Prächtige bunte Glasfenster der Gotik

Klaus A.E. Weber

 

Die Schlichtheit außer acht gelassen

Folgt man GÖHMANN [24], so waren, als „in west- und mitteleuropäischen Kirchen und Kathedralen die romanische und gotische Glasmalkunst in hoher Blüte stand“, in den hochmittelalterlichen Anfangsjahren die Klosterkirchen der Zisterzienser wegen des konsequenten Farb-, Bilder- und Figurenverbots im Geiste asketischer bernhardinischer Frömmigkeit zunächst nur farblose Glasscheiben erlaubt, „die allerdings durch Bleiruten zu ornamentalen Mustern, sog. Grisaillen, aufgelöst werden konnten.“

Ab dem Übergang zum Spätmittelalter lassen während des 13. Jahrhunderts Schwarzlotmalerei (s. 2.1), erste Farbakzente, pflanzliche Ornamente und einzelne eingestreute Bilder ein Zurücktreten von dem strengen Farb- und Bilderverbot mit zugleich aufkommender künstlerischer Vielfalt erkennen.

Zu Beginn, spätestens aber zur Mitte des 14. Jahrhunderts werden die rigorosen Ordensvorgaben nicht mehr konsequent weiter befolgt, so dass figürlich gestaltete Farbfenster zur Regel werden.

Spätestens mit der Vollendung des großen Ostchores um die Mitte des 14. Jahrhunderts besitzt die Amlungsborner Klosterkirche Farbzyklen von eindringlichem ikonographischen und farbgestalterischen Ausdruck.“

 

Großes, schlicht hellverglastes gotisches Nordfenster über der Totentür

bis 1838 mit prächtigen mittelalterlichen "Glasmahlereyen" ausgestattet

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Wie HEUTGER [17] und WENTZEL [18] ausführen, zählten die gotischen Kirchenfenster der ehemaligen Zisterzienser-Klosterkirche einst zu den bedeutendsten Deutschlands.

Nach der Zerstörung der Klosterkirche am 08. April 1945 durch einen US-amerikanischen Luftangriff, der die Südseite des romanischen Langhauses zu 95 % und den gotische Teil zu etwa 15 % zerstörte, wurden nach dem Wiederaufbau und im Rahmen der denkmalpflegerischen Restaurierung in den 1950er Jahren alle Fenster des romanischen Kirchenteils farbig verglast – „die unteren Fenster und die Rose im Westgiebel in überwiegend blauen und roten Farben, die Obergadenfenster in grauen Tönen“.[25]

 

Romanisches Rundbogenfenster im Seitenschiff des Langhauses

mit Scheibenresten aus dem Ostfenster des 14. Jahrhunderts

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Abgesehen vom großen Ostfenster und Südfenster des Querschiffes erfolgte im gotischen Teil eine rautenförmige Antikverglasung mit farblosen und grauen Glasscheiben.

Im südlichen Seitenschiff des schlichten gotischen Chors befinden sich heute eher zufällig in der Tauf- und Beichtkapelle zwölf farbige Glasfenster, die sich ursprünglich über der Totentür im nördlichen Seitenschiff mit weiteren 48 Glasfenstern befanden; sie stellten eine Genealogie Christi (Stammbaum Jesu) dar.[22][23]

 

Antikverglasung des Fensters im Westgiebel

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Enge Verbundenheit von Amelungsborn und Mecklenburg

Es gab enge Beziehungen des Klosters Amelungsborn nach Mecklenburg, wobei die Güter des Klosters in Mecklenburg eine besondere Stellung hatten.[4]

Dort war die älteste klösterliche Glashütte bei Doberan, die bereits im 13. Jahrhundert erwähnt wurde.[10]

Bereits 1171 hatten Zisterziensermönche aus dem Kloster Amelungsborn in dem südöstlich gelegenen Althof das erste Kloster in Mecklenburg gegründet und fassten dort festen Fuß.[2]

