Glas im Alt- und Neupersischen Reich│Sassaniden│Iran

Klaus A.E. Weber

 

Entwicklung in der persischen Glasgeschichte - mit neuer iranischer Glaskunst

Eine zusammenfassende Übersicht zum Glas der Spätantike und des Islam ist dem Aufsatz mit dem Titel „Kontinuität im Umbruch“ von RICKE [11] zu entnehmen.

Hieraus eine Anmerkung von RICKE [12]:

Die Geschichte des Vorderen Orients im Herrschaftsbereich der Parther  und der diesen seit 226 n. Chr. nachfolgenden Perser unter der Dynastie der Sassaniden ist noch wenig erforscht, da die Quellenlage für die Region um das Zweistromland. Armenien, den Kaukasus und den heutigen Iran große Lücken aufweist.“

 

Schale mit Spitzblattrosette

Achämenidisches Reich │ Persien [3] │ 420-380 v. Chr.

Glasmuseum Hentrich im Kunstpalast, Düsseldorf

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Altpersisches Großreich der Achämeniden

6.-4. Jh. v. Chr.

Bereits während des altpersischen Großreiches der Achämeniden (Achämenidenreich) - 6.-4. Jh. v. Chr. - wurde in Glaswerkstätten Glas technisch bearbeitet.[2][5]

So zählen Trinkgefäße, wie der reich geschliffene Lotusbecher, zu den bedeutendsten Glaserzeugnissen der achämenidischen Zeit in Persien (5./4. Jh. v. Chr.).

In Folge des Niedergangs der Macht des Römischen Reiches im Westen (476/480) und des Übergangs zum Byzantinischen Reich im Osten (frühes 7. Jahrhundert) verlagerte sich das Zentrum der Glasherstellung wieder nach Osten - in den Vorderen Orient.

 

Napf │ Naher Osten, Iran oder Irak

7./8. Jahrhundert n. Chr.

Glasmuseum Hentrich im Kunstpalast, Düsseldorf [8]

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Neupersisches Großreich der Sas(s)aniden

226- 651 n. Chr.

Einst im Imperium Romanum durch lebhafte Handelsbeziehungen bzw. Importe (auch römische Glaswaren) geprägt, entwickeln auf der Grundlage antiker Glastechniken in den ehemaligen römischen Provinzen die Reiche der Parther und der neupersischen Sassaniden schrittweise neue Gefäßformen - in der Frühphase zunächst noch vom römischen Glas geprägt.[1][2]

Mittels der aufgenommenen römischen Bearbeitungsverfahren und in Verbindung mit der ohnehin seit alters her in Mesopotamien konzentrierten glastechnischen Kenntnissen, kam es in dem Zweistromland "zu einer bemerkenswerten Blüte der Glaskunst".[7]

Dabei entstanden in den Hofwerkstätten der Machtzentren des Reichs der Sassaniden (Seleukia-Ktesiphon - Doppelmetropole als Hauptresidenz der Könige) neben hochwertigen, aufwändig gearbeiteten höfischen Luxusgläsern gerade auch farbige und fast farblose Gebrauchsgläser mit innovativen Zierformen.

Hierzu zählen einfache Schalen und Näpfe mit kräftig ausgebildetem Reliefdekor (Dornscheibendekors, "Reliefgestaltungen mit getreideähnlichen Motiven"), an östliche Metallarbeiten erinnernd.[7]

 

Flasche │ Flakon mit Schichtaugendekor

Iran │ 7.-9. Jahrhundert n. Chr.

Glasmuseum Wertheim

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Technisch gibt es zwei Arten von Glasgefäßen der Sassaniden:[2]

  • dickwandige Gefäße mit Schliffdekor (Trinkschalen, Becher, Flaschen)

  • dünnwandige in Form geblasene Gefäße

Dieser glaskulturelle Prozess wurde nicht durch die Eroberung des Nahen Ostens durch Heere muslimischer Araber um die Mitte des 7. Jahrhunderts (651 n. Chr.) unterbrochen, die es geschickt verstanden, sich die vorgefundenen Kunstfertigkeiten anzueignen und die höfische sassanidische Kultur nachzuahmen.[1]

 

Kanne │ Nordwest-Iran │ Amlash-Gebiet

4.-9. Jahrhundert n. Chr.

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Kannen mit birnenförmigem Körper │ blaues Glas

Iran │ um 1700 - um 1900

Rjiksmuseum Amsterdam

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Vom 8. Jahrhundert bis zum 10. Jahrhundert besteht eine fast fortlaufende Enwicklung in der Geschichte des persischen Glases.[2]

In den islamischen Reichen des Nahen Ostens entwickelt sich dann im frühen und hohen Mittelalter eine hochstehende wie auch recht einheitliche Glaskultur.[1][2]

 

Schalen │ Iran │ 1175-1225 n. Chr.

Quarz-Paste, perforiert │ Kobaltbemalung │ glasiert mit Quarz- und Glaspulver

Iranische Imitation von importiertem, feinem durchscheinenden chinesischen Porzellan

Rjiksmuseum Amsterdam

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Kannen

Naher Osten, vermutl. Iran │ 10.-12. Jahrhundert │ 7.-9. Jahrhundert [4]

Glasmuseum Hentrich im Kunstpalast Düsseldorf

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Blaue Flasche │ Nischapur (Neyschabur)?

Iran │ 9.-10. Jahrhundert [6]

Glasmuseum Hentrich im Kunstpalast Düsseldorf

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Flaschen mit abgeflachtem, kugelförmigem Körper │ Grünglas

Iran │ um 1700 - um 1900

Rjiksmuseum Amsterdam

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die islamische Glaskunst des Mittelalters zeigt in Persien eine späte Nachblüte.[1]

 

Geschwungene Sprengler │ "swan-necked" bottles │ blaues Glas

Iran │ 18.-19. Jahrhundert

Rjiksmuseum Amsterdam

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Blaue Flasche mit Wabendekor

Iran (vermutl.) │ 901 n. Chr. - 1100

Glasmuseum Hentrich im Kunstpalast Düsseldorf

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Glasperlenketten des späten 6.-7. Jahrhundert

 

Glasperlen │ Frauenschmuck

Sassaniden │ Iran

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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[1] Dauerausstellung Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast.

[2] SCHLOSSER 1977, S. 53-66.

[3] RICKE 1995, S. 18 (5).

[4] RICKE 1995, S. S. 42 (57), 49 (77).

[5] RICKE 1995, S. 16.

[6] RICKE 1995, S. 44 (64).

[7] RICKE 1995, S. 36-38.

[8] RICKE 1995, S. 37 (48).

[9] RICKE 1995, S. 48 (74).

[11] RICKE 2024, S. 18-28.

[12] RICKE 2024, S. 20.