Regionales Sandsteinhandwerk

Klaus A.E. Weber

 

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Ansicht vom Hafen in der Zeit um 1875 [6]

Lagerung von Solling-Sandsteinplatten am Hafengelände von Holzminden

bereit für den Abtransport auf der Weser

© Historisches Museum Hellental

 

„Steinzeitliche“ Tradition

Der weitverbreitete und vielseitig verwendbare Wesersandstein konnte hier in Form des im nördlichen Solling speziell anstehenden Buntsandsteins schieferartig in Platten gespalten werden.

Soweit nachweisbar, lassen sich die Gewinnung und Verarbeitung des Buntsandsteins aus dem Solling bis zum 15. Jahrhundert zurückverfolgen.

Die graue bis rote Färbung des Wesersandsteins stammt von Eisenerzen, von Limonit (Brauneisenstein) und Hämatit (Roteisenstein).

Wie LILGE [5] schreibt, spalteten Sandsteinbrecher den schweren Sandstein mit Keilen in Platten, die auf einen Holzbock gelegt wurden.

Um die gewünschte Form zu bekommen, wurden sie mit Hilfe einer Schablone geritzt, was mit dem Reißeisen geschah.

Der Überstand wurde dann mit zwei Hämmern entfernt, indem man den einen Hammer unter die Platte hielt und mit dem anderen von oben schlug.

Wollte man besonders scharfe Kanten, so wurdensie mit Hammer und Meißel nachgearbeitet.“

  • Steinbrechern war es erlaubt, den Buntsandstein abbauen und als Platten oder Blöcke verkaufen.

  • Dem hingegen waren Steinhauerarbeiten aufgrund des Gildezwanges ausschließlich den Mitgliedern der zuständigen Maurergilde (hier Stadtoldendorfer Maurergilde) gestattet.

Einige Männer aus Hellentaler Familien arbeiteten als Steinbrecher oder Steinarbeiter in den zahlreichen Buntsandsteinbrüchen, ebenso aber auch in Ziegeleien (Ziegelei in Stadtoldendorf) und Sägewerken (Sägewerk bei Merxhausen) der näheren wie weiteren Umgebung des Sollings.

 

Solling-Natursandstein

Gewerbliche Weiterverarbeitung und Verwendung von abgebautem Wesersandstein

Sandsteinglatten

Aufgrund ihrer leichten Spaltbarkeit eignen sich die Sandsteinvorkommen im braunschweigischen Solling zum Herstellen dünner Platten.

Sandsteinplatten aus Mittlerem Buntsandstein der Sollingfolge wurden ab dem 17. Jahrhundert zur witterungsbeständigen Dachdeckung verwendet – eine hervorgehobene Besonderheit der hiesigen Region.

  • Bedachung (Dachplatten)

  • Behang von Fachwerkwänden auf der Wetterseite (Behangplatten)

  • Fußböden, Hausdielen und Dreschtennen (Belagsteine, Lege- und Deelsteine)

Sandsteinblöcke

  • Treppensteine

  • Pfosten

  • Krippen und Viehtröge

Sandsteinblöcke für Quader- und Bossensteine

  • Grabsteine, Grabplatten und Stelen
  • Mühlsteine

  • Schleifsteine
  • Mauersteine

  • Pflasterseine

und zu weiteren Nutzungen.[4][5]

In neuerer Zeit wurden zur traditionellen Neueindeckung des von 1610 bis 1617 errichteten Hochzeitshauses in Hameln - mit Abschluss im Jahr 2024 - im Tagebau abgebaute Solling-Sandsteinplatten (roter Wesersandstein Typ Solling) als Dachsteine verwendet, per Hand gespalten in der Werkstatt Helmer Naturstein GmbH in Stadtoldendorf.[7]

 

Dünn gespaltene Buntsandsteinplatten aus dem Solling

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Von Sandsteinbrechern und Fertigmachern

In Bausandstein-führenden Horizonten wurde regional anstehender Wesersandstein bzw. Buntsandstein in offenen Steinbrüchen für verschiedene bauliche Verwendungszwecke von Sandsteinbrechern abgebaut.

Das Steingewerbe war für viele Familien in den armen Sollingdörfern eine wichtige Einnahmequelle.

So waren zahlreiche erwerbsfähige Männer mit der Gewinnung und Verwendung des Sandsteins beschäftigt.

Auch einige Männer aus Hellental arbeiteten in den zahlreichen Steinbrüchen der näheren und weiteren Umgebung des Sollings.

Die stark nachgefragten Dachsteine, Legesteine und Behangsteine stellten Fertigmacher her.[1]

 

Zum handwerklichen Vergleich:

֍ Das Handwerk der Oberbergischen Pflastersteinhauer (1977)

 

Administration der Sollinger Steinbrüche

Nach Einrichtung einer fürstlichen Steinfaktorei vor Holzminden nahm bei dem gewinnbringenden Abbau des Festgesteins die Administration der Sollinger Steinbrüche in den Jahren 1828-1870 eine zentrale Rolle ein.[3]

Die Steinbruch-Berufsgenossenschaften des Sollings zahlten um 1890 jährlich etwa 600.000 Mark.

Unter Hinzurechnung der Ausgaben für Handwerker und Fuhrlöhne sowie für die Grabenzinsen ist anzunehmen, dass das Steingewerbe den Ortschaften um den Solling eine Jahreseinnahme von rund einer Million Mark verschaffte.

Hiermit wird die große Bedeutung des Solling-Steingewerbes auch für das ehemalige Herzogtum Braunschweig deutlich.[2]

 

© Curt Sauermilch, Holzminden

 

∎ Dach- und Behangplatten

 

∎ Mühlsteine

 

Schlichter, profilierter Grabstein │ um 1900

Liegestein aus Solling-Buntsandstein │ ehemaliger Kirchhof in Hellental

oval gefasstes Schmuckfeld zur Aufnahme eines  emaillierten Namensschildes

[hmh Inv.-Nr. 9010

 

© Historisches Museum Hellental, Foto: Mechthild Ziemer

 

Handbetriebene Schleifsteine aus Buntsandstein

1. Hälfte 20. Jahrhundert │ Hellental

[hmh Inv.-Nr. 9012

 

Bossieren und Scharrieren

 

Werkzeuge zur Steinbearbeitung │ Anfang 20. Jahrhundert │ Holzminden

  • Eisenhammer

  • Runder Holzhammer mit kurzem Stiel (Knüppel)

  • Scharriereisen/Schlageisen/Meißel

 

© Historisches Museum Hellental

 

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[1] TACKE 1946, S. 22.

[2] KNOLL/BODE 1891, S. 128 f.

[3] JAHNS 2000, S. 43-86; STREICH 1996, S. 149-150.

[4] STREICH 1996, S. 149-150.

[5] LILGE 1998, S. 97.

[6] GEISSLER [1875].

[7] DAMAROS 2025.