Wie eine plastisch ausgeformte Zierscheibe in Wappenform „mit einem schwarzen gekrönten Ochsenkopf mit roter Zunge auf gelben Feld“ an einer der vier Gewölberippen des mittleren Chorjochs im Hohen Chor zeigt, war das Kloster Amelungsborn der Herrschaft Werle (Fürst Nikolaus von Werle) in Mecklenburg besonders verbunden.[14][15]

 

Zierscheibe mit Wappen der Herzöge von Mecklenburg-Werle

schwarzer gekrönter Stier-/Ochsenkopf mit roter Zunge auf gelben Feld

Klosterkirche Amelunsborn

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

2. Hälfte 18. Jahrhundert

Die von Abt Ritmeier (1747-1774) beauftragte, vermutlich zwischen 1750 und 1753 von Georg Johann Erich Herweg (Pastor in Amelungsborn: 1749-1753) verfertigte Beschreibung der Klosterkirche und deren Ausstattung weist hinsichtlich der Kirchenfenster aus:[16]

"Über dem Hohen Altar ist ein sehr großes und schön gemaltes Fenster.

Auf dem hohen Chor zu ieder Seite sind 2. kleine Fenster.

In dem rechten Seiten-Gange aber sind 6. und in dem linken Seiten-Gange 3. mittelmäßige Fenster, welche zum Theil gemahlet.

Über der Thür nach dem Kirch-Hofe ist ein sehr großes Fenster, darin verschiedene Bilder gemahlet, und gegenüber nach dem Creutz-Gang ist auch ein großes Fenster.

Vor dem kleinen Altar in dem mitteln Gange sind oben zu ieder Seite 6. Fenster, und an der Seite der Orgel-Treppe 3. kleine.

Auf der Orgel ist ein großes und mittelmäßig rundes Fenster, wie auch einss über der Thür unten in der Kirche."

 

Um 1800

Den Tageblättern "unserer Reise in und um den Harz", herausgegeben von Carl Gottlieb Horstig (1763-1835), ist für den 03. September 1803 zu entnehmen [3], dass die "Glasmahlereyen an den Fensterscheiben der Kirche zu Amelunxborn ... wegen der ungewöhnlichen Frischheit und Lebhaftigkeit der Farben die Aufmerksamkeit aller Freunde der Alten Kunst ..." verdienen.

Hierzu führt GÖHMANN [3] aus, dass 1637 noch 12, hingegen um 1800 nur noch 9 Fenster "mit gemalten Scheiben" erwähnt werden, "besonders das große Ostfenster, das 42 Bildfelder mit Szenen aus dem Marienleben und der Passion Christi zeigte, sowie ein hohes Fenster mit dem Stammbaum Christi in 60 Figurentafeln über der Totenpforte im nördlichen Querschiff.

Im 14. Jahrhundert entstanden, galten sie als bedeutendste Glasbilderzyklen ihrer Zeit.

Nach früheren Verlusten wurden sie bis auf 12 Glastafeln im 2. Weltkrieg zerstört, die 1828 in die Schlosskapelle in Blankenburg transloziert, 1945 auf der Marienburg bei Hannover in Sicherheit gebracht und dem Kloster 1966 zurück gegeben sind."

Wie MARX/OSTERMANN [7] ausführen, waren bei dem US-amerikanischen Luftangriff vom 08. April 1945 im Zweiten Weltkrieg (1939-1945), der zu einer verheerenden Zerstörung des Klosters Amelungsborn führte, die Glasfensters des großen Ostchorfensters der Klosterkirche nicht ausgebaut.

Durch den Luftdruck der explodierten Fliegerbombe wurde das mittelalterliche zentrale Ostfenster aufgerissen.

Das historische Glasfenster wurde aber nicht geborgen, so dass sich die Geschichte seiner Zerstörung bis in das Jahr 1955 hinzog.

