Zeit der NS-Diktatur

Klaus A.E. Weber

 

Aufstieg der Nationalsozialisten in Hellental 1933-1945

Seit 1930 beherrschten Nationalsozialisten (NSDAP) das Land Braunschweig.

Auch die Hellentaler Dorfbevölkerung wurde mit dem sich etablierenden Nationalsozialismus und dem hieraus resultierenden staatlichen Antisemitismus mit seiner Agitation in ihrem Alltagserleben unmittelbar konfrontiert.

So gab es 1932 eine Propaganda-Versammlung am Mühlenteich mit "Braunhemden" der SA und Nazigrößen - die Phase der menschenverachtenden Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus greift in Hellental um sich.

Am 03. April 1932 marschierten von Merxhausen aus „unter dem Vorantritt der SA-Kapelle Sievershausen (...) 160 SA- und SS-Leute sowie Angehörige der Hitlerjugend neben ebenso vielen Mitgliedern und Anhängern der Partei nach den Ortschaften Heinade und Hellental“ - möglicherweise „unter dem Vorantritt der Hakenkreuzfahne bei dem Gesange nationalsozialistischer Kampflieder“ oder „mit den üblichen Kampfliedern“.

Für Hellental ist als größere nationalsozialistische Propaganda-Veranstaltung ein "Deutscher Tag" mit politischen Reden für den 23. Oktober 1932  überliefert.

 

1932

So gab es 1932 eine Propaganda-Versammlung am Mühlenteich mit "Braunhemden" der SA und Nazigrößen - die Phase der menschenverachtenden Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus greift in Hellental um sich.

Am 03. April 1932 marschierten von Merxhausen aus „unter dem Vorantritt der SA-Kapelle Sievershausen (...) 160 SA- und SS-Leute sowie Angehörige der Hitlerjugend neben ebenso vielen Mitgliedern und Anhängern der Partei nach den Ortschaften Heinade und Hellental“ - möglicherweise „unter dem Vorantritt der Hakenkreuzfahne bei dem Gesange nationalsozialistischer Kampflieder“ oder „mit den üblichen Kampfliedern“.

Für Hellental ist als größere nationalsozialistische Propaganda-Veranstaltung ein "Deutscher Tag" mit politischen Reden für den 23. Oktober 1932 überliefert.

 

Hausdurchsuchungen 1933

Am 18. März 1933 führten im Zeichen des nationalsozialistischen Terrors drei Landjäger und 15 SS- und SA-Leute abends gegen 18 Uhr Hausdurchsuchungen bei SPD-Funktionären und SPD-Mitgliedern in Hellental durch - bei eher bescheidener Ausbeute.

Laut Angaben der Polizei seien neben sozialdemokratischen Schriften und Parteibüchern, eine schwarz-rot-goldene Fahne, einige Wimpel, zwei Trommeln, drei Flöten sowie ein Militärgewehr gefunden worden.

 

Sozis und Nazis bei den Waldarbeitern

Nach Zeitzeugenberichten gab es in Hellental früher zwei politische Richtungen.

Das waren einmal bekannte Gewerbetreibende und Bauern des Dorfes bei der Deutschnationalen Volkspartei (1933 in der NSDAP aufgegangen).

Und das war während des Ersten Weltkrieges oder danach die SPD.

Die standen sich nicht nur gegnerisch, sondern sogar feindlich gegenüber.

 

SPD

Ja, die waren alle SPD.

Die waren ja schon von früher her so, die Väter und alle.

Als damals Waldarbeiter in den Lönskrug geholt wurden ... sie sollten dort ordentlich Schläge kriegen.

 

Mitglieds-Buch der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Bezirk Hannover │ Unterbezirk Oberweser

Waldarbeiters Georg Albert August Timmermann (1901-1975 in Hellental).

Der SPD beigetreten am 01. Dezember 1945.

Mitglied vor 1933: von 1924 bis 1933

 

NSDAP-Mitgliedschaft 1933

Eines der wenigen versteckt erhalten gebliebenen, nicht (durch Verbrennen) beseitigten Dokumente der Mitgliedschaft bei der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei der NSDAP eines Hellentaler Bürgers ist das ausgestellte Zeitzeugnis des Mitgliedsbuch des Forstwarts/Waldarbeiters und SA-Oberscharführers im Sturm 6/230 Karl Julius Hermann Greinert (* 1891 in Hellental, † nach 1944).

Der „Forstwart“ Julius Greinert trat am 01. Mai 1933 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bei.

1939 Mitgliedschaft in der SA-Gruppe (Sturmabteilung) Niedersachsen mit dem Dienstgrad eines „Oberscharführers“ im Sturm 6/230

 

Mitgliedsbuch Nr. 31 82746 │ in München bestätigt am 25. November 1935 │ zugleich Personal-Ausweis, ausgestellt am 01. Februar 1936 von der Ortsgruppe Heinade mit Sitz der Ortsgruppenleitung in Braak

 

Parteiabzeichen der NSDAP │ Ø 18 mm │ Kupfer

Umschrift: NATIONAL-SOZIALISTISCHE-D.A.P.-

Fundort: Hellental 12/2019

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Folgen der von der Bevölkerung mehrheitlich getragenen NS-Diktatur

SA-Schlägertrupp aus Bevern wütet in Hellental

Wie 1933/1934 die Säuberungsaktion der Nazis begann, kam ein Kommando von Bevern, wo sich ab 1933 im Schloss eine SA-Sportschule befand.

Der uniformierte Schlägertrupp wollte die alten Sozialdemokraten wegholen.

Das haben sie aber nicht durchgeführt, sondern sie haben sie in die Wirtschaft geholt und haben sie misshandelt.

Es waren von Hellental auch welche dazwischen.

Ich weiß auch alle wer, aber …

Da haben sie einen Waldarbeiter so kaputt geschlagen.

In der Sängerstube auf dem Saal haben sie ihn so verdroschen … und ihn blutend im Laken gehabt.

Der war so kaputt, dass er überhaupt nichts anziehen konnte.

Der sah sich nichts mehr ähnlich.

Und einen weiteren Waldarbeiter hatten sie auch schon geholt …

Da ist einer aus dem Dorf gekommen, der ist dazwischen gegangen.

Auch ein älterer Waldarbeiter.

Der hat gesagt, das gibt es nicht mehr.

Die wollten alle, alle wollten sie schlagen.