Glashütte am Lakenborn │ 1655-1681

Klaus A.E. Weber

 

Waldglashütte am Lakenborn │ 1656-1681

Lakenteich mit Glashüttenstandort im Solling

Mai 2011

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Beispiel einer deutschen Waldglashütte des 17. Jahrhunderts

Die Waldglashütte am Lakenborn ("Lakenteich"│"Lakenborn" [3]), die eine ungewöhnlich lange Betriebszeit im Solling aufweist, gilt als typisches Beispiel einer deutschen Waldglashütte des 17. Jahrhunderts.[2][4][5]

Die Glashüttenanlage bestand aus

  • einem Schmelz- und Arbeitsofen (Hauptofen)

  • mehreren Nebenöfen: 2 Kühlöfen, 1 Streck- und Kühlofen.

 

Waldglashütte am Lakenborn │ 1655-1681

Unter einem Schutzdach:

weitgehend erhaltenes Fundament des Hauptofens

Schmelz- und Arbeitsofen mit Feuerungskanal

September 2007

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Die Schüröffnungen lagen außerhalb des des engsten Produktionsbereiches.

Das Hüttengebäude, welches alle Glasöfen umfasste, entsprach einer mindestens 25 m langen und 17,5 m breiten Werkhalle mit einfachen Bretterwänden.

 

 

Die Waldglashütte wurde von Franz Seidensticker um 1655/1656 gegründet und später von seinem Schwiegersohn Johann Seitz weitergeführt.

 

Waldglashütte am Lakenborn │ 1655-1681

Rekonstruierter Laufhorizont

Mai 2011

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

In der Glashütte wurde sowohl Hohlglas (Trinkgläser, Vorrats-, Transport- und Destilliergefäße) als auch Flachglas (Fensterglas im so genannten Zylinderblasverfahren) gefertigt.

Nahezu alle Hohlglasformen (zylindrische und mehrkantige Biergläser, Flaschen) entsprachen der im 17. Jahrhundert gängigen Hohlglas-Produktiospalette.[6]

Ab 1664 war Heinrich Freyenhagen, Bürgermeister von Uslar, Mitbesitzter der Glashütte.

Ihre letzte Erwähnung erfolgte 1681: "der Universalgelehrte Leibnitz suchte 1681 die Hütte auf".

In den Jahren 2003-2007 erfolgte eine planmäßige archäologische Untersuchung des Produktionsbereiches und von Abfallhalden [1] sowie der spätere Versuch einer partiellen Rekonstruktion des Glasschmelzofens.

 

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[1] Projektleitung: Prof. Dr. Hans-Georg Stephan (Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, früher Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen); örtliche Leitung und Auswertung der Ausgrabung: Radoslaw Myszka M.A. (Universität Göttingen).

[2] MYSZKA/STEPHAN 2005.

[3] Blatt 5 der faksimilierten Sollingkarte von 1603 [ARNOLD/CASEMIR/OHAINSKI (Hg.), 2004 - StAWF K 202 Blatt 5.

[4] BLOSS 1977, S.58-59, 65, 69, 98-101 (21), 106, 137, 141, 154, 159.

[5] BLIESCHIES 2007, S. 120-125.

[6] STEPHAN 2022, S. 128-129.