Auch hatten Kinder das kunstvolle Glasfenster zerschosen und zertreten, "um an die Bleiruten zu gelangen, für die Metallhändler gut zahlten".[10]

 

Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland

Digitales Bildarchiv mit kunsthistorischer Einführung des Corpus Vitrearum Medii Aevi (CVMA) Deutschland für ausgewählte Kirchen mit mittelalterlichen Glasmalereien in Deutschland

 

Inschriftenkatalog Amelungsborn, Klosterkirche [5]

 

Nordansicht der Zisterzienser-Klosterkirche Amelungsborn

Im Zentrum das große Nordfenster

mit ehemals beeindruckenden mittelalterlichen "Glasmahlereyen"

August 2022

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Zurückhaltung bis in die 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts

"Ora et labora" und "Weniger ist mehr"

Zunächst war der Klosteralltag für die Zisterziensermönche, bestimmt durch das benediktinische Ideal der Schmucklosigkeit ("Bete und arbeite" als zentrales Motto des Hl. Benedikt von Nursia) und die "Regula Benedicti" (Nahrung und Kleidung durch eigene Arbeit zu erwerben), von richtungsweisender Bedeutung für das meist stille und karge Mönchsleben - mit großer Zurückhaltung (forma ordinis) gegenüber Figuren, Bildern und Farben sowie gegenüber kostbaren Kirchenausstattungen. [31][32]

Daher sollten gemäß den hochmittelalterlichen Vorgaben des Ordens für Fensterfüllungen die Fenster der Kirchen mit farblosem Flachglas und ohne bildliche Darstellungen verglast sein, weshalb sie zunächst in schlichter Grisaille ausgeführt wurden.[20][28]

Mit der Normsetzung der Regeln von Berhard von Clairvaux (~1090-1153) und nach dem Generalkapitel von 1159 und 1182 (Bauordnung, 11. Kapitel) waren alle Abteien des Männerordens aufgefordert worden, nicht regelgerechten Fenster aus Buntglasscheiben, insbesondere solche mit figürlichen Darstellungen, binnen weniger Jahre zu entfernen; sie wurden ausdrücklich verboten:[27]

"Gemalte Glasfenster sollen binnen der Frist von zwei Jahren ersetzt werden; andernfalls fasten ab sofort Abt, Prior und Kellermeister jedem sechsten Tag bei Wasser und Brot, bis die Fenster ersetzt sind."[6]

Gemäß dem strikten Verdikt für Buntglasfenster des Männerordens [27] und daher für Zisterzienserkirchen geradezu typisch, kamen nach GÖHMANN [20] zu Beginn des 13. Jahrhunderts farblose Ornamentgläser, so genannte Grisaillemalerei [21], in den Gebrauch, mittels Verbleiung mit Ranken-, Zopf- und Flechtmustern zusammengesetzt aus farblosen bis leicht getönten Glasstücken.

Weiterhin führte GÖHMANN [20] aus, dass auch mit Schwarzlot Bänder- und Blattmuster auf die Glasfelder gemalt wurden, eine geometrische Bildlichkeit, die das ganze 13. Jahrhundert hinweg von "Graustimmungen beherrscht" worden sei.

Das strenge Farb- und Bilderverbot der Anfangsjahre wurde ab dem Übergang zum Spätmittelalter gegen 1250, spätestens jedoch um die Mitte des 14. Jahrhunderts, nicht mehr konsequent weiter befolgt.⦋1⦌[28][37]

 

Glashandwerker in der Mönchskutte

Nach GÖHMANN ⦋20⦌, muss als „großartigste Leistung der Handwerker in der Mönchskutte … die Herstellung bunter Glasfenster angesehen werden, die in Amelungsborn ein Zentrum von europäischem Rang besaß“.

Der in diesem Zusammenhang von ihm vorgetragene Spekulation, ob es möglicherweise fremden Glasmacher waren, „die im Solling, Vogler und Hils ihre Wanderglashütten betrieben, die ihre Kunst an die Möchte weitergaben“, kann allerdings in Kenntnis Handwerkerordnungen mittelalterlicher Glasmacher und ihrem Sozialverhalten nicht gefolgt werden.

