Pottasche │ "bott aschen"

Klaus A.E. Weber

 

LOIBL [10] wies 1996 ausdrücklich auf die fehlerhafte Verwendung des Begriffs „Pottasche“ hin, da Pottasche keine Asche im chemischen Sinne ist.[1]

Etwa ab dem 17. Jahrhundert, möglicherweise aber auch bereits im 15. Jahrhundert, wurde als ausgelaugte Holzasche die "Bottaschen" (Extraktion von Kaliumcarbonat, K2CO3) als Flussmittel bzw. als Handelsware kommerziell genutzt.[1][2][5][8][12][20]

Hierbei sei auf den Glashütten - selbst im Spessart - die Verwendung der Extraktionssubstanz „Pottasche“ als Gemengeanteil nicht vor dem Ende des 17. Jahrhunderts (seit 1688) fassbar.[6]

So würden erste Pottaschensieder in Franken erst am Ende des 17. Jahrhunderts auftreten.[13]

Für die Fürstliche Glashütte zu Altmünden am Ostrand des Reinhardswaldes ist nach ALMELING [11] eine eigene Pottaschenerzeugung ab dem Jahr 1680 nachweisbar.

 

"Pottasche brennen" [7]

 

Holz verzehrender Arbeitsvorgang

Das relativ einfache Gewinnen des Extraktionsproduktes "Pottasche" führte zu einem enormen Holzverbrauch, der deutlich über dem der Befeuerung der Glasöfen lag.[9]

An Stelle von nicht mehr ausreichend verfügbarem und auch teurem Soda erfolgte in Waldglashütten der Zusatz von Kaliumcarbonat (K2CO3) mittels ausgelaugter Holzasche:

  • Auslaugen roher Buchenholzasche durch durch Einsumpfen in Bottichen und Auswaschen mit Wasser

  • Eindampfen durch Sieden der Lauge in großen Pfannen, Töpfen oder Kesseln

Hierzu wurde Baumholz oder auch Ast- und Restholz von Aschebrennern genutzt.

Bei der extrem arbeits- und materialaufwendige Herstellung kam es zu einem unverhältnismäßig hohen Holzverbrauch, denn für die Gewinnung von 1 kg Glas wurden etwa 200-250 kg Buchenholz benötigt.

Aschebrenner erwarben aber auch Holzasche aus ländlichen Haushalten oder durch Herstellungsprozess angefallene Holzasche.

Wie berichtet wurde, sei im Solling die Pottasche aus „Stuken“ gewonnen worden – somit aus Baumstümpfen (Wurzelstock, forstlich Stockholz), einem Überbleibsel gefällter Bäume.

 

"Das Pottaschen Sieden müßte ganz aufhören."

Je nach Literatur veränderte Angaben [20]:  

  • 1.000 kg trockenes Holz  ⟶ ca. 3 kg Asche  ⟶ ca. 1 kg Pottasche [2]

  • 1.000 kg trockenes Buchenholz  ⟶ ca. 15 kg Holzasche  ⟶ ca. 2,5 kg Pottasche [19]

Nach anderer Darstellung [3] waren zur Erzeugung von 1 kg Glas je nach Art und Zustand des Holzes 1-3 Festmeter Holz erforderlich bzw. betrug das Gewichtsverhältnis zwischen dem Fertigprodukt Glas und dem hierfür erforderlichen Holzeinsatz 1 : 2.400.[9]

Nach SÜSSMUTH [4] errechnete man um 1950, das „auf 1 kg Glas im Durchschnitt 3 kg Kohlen kommen“.

 

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[1] umfängliche und quellenkritische Darstellung bei LOIBL 1996.

[2] ALTHAUS 2015, S. 156-159.

[3] BAYERL 2013, S. 64-65.

[4] SÜSSMUTH (1950), S. 22.

[5] TRIER/NAUMANN-STECKNER 2016, S. 161.

[6] LOIBL 1996, S. 79.

[7] Abb. aus LESSMANN 1984, S. 19.

[8] REINER 2004, S. 37-47.

[9] REINER 2004, S. 40-41.

[10] LOIBL 1996, S. 79-85.

[11] ALMELING 2006, S. 36.

[12] ALMELING 2006, S. 34-36.

[13] LOIBL 1996, S. 87-88.

[19] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 179-180.

[20] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 179-183.