Kulturlandschaft bei und bilden somit ein wichtiges, erhaltenswertes Kulturgut.
Der im ehemaligen Hellentaler Gemeinde-Backhaus im Jahr 2006 freigelegte und im Zeitraum 2007-2008 umfänglich restaurierte Steinbackofen ist ein typischer bäuerlicher Einkammer-Backofen, im 19. Jahrhundert errichtet innerhalb des freistehenden, selbständigen Dorfbackhauses als Gemeinschafts-Backhaus der Hellentaler Dorfgemeinschaft.
Brot backen und Obst dörren
Wahrscheinlich wurde an bestimmten Wochentagen zumindest Brot gebacken und der Backofen zudem auch zum Dörren von Obst genutzt - zum Konservieren von Obst als Vitaminträger für die Winterzeit.
Einst wurden nämlich Backöfen im Braunschweiger Weserdistrikt auch zum Konservieren von Obst durch Lufttrocknung genutzt - als "Dörröfen".
Bei Temperaturen von 30-70° C wurde dem auf Gitterroste gelegten Dörrgut Wasser entzogen.
Vitamine, Mineralstoffe und Nahrungsfasern blieben dabei für längere Zeit erhalten.

Zwei "klassische" Backofenfunktionen: Brotbacken und Obstdörren
© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber
Das Konstruktionsprinzip entspricht dem aus dem Mittelalter übernommenen Backofenbau mit direkter Innenbefeuerung.
Als kunsthistorisch „profanes Hausgerät“ spiegelt der Einschießofen die ursprünglichste Grundform des Backofens wider.
Innen direkt mit Holz befeuerte Backöfen gelten historisch als die schwierigsten für das Brotbacken.
Wie auch die heutige Nutzung des restaurierten Backofens an den Museumsbacktagen zeigt, ist das Aufheizen des Steinbackofens mit einer Herdsohle von 3,8 m x 2,6 m (rund 7 m²) sehr aufwändig und kostspielig.
Die Ofenbefeuerung erfolgte und erfolgt auch heute mit dem Hartlaubholz Rotbuche (Fagus sylvatica).
In dem Gewölbe unterhalb des Backraumes wurden etwa 0,5 m³ getrocknetes Buchenholz lose aufgeschichtet [ca. 0,5 Raummeter].
Eigenschaften der Buche als Brennstoff:
-
klimafreundlich, da neutrale CO2-Bilanz
-
hoher Heizwert - entwickelt viel Glut, dadurch gleichmäßige, lang anhaltende Nutzwärme
- preisgünstig verfügbar, da im Solling heimisch
Im Steinbackofen hält die Temperatur lange an, wobei die Ofensteine ihre Wärme allmählich an den eingeschossenen Brotteig abgeben.
Ist die Temperatur zu Beginn des Aufheizens sehr hoch, so fällt sie im Laufe der Zeit langsam ab.
Das Backen im Steinbackofen verleiht dem Brot ein kräftiges Aroma.
Im Juni 2006 wurde die geradflächige Stirnwand der weitgehend erhaltenen Originalanlage des großen gemauerten Steinbackofens freigelegt.
Im Zeitraum 2007-2008 konnte der Backofenbau mit tunnelförmigem Herdraum
- restauratorisch rückgebaut
- bauhistorisch untersucht
- nach historischem Vorbild zum dörflichen Brotbacken wieder instand gesetzt werden.
Der zu Beginn des 20. Jahrhunderts stillgelegte Backofen befindet sich im mittleren Anbau des Dorfbackhauses, wohingegen die Befeuerung und Bestückung vom Haupthaus aus erfolgte.
Die Brennkammer liegt auf einer gemauerten Tonne in der gestapelt küchenfertiges Brennholz zum Trocknen lagerte.
Die konstruktive Ausführung des Innenbefeuerungsofens der Originalanlage umfasste ehemals die ovale Herdsohle (Backplatte), das walzenförmige Herdgewölbe (Brennkammer) und drei Zugkanäle.