Paläolithikum │ Altsteinzeit

Klaus A.E. Weber

 

Frühe Ausbreitung des Menschen

Die frühe Ausbreitung des Menschen (Gattung Homo) in Europa begann vor etwa 1,8 Millionen Jahren als Frühmenschen der Art Homo erectus in einer ersten "Out-of-Africa"-Welle ihre afrikanische Heimat verließen und sich in verschiedene und unterschiedlich große Gruppen aufspalteten.

Aus Frühmenschen der Spezies Homo erectus entwickelten sich die "Neandertaler" (Homo Neanderthalensis), die vor etwa 40.000 Jahren ausstarben.

Ihre Besiedlungsgebiete erstreckten sich über Europa, den Nahen Osten, Zentralasien und das westliche Sibirien.

 

Neandertalerin

Homo Neanderthalensis

plastische Rekonstruktion

vor 250.000–30.000 Jahren

Körpergröße: 154 cm

Körpergewicht: 66 kg

Naturhistorisches Museum

Basel

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Frühe Angehörige von Homo sapiens - direkte Vorfahren des anatomisch modernen Menschen - gingen in Einwanderungswellen vor rund 190 ka auf "Wanderschaft" in unbekannte Lebensräume.

In der zweiten Migrationswelle kamen vor etwa 90.000 Jahren die anatomisch modernen Menschen aus Afrika nach Eurasien.

Bei ihren Migrationsbewegungen machten sich die frühen Menschen zunehmend unabhägiger von natürlichen Umweltfaktoren.

Regional entwickelten sie Werkzeuge, Kunst und ein immer komplexer werdendes Sozialverhalten.

Maßgeblich bestimmend waren die Verfügbarkeit von Wasser, die Tierwelt, die Temperaturen wie auch die Menge an Niederschlägen sowie weitere Ressourcen zum Überleben.

Hierbei gelten die Entwicklung von Werkzeugen und deren Gebrauch (Schneidwerkzeuge aus Stein), von Waffen wie auch das Beherrschen des Feuers als weitreichende Meilensteine menschlicher Evolution.

 

Jüngere Altsteinzeit

vor etwa 30.000 Jahren

Naturhistorisches Museum

Wien

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Vor etwa 80.000 Jahren traten symbolisches Denken und die Nutzung von Symbolen als Allgemeingut zu den kognitiven, intellektuellen Fähigkeiten der Frühmenschen hinzu.

 

Löwenmensch

Mammutelfenbein │ Kopie

Hohlenstein-Stadel

vor etwa 40.000-30.000 Jahren

Naturhistorisches Museum

Wien

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Besondere Bedeutung erlangte hierbei u.a. der altsteinzeitliche "Löwenmenschen" als Kunstobjekt.

Hierbei wird deutlich, dass Wissen und Kommunikation die entscheidenen Voraussetzungen waren, um komplexe Dinge zu erkennen.

Durch die biologische und kulturelle Evolution, die mit einem komplexen, intelligenten Gehirn einhergingen, konnten Wissen und Ideen mittels Sprache ausgetauscht und weitergegeben werden.

 

Höhlenfundstellen am Südrand der Schwäbischen Alb

Aus einem Jurameer entstand die Schwäbische Alb.

Die Höhlen an deren Südrand zählen zu den bedeutendsten prähistorischen (altsteinzeitlichen) Fundstellen der Welt.

Hier lebten Neandertaler und frühe anatomisch moderne Menschen während der letzten Eiszeit, eine der faszinierendsten Epochen der frühen Menschheitsgeschichte.

Während jener Eiszeit entwickelten sich in über zwei Millionen Jahren die Grundlagen unserer heutigen Kultur.

In vier Höhlen des Achtals und Lonetals wurden aus Mammutelfenbein geschnitzte Tier- und Menschenfiguren entdeckt:

Ausgrabungen in den Höhlen belegen, dass während der Epoche des Aurignacien in einer Zeit vor etwa 43.000 - 34.000 Jahren, der kulturellen Entwicklungsstufe am Ende der Altsteinzeit, aus Mammut-Elfenbein die weltweit ältesten figürlichen Kunstwerke der Menschheit geschnitzt wurden ("Eiszeitkunst").

Vier kulturelle Neuerungen

  • Schmuck
  • Kunst
  • Musik
  • symbolische Vorstellungen

stehen für diesen Zeitraum.

Nach heutigem kulturhistorischem Stand gilt dabei als älteste figürliche Darstellung eines Menschen die vor rund 43.000 Jahren geschaffene "Venus aus dem Hohle Fels".

Diese Frauenstatuette wurde in der Schwäbischen Alb - seit dem 09. Juli 2017 UNESCO-Weltkulturerbe "Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb" - von Menschenhand hergestellt als "sich im Kopf des Steinzeitmenschen ein Bild vom Menschen" entwickelte (urmu - Urgeschichtliches Museum Blaubeuren).[3]

Flöten und Flötenfragmente aus Mammutelfenbein und Vogelknochen gelten als die ältesten nachgewiesenen Musikinstrumente der Menschheit ("Eiszeitmusik"); sie stammen aus der Zeit vor etwa 40.000 Jahren.

 

"Venus von Willendorf"

etwa 29.500 Jahre alte Figur

aus oolithischem Kalkstein

Naturhistorisches Museum

Wien

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die Rätselhafte

Meisterwerk altsteinzeitlicher Plastik

Die Bedeutung der 29.500 Jahre alten altsteinzeitliche Plastik einer nackten Frau in halbsitzender Haltung, der "Venus von Willendorf", gilt als bekannt:

Eine drastisch dargestellte Vulva, üppige Brüste und Hüften vereinigen drohende und beschwichtigende Signale, die zuerst vor konkreten Konkurrenten, dann aber schon bald vor dem Übel an sich schützen sollten.“ [9]

 

Vom altsteinzeitlichen Fundort

der "Venus von Willendorf"

in Niederösterreich:

Klingen aus hochweritgem

mährischem Feuerstein

Naturhistorisches Museum

Wien

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber