Koloniale Zeitalter │ Tatorte gestern-heute-morgen
Klaus A.E. Weber

© [hmh, Foto: Klaus A.. Weber
Koloniale Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Die rund 500-jährige Geschichte des europäischen Kolonialismus mit dem noch heute anhaltenden Nord-Süd-Gefälle und den bestehenden strukturellen Gegensätzen wirkt bis heute in vielfältiger Form und mit unterschiedlichen Auswirkungen fort.
So entfaltet der Neokolonialismus heutiger Player seine Macht und Herrschaft durch neue Mittel und Vormachtstellungen in neuen Sphären – vergleichbar mit Strukturen des historischen Kolonialismus.
Im kritischen Blick auf die weltpolitisch angespannten Zeiten ist es auch für das Historische Museum Hellental als regionale Kultureinrichtung geboten, die Thematik des historischen Kolonialismus mit Raub, Ausbeutung, Rassismus und Sklaverei aufzugreifen.
Diese Themen sind beim unerwartet schnellen und anhaltenden kapitalistischen Wirtschaftswachstum der 1950er- und 1960er-Jahre in der Bundesrepublik Deutschland anscheinend ebenso schnell und anhaltend in Vergessenheit geraten.
Der noch heute prägend nachwirkende historische Kolonialismus ist mit dem neuen, digital akzentuierten kapitalistischen Kolonialismus und seiner ideologisch motivierten antidemokratischen Machtausübung an immenser Aktualität gewonnen geworden.
Hierfür stehen globale Verwerfungen, geostrategische Kriege und geoökonomische Machtkämpfe, anhaltender Rassismus, imperialistische Destruenten, Desinformationen, antidemokratische Strömungen, insbesondere aber der weltweit entstehende rechtsextreme bis hin faschistische Backlash.
Das Historische Museum Hellental sieht es daher als Aufgabe, sich mit belastenden geschichtlichen und aktuellen Themen wie Imperialismus, Kolonialismus, Ausbeutung, Sklaverei, Völkermord und Faschismus kritisch auseinanderzusetzen.
Historischer Kolonialismus
Die Geschichte von Europa als historische Kolonialmacht beruht auf der Landnahme und Gebietsaneignung, der unrechtmäßigen Aneignung von Ressourcen und Arbeitskräften zur kontinuierlichen Profitmaximierung mächtiger Kolonialherren, anders gesagt, durch Raub, Unterdrückung, Ausbeutung und Abhängigkeit.
Dabei haben die historischen Kolonialisierungsprozesse zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert durch ihre globalen Geld- und Warenströme eine immense wirtschaftliche und strategische Dimension eingenommen.
Was hat eine Ananas mit dem Tennissport zu tun? [2]
Genug, um auf der weltberühmten Tennistrophäe des Herreneinzels der Wimbledon Championships zu sein.
Die Trophäe wird seit 1887 von Sieger zu Sieger weitergegeben und an der Spitze ziert sie eine kleine Ananas.
Dies hängt mit der kolonialen Geschichte des Sports zusammen.
Neue kolonialistische Qualitäten
Der heute mehr oder minder offene neue Kolonialismus vollzieht sich
-
beim Tourismus mit seiner kolonialen Logistik einer festen Weltordnung
- im globalen Wettlauf die Ausbeutung durch digitalen Kapitalismus im Internet, wie auch in der Tiefsee und im Weltall.
Dabei ist es Ziel der mächtigen elitären und faschistischen Kräfte in den USA, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und Datenanalyse die Demokratie und die Freiheit von Kunst und Kultur systematisch zu untergraben und abzuschaffen.
Im Zeitalter des neuen Kolonialismus mit Fortsetzung alter Machtverhältnisse entwickelt sich durch die Digitalisierung eine globale Abhängigkeit von wenigen elitären Tech-Giganten, die über ein riesiges Privateigentum verfügen, das sich zunehmend einer demokratischen Regulierung zu entziehen versucht.
In kolonialer Kontinuitäten mit anderen Mitteln verfolgen die globalen Machtstrukturen der digitalen Industrie eine breite globale Datenaneignung durch Ausbeutung, einhergehend mit unwürdigen Bedingungen unter den Datenarbeiter*innen.
Der Kolonialismus lebt auch im globalen Wettlauf um die begehrten Rohstoffe als moderne Form der Ausbeutung und Kolonialisierung weiter – als „Grüner Kolonialismus“ im Power-Kontinent Afrika, da hier etwa 45 % der Ressourcen für kritische Rohstoffe zur Gestaltung der „grünen Zukunft“ liegen.
Es sind vor allem die Metalle für die Elektromobilität, wie beispielsweise jene für Lithiumbatterien.
So vollzieht sich auch In Lateinamerika ein blutiger Krieg um begehrte Metalle: „Drohnenattacken auf indigene Dörfer in Mexiko, Attentate auf Bergleute in Peru und ein globales Wettrennen um das weiße Gold Lithium: In Lateinamerika tobt der Kampf um Rohstoffe besonders heftig.“[1]
֍ Die Eisenbahn - Motor des Fortschritts
ZDF 2023 │ ARTE Ausstrahlung am 05. September 2026
„Seit etwa 200 Jahren gibt es die Eisenbahn – sie wurde zu einem der wichtigsten Verkehrsmittel der Menschheitsgeschichte.
