2000 Jahre Glas im Römischen Reich

Klaus A.E. Weber

 

Über mehrere Jahrhunderte wurden über die Häfen der Levante in großen Mengen Glasprodukte in alle Teile des römischen Weltreichs exportiert.“[7]

Wie es römische Handelsgüter und Handelsrouten nachvollziehen lassen, verbreiteten die Römer bis etwa 300 n. Chr. die Glasmacherkunst im westlichen und mittleren europäischen Raum.

Dabei gab es im Römischen Reich strukturell zwei große Produktionszweige bei der Herstellung und Weiterverarbeitung von Glas.[9]

Primärwerkstätten

östlicher Mittelmeerraum bei geeigneten Rohstoffen und Umweltbedingungen (Levante, Ägypten)

  • Erschmelzen von Rohglas aus Quarzsand, Soda und Kalk in großen Wannenöfen

  • Zerschlagen des Rohglases in handliche Brocken oder Barren

  • Weiterverteilung der Rohglasbrocken, so auch per Schiff in die westlichen Provinzen des Römischen Reiches

Sekundärwerkstätten

archäologischer Nachweis in fast allen Regionen des Römischen Reiches - mit großen, exportorientierten römischen Glaszentren (Rom, Aquileia, Köln) und kleineren Glashütten

  • effizienteres Einschmelzen der Rohglasbrocken in kleineren Öfen

  • Weiterverarbeitung der Glasschmelze zu aufwändigen Gefäßen, einfachem Alltagsgeschirr, Fensterscheiben oder Schmuck

Es wird vermutet, dass nicht nur die Hohlglasproduktion, sondern auch die Kunst der Flachglasherstellung zunächst von orientalischen Handwerkern ausgeübt wurde, die ihre Produktion von Ägypten in die neuen Zentren des Reichs verlagerten.“[2]

 

Römisches Luxusglas │ 100-300 n. Chr.

wahrschinlich aus Norditalien importiert

Rijksmuseum van Oudheden Leiden │ 2023

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

NAGEL [9] führt in einem Übersichtsartikel aus, dass ein Blick in Werkstätten, Wohnhäuser, Gräber und Depotfunde der Römischen Kaiserzeit und Spätantike zeige, wie bereits in der römischen Welt erstaunlich nachhaltig mit Hohl- und Flachglas umgegangen wurde, wie archäologische Funde und Untersuchungsergebnisse verdeutlichen.

In Verbindung mit regionalen und zeitlichen Versorgungsproblemen erfolgte bei fehlendem Nachschub an Rohglas ein flexibles Glasrecycling (Wiedereinschmelzen von Glasbruch, Reparaturen von Glasgefäßen, Neuverwendung).

 

Römische Gläser mit einem Dylekythos │ Syrien │ 4. Jahrhundert n. Chr.

Rijksmuseum van Oudheden Leiden │ 2023

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Nuppenbecher

Köln │ 4. Jahrhundert n. Chr.

Römerkastell Saalburg│Saalburgmuseum

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Auf die Ausstellung "Römische Glaskunst und Wandmalerei" des Landesmuseums Mainz vom 12. Dezember 1999 - 20. Februar 2000 wird verwiesen; insbesondere auf den hierzu 1999 in Mainz erschienenen, 160-seitigen Ausstellungskatalog.[7]

Das Landesmuseum Mainz, eines der ältesten Museen in Deutschland, besitzt eine der größten und bedeutendsten Sammlungen römischer Gläser im deutschsprachigen Raum: "Schätze aus der Römersammlung".

 

Überfangglas │ Kameoglas

  • Blau-weiße Portland-Vase – um 1-25 n. Chr. [6]

 

Römische Balsamarien │ Parfümfläschchen

Rijksmuseum van Oudheden Leiden

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Flakons │ Balsamarien │ Parfümfläschchen

2. Jahrhundert - 9. Jahrhundert

In der Antike zählten Kosmetika und Parfum zur Grundausstattung von Frauen.

  • Balsamarien │ Parfümfläschchen - Haltern, 3./4.-9. Jahrhundert n. Chr.
  • Kleiner Kosmetik-Flakon mit gerippter Wand, hellblaues Glas - Phönizien, 2.-3. Jahrhundert n. Chr. [41]

 

Römische Balsamarien │ Parfümfläschchen

3./4. - 9. Jahrhundert n. Chr.

LWL-Römermuseum Haltern

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Glasbehältnisse: Salböle, Duftstoffe, Kosmetika

Colonia Augusta Raurica │ Basel Landschaft

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

"Der bescheuerte Mosaizist von Augusta Raurica" [3]

Wie ein anonymer Künstler im 3. Jahrhundert n. Chr. mit seiner «Reparatur» ein repräsentatives Mosaik einer Villa in Augusta Raurica ruinierte.

 

Glasperlen

 

Halskette und Armband

Glas und Bernstein │ 350-400 n. Chr.

Colonia Augusta Raurica │ Basel Landschaft

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Römische Glasperlen │  1.-2. Jahrhundert n. Chr.

Farbglas │ Spielsteine

Römerkastell Saalburg │ Obergermanisch-Raetischer Limes

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Glasschmuck: Glasperlen

Römischer Gutshof (Villa rustica) │ 2.-3. Jahrhundert n. Chr.

Museum Roemervilla │ Bad Neuenahr-Ahrweiler Silberberg

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Glassteine

 

Glassteine eines römischen Brettspiels

um 300 - frühes 4. Jahrhundert n. Chr.

Kunsthistorisches Museum Wien

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Medaillons

  • Blaue Glasscheibe (Medaillon) mit dem Porträt des Gennadios - Alexandria, um 250-300 n. Chr. [4] 

 

Goldglas

Sandwich-Technik mit Blattgold und Glas

  • Schalenboden (Fragment) mit Christus, den Heiligen Petrus und Paulus die Märtyrerkrone überreichend - Rom, um 350 n. Chr. [5]

 

Kaiser Augustus und seine Gemahlin Livia │ 4-5 n. Chr.

Glas, hell türkisfarbenmit Goldfolie überzogen

Kunsthistorisches Museum Wien

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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[1] CAMPBELL 2018, S. 8-9.

[2] PARELLO 2022, S. 360.

[3] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 31. Januar 2022 von Laurent Flutsch, Archäologe und Direktor des Römermuseums Lausanne-Vidy.

[4] CAMPBELL 2018, S. 238.

[5] CAMPBELL 2018, S. 270-271.

[6] CAMPBELL 2018, S. 166-167.

[7] RICKE 2024, S. 18.

[8] BALDAMUS/SCHWABE 1909, S. 9.

[9] NAGEL 2026.