WALD │ Prägender Faktor der Gewerbelandschaft

Klaus A.E. Weber

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der „Sollinger Walt“/„Sollinger Walde“ [6]

Holz ist im Solling seit Jahrhunderten eine der wichtigsten Lebensgrundlagen.

Während die anderen beiden Dörfer der Dorf:Region über Jahrhunderte hinweg maßgeblich von der tradierten Landwirtschaft geprägt wurden, bestimmte die Forstwirtschaft die jüngere Geschichte und Kultur des entlegenen Sollingdorfs Hellental.

 

Herbstwald mit Bach │ Landschaftsgemälde, Kunstdruck

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

∎ Herbstwald mit Bach

Landschafts-Gemälde, Kunstdruck

Original: Öl auf Leinwand

[hmh Inv.-Nr. 2018

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Sozial-ökonomisch schwierige Jahre im Solling

In den ökonomisch wie sozial schwierigen Jahren – mit Hunger, Massenarmut bei zunehmendem Bevölkerungswachstum – gab es typischerweise eine Vielzahl von geradezu schlitzohrigen Einzelstrategien, die, ob ihrer bitteren materiellen Armut und existentiellen Not, auch bei einigen Helldahlschen Familien entwickelt wurden.

Zugleich kam es ab und an auch zu „gewissen Unregelmäßigkeiten” jenseits der damals geltenden Rechtsordnung.

Auch zeigten sich die Bewohner der Walddörfer im Solling als „besonders konfliktfreudig”.

Die ausgeprägte materielle Not und ländliche Lebenspraxis bestimmte die Mentalität wie die dörflichen Vorstellungen von Moral und Recht, hingegen nicht gesellschaftliche oder rechtliche Normen.[4]

Zugleich kam es ab und an auch zu „gewissen Unregelmäßigkeiten” jenseits der damals geltenden Rechtsordnung.

Die im Hellental verlaufende Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Hannover (ab 1866 preußische Provinz) war ehemals berüchtigt, auch wegen der häufigen, polizeilich verfolgten Wilddieberei und des verbreiteten Schmuggels in dieser exponierten Sollingregion.

 

 

Über viele Jahrzehnte hinweg hatten die Hellentaler Männer in ihrer Nachbarschaft ein auch noch heute Augen zwinkernd anzutreffendes Image als besonders ausgeprägte

  • „Sauf- und Raufbolde”
  • „Schmuggler”
  • „Wilddiebe”.

Die Hellentaler Dorfbewohner jener Zeit waren wegen ihres „Hanges zu Raufereien” und gelegentlicher Wilddiebsgeschichten bekannt und gefürchtet.[5]

Zudem seien Hellentaler Familien dann von einer besonderen „Schlitzohrigkeit” gewesen, wenn es um ihre eigene Vorteilnahme ging, gleich welcher Art und in welchem Umfang.

Beispielsweise sollen sich Vorfahren einer Hellentaler Familie durch den Zuckerschmuggel ein ansehnliches Vermögen verschafft haben.[5]

Wie noch heute in Hellental vielfach erzählt wird, soll es in den schlechten Zeiten des 19./20. Jahrhunderts auch vorgekommen sein, dass manch einer dem anderen buchstäblich nicht den Grashalm für das wenige weidende Vieh gönnte, andere gruben dem Nachbarn auf den wasser- und nährstoffarmen Hangwiesen im Tal regelrecht das Wasser ab.

 

In der Ausstellung am Internationalen Museumstag am 16. Mai 2021

Johannes Schraps, Mitglied des Deutschen Bundestages

© Historisches Museum Hellental

 

Historische Waldarbeit

Zu allen Zeiten lieferten Wälder einen der wichtigsten Rohstoffe der Menschen – das Holz.

Blickt man auf den Wald als prägenden Standortfaktor der frühen Gewerbelandschaft, so war das Waldgebiet des Sollings für die Glasherstellung in mittelalterlichen Wanderglashütten, später in ortsfesten Glashütten von zentraler Bedeutung.[3]

Weit darüber hinaus sind Ressourcen nutzend die Wälder des Sollings bekannt für die holzwirtschaftliche Nutzung; seit dem 18. Jahrhundert vornehmlich für die Verwertbarkeit von Nadelhölzern.

 

Gewinnorientierte Forstindustrie

Zwar zielt die gewinnorientierte Forstindustrie mit ihren Plantagen darauf ab, aus der Ressource Wald „Kohle" machen – doch ist das Ökosystem Wald kein ökonomisches Renditeobjekt.

 

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[1] BAYERL 2013, S. 70.

[2] KRUEGER 2013, S. 33-35.

[3] SCHLEGEL 2006, S. 146-147.

[4] SCHUBERT 1997.

[5] CREYDT 1985.

[6] DBU 2018, S. 107.