Hohlglas im frühen 17. Jahrhundert

Klaus A.E. Weber

 

Bei einner kritischen Betrachtung des vorliegenden renaissancezeitlichen Hohlglases - zumeist kleinteiliger Glasbruch - ist darauf hinzuweisen, dass eine unbefriedigende Forschungssituation besteht, da bislang keine archäologisch-wissenschaftliche Grabung an den beiden frühneuzeitlichen Hüttenstandorten vorgenommen wurde.

Es kann daher nicht auf ein umfangreiches gläsernes Fundgut durch Grabungen zurückgegriffen werden, sondern nur auf Ergebnisse wiederholter Prospektionen und insbesondere auf erste Untersuchungen des oberflächennah geborgenen Fundmaterials aus einer Abraumhalde der Waldglashütte "Oberes Hellental".

Auch das glashistorische Originalschriftgut aus Archiven ist bisher nicht ausreichend erschlossen.

 

Hohlglasfragmente

Trotz der kritischen Vorbemerkungen ist festzuhalten, dass als zeittypisch für regionale Waldglashütten der Spätrenaissance für die Hüttenstandorte "Oberes Hellental" und "Am Lummenborn" die Hauptkategorien Hohl- und Flachglas hinreichend belegbar sind.

Zum einen sind Hohlglasgruppen unterschiedlicher Formen, Verzierungen und Farbgebungen nachzuweisen, zum anderen Fenster- und Butzenscheiben.

So sind insbesondere mehrkantige Stangengläser (Achtkantstangengläser) an den beiden frühneuzeitlichen Hüttenstandorten im Hellental fassbar.

Denn für „etwa ein Jahrhundert gehörten mehrkantige Stangengläser nunmehr zur Standardproduktion der Glasmacher im Solling“.[4]

Vornehmlich dürfte bei den Hohlgefäßen regionales Holzasche-Kalk-Glas der Renaissance verwendet worden sein.

Das Fundmaterial wurde der archäologischen Glas-Sammlung des Historischen Museums Hellental zugeführt.

 

Formenabgleich

Für die Hohlglasfragmente aus dem frühen 17. Jahrhundert bedarf es noch der differenzierten Aufarbeitung und detaillierten Zuordnung im renaissancezeitlichen regionalen Formenvergleich.

So bietet sich ein Formenabgleich der bei STEPHAN [3] aufgezeigten Glastypen der zeitgenössischen Weinglashütte Wieda (1607-1623) ) [5] in der Glasmachersiedlung Westerwieda am Südharz unweit des Zisterzienersklosters Walkenried an, wie auch mit dem Hohlglasspektrum von Glashütten im Hils um 1600-1680.

 



Wandungs- und Fußfragmente von Glastypen der Weinglashütte Wieda (1607-1623)

Glas- und Hüttenmuseum Wieda, Abteilung Glashüttenwesen │ Juni 2022

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

 

Typentafel zum Peoduktspektrum (Stand 1994) von Waldglashütten im Hils um 1600-1680

gegliedert nach sechs Hohlglasgruppen

LEIBER [1] │ STEPHAN [2]

 

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[1] LEIBER 1994a, S. 31 Abb. 12.

[2] STEPHAN 2022, S. 81 Abb. 86.

[3] STEPHAN 2021, S. 85 Abb. 90, 86 Abb. 92, 138-139 Abb 132.

[4] STEPHAN 2022, S. 128.

[5] Glas- und Hüttenmuseum Wieda, Abteilung Glashüttenwesen.