Zum Glasofenbau

Klaus A.E. Weber

 

Die in detaillierten Holzschnittem um 1556 bei Georgius Agricola und Antonio Neri dargestellte Dreiofenanlage in Form des bekannten bienenkorbförmigen Kuppelofens ist ein dreiräumiger, vertikaler Schmelzofen mit übereinander angeordneter Feuerungskammer, Schmelzkammer und Kühlkammer.

Diese im Mittelmeerraum bzw. bei venezianischen Glashütten übliche horizontale Kuppelofenkonstruktion entspricht jedoch nicht jenen Werkofenanlagen in der mitteleuropäischen Tradition der Waldglashütten, wie auch die archäologische Forschungsergebnisse belegen.[3][4]

 

Schematische Rekonstruktion eines spätmittelalterlichen Glasschmelzofens

in Südwestdeutschland [4]

 

Biografische Ausführungen von Georgius Agricola legen nahe, dass er sein Wissen um die Glasherstellung maßgeblich in Venedig (Murano) erwarb, wo er zu Beginn des 16. Jahrhunderts zwei Jahre lang lebte.

Agricola besuchte das Haus des 1483 in Venedig geborenen Humanisten und Dichters Andrea Navagero (lateinisch Andreas Naugerius; † 1529), der auch Gärten in Murano besaß.

Dabei begegnete er auch dem venezianischen Drucker Francicus Asulanus († 1546).

 

Mittelalterliche Waldglashütte im Hellental

Dasseler Mittelberg │ Mai 2010

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Sandsteine zum Glasofenbau

Wie zahlreich vorgefundene, mehr oder minder intensiv feuergerötete Sandsteinfragmente an den Betriebsstätten der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Glashütten im Umfeld des Hellentals nahelegen, bestand ehemals das Mauerwerk der Glasofenanlagen aus örtlich anstehendem Buntsandstein (Sollingsandstein).

So ist nach REDDERSEN anlässlich des „Steinbrechens am Dasselschen Mittelberge“ im Jahr 1744 ausgeführt worden, dass dies dem Glasmeister Ruhländer gestatten worden sei, „welcher die bei dem Silberborn am Moosberge errichtete Königliche Glashütte in Pacht hatte“.[1]

1744 wird  neben dem Steinbrüch „Am Dasseler Mittelberg“ auch ein Steinbruch „An der Appelshütte“ als „in Betrieb" erwähnt.[2]

 

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[1] REDDERSEN 1934, S. 113.

[2] REDDERSEN 1934, S. 118.

[3] STEPHAN 2021, S. 122 Abb.121.

[4] FROMMER/KOTTMANN 2004, S. 248 Abb. 133.