Der Zweite Weltkrieg (1939-1945)

Klaus A.E. Weber

 

Wehrmacht und Waffen-SS

Teilnahme am Zweiten Weltkrieg (1939-1945)

∎ Das "Im Namen des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht" am 01. Dezember 1942 verliehene „Kriegs=Verdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern“ erinnert als Kriegsauszeichnung an die frühe Beteiligung des Hellentaler Bürgers Friedrich Hempel als Gefreiter am Zweiten Weltkrieg.

∎ Die am 15. August 1942 im selben Namen von einem Oberfeldarzt und Chefarzt an den gleichen Hellentaler Bürger, nunmehr Obergefreiter, verliehene "Medaille Winterschlacht im Osten 1941/42 (Ostmedaille)" erfolgte als „Anerkennung für Bewährung im Kampf gegen den bolschewistischen Feind und den russischen Winter 1941/1942“, bei dem Soldaten der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS im Zeitraum vom 15. November 1941 bis zum 15. April 1942 an der Ostfront eingesetzt waren (Winterschlacht im Osten 1941/42/Ostmedaille).

 

Friedrich Hempel wurde am 14. August das "Eiserne Kreuz 2. Klasse" verliehen.

 

In einem russischen Lager-Lazarett an "Lungenentzündung"

am 05. Dezember 1944 verstorben

© Historisches Museum Hellental

 

Eingemeißelt im so genannten Hellentaler Ehrenmal sind 30 gefallene und vermisste Soldaten aufgelistet - 10 Soldaten mehr als während des Ersten Weltkriegs (1914-1918).

 

Schlussphase des Zweiten Weltkriegs

 

1944

 

Januar - Flugzeugabsturz im Solling

Im Weserbergland herrschte um 1944 ein Luftkrieg.

Infolge des heftigen Beschusses stürzt am 11. Januar 1944 ein Bomber vom Typ Boeing B-17G Flying Fortress der United States Army Air Forces in der Forstabteilung 29a der Revierförsterei Merxhausen ab und explodierte beim Aufprall um 11:29 Uhr.[1]

Von der Flugzeugbesatzung der 351. Bomber Group kamen zwei Personen zu Tode, acht Personen überlebten den Absturz.[2]

 

∎ Fragment eines US-amerikanischen Bombers

Verformtes Fragment einer eingebauten Panzerschutz-Platte des im Januar 1944 im Solling abgestürzten und explodierten US-amerikanischen Bombers

 

Todesmärsche

Die West-Alliierten landen in der Normandie und rücken vor.

Die Konzentrations- und Vernichtungslager des NS-Regimes werden aus militärisch-industriellem Interesse geräumt.

Es beginnen die tage- und wochenlang dauernden Todesmärsche von KZ-Häftlingen.

 

1945

 

Flucht in das versteckt liegende Hellental

Hannelore Siebers war 12 Jahre alt als das Stadtgebiet von Holzminden am 03. April 1945 durch mehrere anglo-amerikanische Flugangriffe nachmittags und frühabends bombardiert wurde.

Verwandte und Bekannte aus der Kreisstadt kamen samt Gepäck per Kleinlaster von Holzminden durch den Sollingwald in das versteckt liegende Hellental.

Der kleine Haushalt der Eltern von Hannelore Siebers wies daraufhin im Wohnhaus Ass.-№ 49 ungefähr 30 Personen auf.

Vom wesernahen Getreidespeicher in Holzminden war dort gelagerter Zucker nach der Bäckerei des Bäckermeisters Theodor Kempe transportiert worden und sollte anfangs April 1945 unter den geflüchteten Holzmindenern verteilt werden.

Die Leute standen bis auf dem Dorfplatz Schlange, um ihre Zuckerration in Empfang zu nehmen.

 

Erster Tieffliegerangriff im März

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sollte am Ostersamstag, 31. März 1945, die 25-jährige Hermine Engelbrecht im oberen Hellental beim Petersilienplacken auf einer höher im Wald gelegenen Wiese für ihren Vater Carl Engelbrecht Dünger streuen.

Er hatte die Düngesäcke mit seinem Kuhgespann dorthin gebracht und am Petersilienplacken deponiert.

Dann kamen US-amerikanische Jagdflugzeuge und schossen mit dem Bordmaschinengewehr auf die verteilten Düngesäcke - wohl in der irrigen Annahme, dass es sich dabei um deutsche Soldaten handeln würde.

Hermine Engelbrecht ist um Leib und Leben fürchtend weggerannt und versteckte sich unversehrt in dem abgelegenen Sollingtal.

 

Patronenhülsen

Zwei im oberen Hellental aufgefundene Patronenhülsen können als mögliche „stumme Zeugen“ dieses Tieffliegerangriffs im dortigen Areal interpretiert werden.

 

Zweiter Tieffliegerangriff im April

Die dreijährige Bärbel Kunkel spielte in einem auffällig roten, selbstgestrickten Kleidchen auf dem Dorfplatz unterhalb des alten Dorfteiches als plötzlich ein anglo-amerikanisches Jagdflugzeug aus dem langgestreckten Sollingtal anfliegend auf das kleine Mädchen mit dem Bordmaschinengewehr schoss.

Da die Maschinengewehrschüsse des Tieffliegers ihr Ziel verfehlten, blieb das heftig erschrockene Kind unverletzt.

 

Ende des Zweiten Weltkrieges

 

Geborgte „Zivilsachen“

Wie desertierte deutsche Soldaten, so kamen auch verwundete Soldaten aus dem Holzmindener Lazarett nach Hellental.

Sie alle borgten sich Zivilkleidung von der Hellentaler Bevölkerung.

Wie dann um Hellental herum der Belagerungskessel im Mai 1945 geschlossen war, endete auch das maßlose menschliche Elend des Zweiten Weltkrieges  und die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur.

 

Entdeckung des Sollingdorfes in der Englischen Zone

Erst acht Tage nach Kriegsende wurde das entlegene Waldarbeiterdorf entdeckt, da zuvor der Wegweiser in Merxhausen entfernt worden war.

Hellental wurde dann Tag und Nacht auch mit Panzern bewacht, da die anglo-amerikanische „Besatzung“ gedacht haben soll, dass hier der „Werwolf“ ansässig sei - weil jemand im Dorf in seiner deutschen Militär-Uniformjacke als hinzu gekommener Soldat Holz gehackt habe.

Geflohen, da er verfolgt wurde, sei er nie wieder gesehen worden.

 

Wilddiebe in Hellental

Im umgebenden Sollingforst („Mackensches Holz“) lagen zahlreich weggeworfene Waffen umher.

Dadurch waren im Dorf Hellental einige Wilddiebe zugegen, die sich der Schusswaffen bedienten.

In der „Englischen Besatzungszone“ gelegen, mussten später alle Waffen an die englischen Streitkräfte abgegeben werden.

 

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[1] CREYD 2007, S. 445: Flugzeugabsturz am 11. Januar 1944 │ Typ: B-17 G (Boeing Fortress) │ Kennnummer: 42-3523 / MACR (Missing Air Crew Report) 1940 │ Einheit: 351. BG (Bomber Group) / 519 Sqdn. (Sqadron) │ Ziel: Oschersleben │ Absturzort: Solling/“Steinlade“ in der Revierförsterei Merxhausen, 500 m südöstlich der Siedlung Pilgrim │ Das Flugzeug explodierte beim Aufprall um 11:29 Uhr. │ 2 Tote / 8 Überlebende.

[2] CREYD 2007, S. 176-181.