 

Tauf- und Beichtkapelle im südlichen Seitenschiff

kleines Ostfenster mit 12 farbigen Glasscheiben des großen Nordfensters

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Beeindruckende figürliche "Glasmahlereyen" und ihr Schicksal

Chorverglasung mit hochgotischen Kirchenfenstern

In der ehemaligen Zisterzienserklosterkirche von Amelungsborn befanden sich einst - bis zum schweren US-amerikanischen Luftangrif am 08. April 1945 - imposante Glasgemälde der Entstehungszeit um 1360.

Allerdings blieben nur wenige Reste des einst größten mittelalterlichen Glasmalereizyklus in Niedersachsen erhalten (CVMA-Bildarchiv Amelungsborn)..

Allein das große Chormittelfenster soll 72 Scheiben mit alttestamentarischen Szenen aus dem Marienleben, der Jugend und der Passion Christi enthalten haben - eine "Inkunabel der niedersächsischen Kunstgeschichte":[6]

  • linkes Fenster: im Zentrum zwei nebeneinander stehende Figuren, die Verkündigung vom Tode Mariens

  • mittleres Fenster mit ausgebesserten Scheiben: stark zerstörte Darstellung Christi vor Pilatus; darüber Teile einer Kreuzigungsszene: links Longinus mit der Lanze rechts der gute Hauptmann

Dabei kommt der mittelalterlich weit verbreitete Bildtypus einer so genannten "Wurzel Jesse" zur Darstellung und im Stammbaum Christi wird Jesus "als oben thronender Herrscher gezeigt" - als Erlöser.

In der oberen Reihe im zweiten Fenster von links wird nicht im biblischen Kontext König David mit Krone und Harfe als "die hervorragende und beeindruckendste Figur"abgebildet.

 

Sitzende Figurentypen der "Wurzel-Jesse-Darstellung"

Entstehungszeit um 1360 [2]

Wie MARX/OSTERMANN [8] darlegen, handelt es sich bei dem zentralen Ostchorfenster in der Sichtachse von West nach Ost wohl ursprünglich um „ein sechsbahniges, 16-zeiliges Prachtfenster mit 36 szenischen Darstellungen der Marien- und Christusheilsgeschichte, jeweils mit einer Reihe Wimpergen bekrönt. …

Ergänzt wurde das Fenster nur durch sechs Propheten in der untersten Zeile.

Der original Bleiriss wurde beibehalten.“

 

 

Erhalten gebliebene figürliche Fensterscheiben │ Entstehungszeit um 1360

Im Bleinetz zusammengefügte szenische Glasmalereien des gotischen,

1945 zerstörten Nordfensters im Querhaus [47]

1966 in das rechte Seitenfenster des Chorraumes eingebaut

Oktober 2018

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Im gotischen Ostfenster des südlichen Chorseitenschiffes wurden 1964 von ehemals 60 Glasscheiben schließlich 12 noch vorhandene, von gotischen Tabernakeln und Fialen begleitete Scheibenreste wieder eingesetzt, nachdem die erhalten gebliebenen Glasfragmente durch den Kunst-Glasmaler Heinz Mühlenbein (1883-1976) [11] aus Hannover so gut es möglich war, wieder zu sinnvollen Einheiten in drei Fensterreihen zusammengesetzt und im nördlichen Langhausseitenschiff eingesetzt wurden:[6][10][47]

 

Das gotische Ostfenster

Einst ein herrlicher Kirchenschmuck

Nach HEUTGER [17] und MARX/OSTERMANN [8] sei das ursprüngliche, einen "herrlichen Schmuck der Kirche" darstellende und aus 36 szenischen Bildfenstern mit Darstellungen der Marien- und Christusheilsgeschichte bestehende Fenster um 1360 entstanden.