Die Bahn revolutionierte den Transport und demokratisierte das Reisen.
Doch ihre Geschichte hat auch eine dunkle Seite: Sie war Werkzeug der Kolonialmächte und diente den Deportationen nach Auschwitz.
Der Dokumentarfilm begibt sich auf eine Reise durch über 200 Jahre Eisenbahngeschichte und zeigt, wie grundlegend dieses Transportsystem die Welt verändert hat.
1830 wird die erste reguläre Eisenbahnstrecke in England eingeweiht.
Von hier aus beginnt ihr einzigartiger Siegeszug, der Gesellschaften, Landschaften und Städte von Grund auf verändern und ganze Länder vom Agrarstaat ins Industriezeitalter katapultieren wird.
Indem sie den Transport von Waren und Personen revolutioniert, wird die Eisenbahn zum Katalysator der Industrialisierung und spielt eine Rolle bei der Verbreitung des Kapitalismus.
Zugleich demokratisiert sie das Reisen.
Menschen aller Gesellschaftsschichten haben nun erstmals die Möglichkeit, neue Orte zu entdecken und kulturelle Grenzen zu überwinden.
Dabei gibt es aber auch dunkle Kapitel in der Geschichte der Eisenbahn.
Als Werkzeug der Kolonialmächte zeigt sie sich als eine zerstörerische Technologie zur Ausbeutung fremder Länder.
Sie trägt zur Industrialisierung des Krieges bei, indem mit ihr Truppen und Material effizienter denn je transportiert werden.
Verschwiegen werden darf auch nicht, dass die Eisenbahn den Massenmord an den Juden in den Konzentrationslagern der Nazis erst ermöglicht hat.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert erlebt sie eine ungeahnte Renaissance durch Hochgeschwindigkeitszüge, die als Symbol für Effizienz und Nachhaltigkeit stehen.
Sie wird wohl auch weiterhin unsere Welt prägen.
Aber welche Herausforderungen bringt die Zukunft dieser einzigartigen Technologie?“
֍ Neuer Kolonialismus – Kampf um Macht in neuen Sphären
3sat NANO Talk │ Sendung vom 22. Januar 2026
“Der moderne Kolonialismus unterscheidet sich kaum vom Kolonialismus der frühen Neuzeit.
Auch wenn die Kolonialherren andere Namen tragen, bleiben die Mechanismen gleich: Es wird geraubt, ausgebeutet und Abhängigkeit geschaffen.“
Allmachtsfantasien und Weltherrschaft
„Mit der "Entdeckung" Amerikas begann das koloniale Zeitalter.
Damals ging es hauptsächlich um Landnahme, Gold und Versklavung.
Heute geht es auch um digitale Daten, seltene Erden und eine Vormachtstellung im Weltall.
Die neuen Kolonialmächte sind nicht mehr nur Staaten, sondern auch Firmen wie Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Huawei und DeepSeek.
Hat das Kolonialzeitalter am Ende gar nicht aufgehört zu existieren?
Versklavt der moderne Kolonialismus per Glasfaser uns alle?
Geht es am Ende wieder um globale Allmachtsfantasien und Weltherrschaft?“
Deutschland 2026 / ZDF
Nahrung für alle? Der geheime Krieg um unsere Ressourcen
ARTE-DOKU │ USA 2022 / WDR │ Sendung vom 26. August 2025
„Weltweit arbeiten Regierungen, Investoren und private Militärunternehmen daran, sich auf Kosten ganzer Bevölkerungen die Kontrolle über Nahrungsmittel- und Wasserressourcen zu sichern.“
Vertiefungsthemen →
⋙ Unverdächtig, unangenehm - daher vergessen!?
⋙ Der globale Siebenjährige Krieg │ 1756-1763
⋙ Was als Fremdes ins alte Europa kam
⋙ Koloniale Spuren in der Konsumkultur
⋙ Der Tante-Emma-Laden im Dorf
⋙ Gebrauchsobjekte im kolonialen Kontext
⋙ Europa als historische Kolonialmacht
⋙ Kolonialmacht Deutsches Kaiserreich │ 1871-1918
⋙ Das französische Kolonialreich
⋙ Das niederländische Kolonialreich │ Amsterdam
⋙ Das portugiesische Kolonialreich
⋙ Die Schweiz und ihre globalen Verflechtungen
⋙ Kolonialrevisionismus │ 1919-1945
⋙ Räuber │ Komplizen │ Profiteure
_____________________________________________________________
[1] KÄUFER 2025.
[2] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 30. Dezember 2023 von Manda Beck und Michael Jucker, arbeiten bei Swiss Sports History, dem Portal für Schweizer Sportgeschichte, an der Uni Luzern.