Mittelalterliche Selbstversorgung

Klaus A.E. Weber

 

Das Hellental im Solling - Raum historischer Glasherstellung im Mittelalter

 

© Historisches Museum Hellental, Foto: Mechthild Ziemer

 

Mittelalterliche Glasmacherfamilien im Hellental versorgten sich selber

 

Offene Feuerstelle im Mittelalter um 1230

Nienover Mittelalterhaus

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Kochen, Essen, Trinken │ um 1200–1300

Wand- und Randscherben von Kugeltöpfen als Koch- und Vorratsgefäße aus Ton

Die unterschiedlich gebrannte Gebrauchskeramik und deren Dekor ist mit entscheidend für die zeitliche Einordnung und die Einschätzung der Betriebszeit sowie Betriebsgröße von Waldglashütten.

 

Wand- und Randscherben

unterschiedlich gebrannte und gemagerte Kugeltöpfe:

  • hell grautonig │ fast weiß │ schwarzgrau │ rottonig

Dekor

  • Riefenverzierung

  • Rollstempeldekor

  • rötliche Bemalung aus der mittelalterlichen Töpferkolonie „Seypressen“ bei Duingen

 

Wie die kleine Inszenierung oben im Nienover Mittelalterhaus zeigt, wurde zeittypisch auf einer ebenerdigen Feuerstelle gekocht.

Die einfache Haushaltskeramik bestand zumeist aus Töpferware von Töpferein der Region.[2]

Charakteristisch für die Alltagsküche waren wahrscheinlich

  • Getreide als Grundlage für Brot, Brei und Grütze

  • winterfester Roggen als wichtigstes Brotgetreide

  • Hafer und Gerste als wichtigstes Breigetreide

  • Fleischarmut bei geringer Variationsbreite

  • gelegentlich frischer Fisch │ Forelle aus dem Helle-Bach?

  • „muos“ aus Erbsen, Linsen oder Bohnen

 

∎ Zweihenklige bemalte Tüllenkanne │ Nachbildung

helltonige, irdene Pingsdorfer Keramik mit Pinseldekor (Schrägstrichgruppen) bemalt │ Rheinische Importkeramik aus dem Zentrum des mittelalterlichen Töpfergewerbes │ 11./12. Jahrhundert

 

Zylinderhalskrug │ Original

Irdenware mit Wellenfuß │ 15./16. Jh. │ Siegburg (?)

 

Kochgeschirr │ Nachbildungen

Kugeltöpfe, Grapen, Becher

Töpfereierzeugnisse zur Zubereitung von Speisen am offenen Feuer │ 13./14. Jh. │ Niedersachsen

 

Textiles Handwerken um 1230

Nienover Mittelalterhaus

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Spinnen mit der Handspindel

Textiles Handwerk um 1200

Handspindeln bestehen üblicherweise aus einem hölzernen Spindelschaft mit dem geformten Spinnwirtel als sich frei um die eigene Achse drehendes Schwunggewicht.

Der archäologische Nachweis zweier Spinnwirtel aus Ton belegt den Gebrauch von Handspindeln zur Webvorbereitung auf der Glashütte Bremer Wiese.

Die stufig abgedrehten, mit Drehriefen verzierten Spinnwirtel doppelkonischer, zentrisch durchlochter Grundform legen nahe, dass Frauen vor Ort Garn gesponnen haben, um Textilien des täglichen Gebrauchs herzustellen.

 

Zwei mit Drehriefen verzierte, doppelkonische Spinnwirtel / Handspindel

 

Hellgraue, doppelkonische Spinnwirtel │ Herkunft: Großer Everstein

Nr.       Höhe Wirbelkörper │ Durchmesser Wirbelkörper │ Durchmesser Bohrung

1          34 mm                                   24 mm                                   10 mm

2          26 mm                                   17 mm                                     6 mm

3          26 mm                                   15 mm                                     4 mm

4          24 mm                                   15 mm                                     7 mm

5          16 mm                                   14 mm                                     5 mm

Fragmente (Hälfte Wirbelkörper)

6          35 mm                                   21 mm                                      8 mm

7          26 mm                                   nicht messbar                            6 mm

 

[1]

 

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[1] MARTENS 1941, S. 50 Abb. 10.

[2] STEPHAN 2010, S. 131-133.