Dabei seien Szenen "aus dem Leben der Maria und Christi, mit der Verkündigung an Joachim beginnend und mit Christus als Weltenrichter endend" dargestellt gewesen:

  • Verkündigung an Joachim und Anna

  • Tempelgang Mariä

  • Maria betet im Tempel

  • Josephs blühender Stab

  • Verkündigung Maria

  • Mariä Heimsuchung

  • Geburt Christi

  • Verkündigung an die Hirten

  • Heilige Familie

  • Anbetung der Könige

  • Jesus im Tempel

  • Flucht nach Ägypten

  • Kindermord zu Bethlehem

  • Abendmahl

  • Gebet am Ölberg

  • Gefangennahme Jesu

  • Christus vor Pilatus

  • Geißelung

  • Dornenkrönung

  • Handwaschung des Pilatus

  • Kreuztragung

  • Aufrichtung des Kreuzes

  • Kreuzigung

  • Der Lanzenstich

  • Kreuzabnahme

  • Grablegung

  • Besuch der drei Marien

  • Auferstehung

  • Himmelfahrt

  • Ausgießung des Heiligen Geistes

  • Verkündigung des Todes Mariä

  • Marientod

  • Krönung der Gottesmutter

  • Christi Weltenrichter

Es sei theologisch bedeutsam gewesen, dass "von der ersten Lebenszeit Jesu gleich zur Passionsgeschichte übergegangen" worden sei.

"Auf den Kindermord von Bethlehem" sei "die Einsetzung des Heiligen Abendmahls" gefolgt.

Für jene Auswahl sei "einerseits das besondere mariologische Interesse der Zisterzienser und andererseits das Interesse an der Passion Christi, die der Mönch nachvollzog, entscheiden geworden".

Alle Szenen seien "auf die notwendigsten Figuren vereinfacht und vor besternte, blaue oder rote Teppiche gestellt" gewesen.

"Die schmalen Figuren" seien "ausdrucksvoll bewegt, die Gesichtstypen hager" gewesen.

"Das Rahmungssystem, die Baldachine über den Bildern und der Figurenstil" sollen an "kölnische Arbeiten" erinnert haben.[17]

HEUTGER [17] legte 1968 dar:

"Dieses gewaltige, in sich aber nicht einheitliche Fenster, war seinerseits nur der Rest eines noch 1637 bezeugten zwölfteiligen Zyklus, von dem selbst 1819 noch 9 ganze Fenster erhalten waren."

Hierzu führte HEUTGER weiter aus, dass "einige erhaltene Bruchstücke des zerstörten Ostfensters, der Rest einer Kreuzigung, eine Ankündigung des Todes der Maria und ein jugendlicher König mit höfisch-femininen Gesichtszügen", seien in die drei östlichen Fenster des nördlichen Seitenschiffes des Langhauses eingefügt worden.

Das nach Profanierung der Kirche 1838 ausgebaute, im Verfall begriffene mittelalterliche Querhaus-Nordfenster gelangten 12 Glasscheiben über die Kapelle des herzoglich braunschweigisch-lüneburgischen Schlosses Blankenburg im Harz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf die Marienburg bei Nordstemmen und wurden schließlich vom Welfenhaus dem Kloster Amelungsborn 1964 zurückgegeben. [9][20]

Die zwölfteiligen Fenster haben "in kräftiger Farbigkeit zwölf Vorfahren Christi" in Glasbildern dargestellt, "bärtige Männer, die in mit Weinlaub umrankten Medaillons thronen".

Die Glasbilder sollen einer Folge von rund alttestamentarischen 60 Figuren des Stammbaumes Christi (Wurzel-Jesse-Darstellung) nach den Evangelisten Lukas und Matthäus angehört haben, des "ausführlisten derartigen Zyklus der deutschen Glasmalerei".[17] [20]

Dem am 08. April 1945 bei dem US-amerikanischen Luftangriff zerstörten Ostfenster sollen, stilistisch gesehen, die nach Amelungsborn zurückgekehrten zwölf Medaillon-Fenster nahe gestanden haben.

