Kolonialismus und Rassismus in der Alltagsküche

Klaus A.E. Weber

 

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∎ Schaufelförmiger Meßlöffel für das Kaffeegetränk "Kornfranck"

um 1940-1960

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Dass der von „weißer Dominanz“ geprägte Kolonialismus vergangener Jahrhunderte bis heute fortwirkt [1], soll hier kurz in der Alltagskultur einer Landküche aufgezeigt werden.

Dabei handelt es sich nicht um geraubte afrikanische Kunstwerke, deren Restitution von Museen jahrzehntelang hintertrieben wurde.[2]

▷ Onlineportal der Deutschen Digitalen Bibliothek: „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten

 

Die "reinste und feinste Marke"

Weiße Dominanzkultur und „Bester Kaffeezusatz“

Der schwäbische Unternehmer Johann Heinrich Franck (1792-1867) gründete eine Zichorienkaffeefabrik, die sich nach dessen Tod unter den Nachfahren - „Heinrich Franck Söhne“ - in Ludwigsburger sowie in anderen Fabrikanlagen weiterentwickelte (Marke Franck - Geschichte eines inustriellen Familienunternehmens).

 

Quelle: Frankfurter Rundschau │ 14. Oktober 2019 │ 75. Jahrgang │ Nr. 238 │ Abb. S. 19.[1]

 

Brutaler Kolonialismus in Afrika

„Aecht Franck mit der Kaffeemühle“

Ein mehrfarbiges Sammelbild von „Aecht Franck mit der Kaffeemühle“ von 1905 dokumentiert die „verkörperte weiße Dominanzkultur“ während des brutalen, grausamen deutschen Kolonialismus mit maximaler Ausbeutung einheimischer Arbeitskräfte (1904-1908) in Afrika mit dem Titel „Herero-Aufstand in Deutsch-Südwest-Afrika“.[1][3]

Szenisch abgebildet sind auf dem mehrfarbigen Reklamebild streng bewachte „Gefangene Hereros“ sowie ein sitzender „Gefesselter Herero“.

Die Marke Kornfranck wurde geschaffen als sich in der Zeit um 1900 ein neuer Markt für das Kornkaffeegeschäft entwickelte und man sich vom Kathreiner Malzkaffee abheben wollte.

Auch nach dem Ersten Weltkrieg wurden Produkte des Unternehmens u. a. weiter unter Namen Kornfranck vermarktet.

Die Einführung des neuen Produktnamens Mühlen-Franck für den Zichorienkaffee sollten Assoziationen an die Zichorie und an Elend, Krieg und die schlechte Ernährungssituation vermieden werden.

 

Schulkinder von Merxhausen mit Kornfranck-Werbung

während des Zweiten Weltkriegs │ um 1940

© Historisches Museum Hellental

 

Werbepsychologische Zielgruppen von Kornfranck

Während der Autarkiebestrebungen des nationalsozialistischen Regimes und der zunehmenden Genussmittelverknappung während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) wurde der "Kaffee-Surrogat-Extrakt" staatlich verwaltet und beworben.

Hausfrauen

Der Geschmack einer Frau (Kaffee-Zubereitung mit Bohnenkaffe und Getreidekaffee)

  • "Den Geschmack einer Frau kann man am Kaffeezusatz erkennen. Ist ihr Geschmackssinn gut ausgebildet, so verlangt sie für ihr Geld nicht nur die besten Kaffeebohnen, sondern auch den besten Kaffeezusatz, nämlich Aecht Frank mit der Kaffeemühle. Mit ihm bereitet sie eine Tasse guten Kaffee."
  • "Vielen Frauen gelingt es nicht, einen wirklich guten Kaffee zustande zu bringen, trotzdem sie viel Geld für die besten Kaffeebohnen ausgeben. Woran liegt es? Sie achten nicht auf die Qualität des Kaffeezusatzes. Würden sie sich an die reinste und feinste Marke Aecht Frank mit der Kaffeemühle halten, so hätten sie stets einen aromatischen und wohlschmeckenden Kaffee."

Schulkinder

Wie die Fotografie von Schulkindern aus Merxhausen in der Zeit um 1940 ausweist, wurden zur Werbung für "Kornfranck - gesund wie das tägliche Brot!" zielspezifisch auch Schulkinder werbepsychologisch eingesetzt.

 

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[1] WIEDEMANN 2019.

[2] SAVOY 2021.

[3] ZIAI 2020.