Weitere Standortfaktoren

Klaus A.E. Weber

 

Wasser

  • Brauchwasser: zum Antrieb von Stampfmühlen bzw. Pochwerken, zur Kühlung (u. a. der Glasmasse und Glasmacherpfeifen) und Lagerung hölzerner Formen (Model)
  • Trinkwasser: zur Sicherung des Lebensunterhalts der Glashüttenbewohner*innen und ihres Viehbestands
  • Löschwasser: zur Bekämpfung einer nicht ungewöhnlichen Brandentwicklung beim Ofenbetrieb

 

Brennstoffe zur Ofenbefeuerung im Solling

a) Holz

Vornehmlich darrtrockenes Buchenholz diente früher als Festbrennstoff.

  • Befeuerung der Glasschmelz- und Nebenöfen
  • Holzasche als Flussmittel, später zur Gewinnung von Pottasche
  • Herstellung von Glasmacherwerkzeugen (Holzformen)
  • Bauhölzer für die Errichtung von Glashüttenanlagen mit Haupt- und Nebengebäuden

Ein länger ausreichendes, gut erreichbares Holzvorkommen war daher der die Glasgewinnung limitierende Standortfaktor, so auch für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Glasherstellung in Waldglashütten im Umfeld des Hellentals.

Um die hohen Schmelztemperaturen zu erzielen, wurde im Hellental darrtrockenes, ortständiges Laubholz (im Hellental am ehesten Buchenholz) genutzt.

Zur Holzökonomie und Energiebilanz ist anzumerken, dass die Herstellung von Pottasche („weißes Gold“ aus Stuken) als Flussmittel für das Gemenge wesentlich mehr Holz beanspruchte als das Beheizen der Glashüttenöfen.

  • Um 100 kg Pottasche zu erzeugen, wurden ca. 100 m³ Holzmasse verbraucht bzw. benötigte man etwa 1 m³ Buchenholz um 1 kg Pottasche zu gewinnen.
  • Zur Produktion von 1 kg Glas wurden etwa 1-3 m³ Holzmasse gebraucht, wovon 95–97 % allein auf die Pottaschengewinnung entfielen.

Da eine durchschnittliche Waldglashütte bis zu ca. 10 t Glas jährlich herstellen konnte, wurden durchschnittlich ca. 3.800 m³ Holz gebraucht, was einer Buchenwaldfläche von 10 ha oder 1.250 Buchen im Alter von 100 Jahren entspricht.

 

Buchenholz

Darrtrockenes Rotbuchenholz (Buchenstammholz, Äste und Zweige) aus den braunschweigischen Forstorten des Sollings wurde lange als effizienter Brennstoff verwendet:

  • hoher Heizwert
  • entwickelt viel Glut, dadurch gleichmäßige, lang anhaltende Nutzwärme

 

b) Schwarztorf

Um dem zunehmenden Holzmangel zu begegnen galt im späten 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert Torf zur Befeuerung von Ofenanlagen der Glashütten im Solling als eine praktikable Lösung.[1]

Auf der Schorborner Filialglashütte „Torfhütte am Mecklenbruch“ wurde um 1799-1812 zur Erprobung kurzzeitig Hochmoortorf von den Torflagern am "Moosberge" im Hochsolling als Brennmaterial eingesetzt.

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Kohle

Mehr und mehr ersetzte in der Jahrhunderte währenden Glasgeschichte des Weserberglandes die Steinkohle ("Brandt-Kohlen") den traditionellen Brennstoff Holz bei der Glasgewinnung, kontinuierlich beginnend in den Mittelgebirgszügen der Deister-Süntel-Ostwald-Region.[2]

Kohlebasiert finden sich in der Deister-Süntel-Ostwald-Region Glashüttengründungen - erstmalig im 17. Jahrhundert in Klein Süntel.

 

Ton, Buntsandstein und weitere Gesteine

 

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Als technische Keramik befanden sich im Ofeninneren mehrere, aus feuerfestem Ton gefertigte Schmelztiegel - „Hafen“ oder „Glashafen“ genannt.

Die Glashäfen wurden sorgsam aufgearbeitet, gedreht und gebrannt.

An sie waren große Anforderungen zur Haltbarkeit gestellt (Verwendungsdauer im Schmelzofen).

Wie die heutigen großen industriellen Glasschmelzwannen, so waren auch die vergleichsweise kleinen Glashäfen sensible Konstrukte, die stetig auf Temperatur gehalten werden mussten.

 

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[1] ALTHAUS/KOCH 2017.DBU 2018, S. 159.

[2] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 171-177.