Die wertvollen, zur Mitte des 14. Jahrhunderts entstandenen Glasscheiben wurden 1964 im südlichen Seitenschiff des Chorraumes in das rechte Seitenfenster „in einer zeitgenössischen Buntfenstergestaltung wieder eingebaut“.[9]

Allerdings befand sich das Bildfenster nach MARX/OSTERMANN [9] ursprünglich "im nördlichen Querhausfenster über der Pforte zum Klosterfriedhof (Porta mortis)".

"In dem Maßwerk des Querhaus-Nordfensters, also der ursprünglichen Stätte des Stammbaumes Christi, finden wir oben, höchst ungewöhnlich, zwei Vierpasse übereinander.

Ganz oben thronte hier Christus, darunter aber Maria, die also aus der Ahnenreihe Jesu herausgehoben wurde."[17]

Die "figürliche Art der Amelungsborner Fenster" stelle - ordenshistorisch betrachtet - "ein Anzeichen des Abgehens von der ursprünglichen Regelstrenge" gemäß der Generalkapitel von 1157 (§ 15f. + 21) und 1182 (§ 11)" dar.[17]

 

Das moderne Chorscheitelfenster von 1958

September 2022

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

1958 wurde das zentrale, 14 m hohe Glastafelfenster im Osten des Langhauses von dem hannoverschen bildenden Künstler und Glasmaler Hans Werner Brenneisen (1927-2005) in der Tradition der Gotk gestaltet.

Das farbenprächtige Chorscheitelfenster erzählt das Leben Jesu - von der Kindheit bis zu Passion - in 48 Einzelszenen auf 8 Zeilen mit jeweils sechs Glasbildern.

 

Das Evangelisten-Fenster von 1958

 

Szenen der Evangelisten Matthias – Markus – Lukas - Johannes

Stiftung der Stadt Stadtoldendorf 1958

September 2022

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

____________________________________________

⦋1⦌ RÖCKENER 1998, S. 12-16.

[2] GÖHMANN 2004, S. 18 Anm. 36.

[3] GÖHMANN 1991, S. 76 Legende 67.

[4] HEUTGER 1968, S. 56-60.

[6] GROSSE BAUDENKMÄLER. Heft 338. 5. Aufl.. München, Berlin 1998, S. 12-14.

[7] MARX/OSTERMANN 2021, S. 57.

[8] MARX/OSTERMANN 2021, S. 47-48.

[9] MARX/OSTERMANN 2021, S. 106.

[10] MARX/OSTERMANN 2021, S. 98.

[11] MARX/OSTERMANN 2021, S. 119.

[12] MARX/OSTERMANN 2021, S. 85-97.

[14] GÖHMANN 1991, S. 55 Anm. 29.

[15] GÖHMANN 1982, S. 84.

[16] zit. in GÖHMANN 1991, S. 53.

[17] HEUTGER 1968, S. 35-36 - mit Hinweis auf H. WENTZEL: Gotische Glasmalereien für Amelungsborn. Pantheon. Internat. Zeitschr. für Kunst III 1965, S. 139-145.

[18] WENTZEL 1965, S. 139-145.

[20] GÖHMANN 1982, S. 50-51.

[21] Als "Grisaille" wird eine schlichte Malerei - auch Glasmalerei - bezeichnet, welche ausschließlich in den Farbtönen grau, weiß und schwarz ausgeführte wurde.

[22] OSTERMANN/SCHRADER 1996, S. 7.

[23] MÜLLER 1996, S. 9.

[24] GÖHMANN 1996, S. 59.

[25] OSTERMANN/SCHRADER 1985, S. 88.

[37] RAULS 1983, S. 34.

[47] LAMPE/WILLING 2012, S. 52-52 (Nr. 6), Tafel 2 Abb. 2.

[49] MÜLLER 1994, S. 5.

[51] KUNZE 2020, S. 33.