Wölbäcker - Mittelalterliche Kulturlandschaftsrelikte

Klaus A.E. Weber

 

Wölbackerflure sind sichtbare obertägig erhaltene spätmittelalterliche Flurrelikte des Ackerbaus.[2]

Die Ackerrelikte ein fassbares Beispiel für die bedeutsame historische Kulturlandschaft in der hier betrachteten Region.

 

Holzberg mit den westlich gelegenen "Holzbergwiesen" │ November 2022

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Blick vom Holzberg auf die westlich gelegenen "Holzbergwiesen"

mit rezenten mittelalterlichen Wölbackerfluren │ Mai 2015

Ausschnitt mit Richtungsbahnen des Pfluges

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Im Bereich des Holzberges und der nordwestlich vorgelagerten "Holzbergwiesen" imponieren große, geschlossene Wiesenflächen - mit Wüstungsfluren.

Noch gut im Gelände erkennbar sind historische Ackerformen, die zu ehemaligen, spätmittelalterlich oder frühneuzeitlich aufgegebenen Dörfern, wie Holtensen, gehörten.

Es handelt sich hierbei um teils erhaltene, mittelalterliche Wölbäcker, die als Hochäcker oder Ackerhochbeete landwirtschaftlich vor der Verkoppelung genutzt wurden.

Dabei bestanden weder Feldwege noch Entwässerungsgräben.

Rezente Wölbäcker sind in anderen Gebieten Niedersachsens in dieser Ackerform nur noch an wenigen Stellen erkennbar und somit hier schützenswert.

Pflugmethodisch bedingt entstanden Wölbäcker bis ins Mittelalter hinein durch die Verwendung nicht wendbarer eiserner Pflugscharen, wodurch durch mehrjähriges Pflügen immer mehr Ackerkrume zur Ackermitte verlagert und somit die Ackermitte erhöht und die Ränder des Ackers vertieft wurde.

 

Wölbackerflure bei Arholzen

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Nach BALLER [1] betrug die jeweilige Breite eines Feldes zwischen etwa acht und 16 Meter bei einer Länge von über 100 Metern.

Wie der Autor weiter anschaulich ausführt, wurden die "Handtücher" in der Regel mit Ochsen gepflügt:

"... die lange Flurform ergibt sich daraus, dass man so seltener wenden musste.

Mit dem Pflügen wurde in der Mitte der Feldbreite begonnen.

Durch das Streichbrett wurde die Scholle in eine Richtung aufgeworfen.

Um auf der schmalen Feldfläche den Mutterboden zu sichern, wurde immer zugepflügt, die Scholle kippte immer zur Feldmitte.

Im Laufe der Zeit konnte eine Wölbung in der Fläche von bis zu 70 Zentimetern entstehen

Auf diese Weise war zwar dafür gesorgt, dass überschüssiges Regenwasser abfloss.

Bei Gefälle im Gelände bestand bei Starkregen die Gefahr, dass zwischen benachbarten Feldern eine aufkommende Wasserströmung immer auch Mutterboden wegriss."

 

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[1] BALLER 2020, S. 111.

[2] STEPHAN 2010, S. 111-115 Abb. 45.