GLAS - schaffen│formen│gestalten

Klaus A.E. Weber

 

Glas trägt zu 11 globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen bei

... und ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken.

 

GLAS, GLAS

Was ist das?

Es ist und ist nicht,

Es ist Licht und kein Licht,

Es ist Luft und nicht Luft,

Es ist duftloser Duft.

Und doch ist es hart,

Ungesehen von der Gegenwart

Dem gefangenen Vogel, der es nicht sieht

Und den es in Weite zieht.

Ein Lied mochte ich dichten vom Glas,

Einen Hymnus ersinnen

Im Geiste tief innen vom trockenen Nass.

Glas, Glas

Was ist das?

Es glänzt wie Wasser und ist nicht nass.

Gieß Wasser in ein gläsernes Glas

Klar und rein:

Es wird Glas im Glase sein.

Und ist es Wein,

Dann ist das gläserne Glas voll Farbe und Duft,

Und selber das Glas, ist nichts oder Luft:

Eine Form aus Luft, eine Form aus Nichts,

Ein leeres, leuchtendes Kind des Lichts.

Wo bist du Glas? Ich sehe dich nicht,

Nur der Strahl, der sich in dir bricht.

Du bist vielleicht nur ein Gleichnis vom Geist,

Ein Spiegel von Bildern und Strahlen gespeist.

Geist hat weder Zeit noch Ort

Und ist trotzdem aller Horte Hort.

 

Gerhart Hauptmann (1858-1921)

 

Glas ist schön,

und es ist gefährlich.

Glas ist ein technologisches Problem,

und das ist auch gefährlich.

 

Jan Fišar (1933-2010) [1]

 

"Erstarrte Flüssigkeit"

Erzeugt durch handwerklich kunstvolles Spiel mit Feuer, Sand und Asche

Der Begriff „ Glas“ (lat. vitrum) wird heute sowohl für den universellen Werk- und Wertstoff selbst als auch für die hieraus hergestellten Trinkgefäße gebraucht.

  • Prähistorische Glasobjekte (mesopotamische, ägyptische, ägäische Gläser) erwiesen sich in der chemischen Analyse zumeist als Alkali-Kalk-Silikat-Gläser.
  • Europäische prähistorische, römische und mittelalterliche Gläser lassen sich anhand der prozentualen Anteile von Natrium (Na), Kalium (K) und Magnesium (Mg) in verschiedene Gruppen von Alkali-Kalk-Gläsern differenzieren.

 

Frühmittelalterlicher Sturzbecher aus Glas │ Basel-Bernerring

2. Hälfte 6. Jahrhundert [9]

Historisches Museum Basel in der Barfüsserkirche

Kuppa eines Filigranglases "à la façon de Venise"

Focke-Museum │ Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

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Silberkammer - Hofburg Wien │ Juni 2019

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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Titurelpokal und Gralsschale aus der Parcivalserie │ 1889

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast, Düsseldorf

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Mundgeblasenes Hohl- und Flachglas

Immaterielles Kulturerbe - Wissen. Können. Weitergeben.

Das Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission hat die „Manuelle Glasfertigung“ im Jahr 2015 als Immaterielles Kulturerbe auf nationaler Ebene bewertet.

Somit wurde die manuelle Fertigung von mundgeblasenem Hohlglas und Flachglas in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen:

„Für die Techniken der manuellen Hohl- und Flachglasfertigung sind komplexes Wissen und ein fundierter Erfahrungsschatz nötig. Die basale Handfertigkeit eines Glasmachers setzt eine mehrere Jahre dauernde ständige Übung und Erprobung voraus – Perfektion bildet sich im günstigen Fall nach zehn Jahren aus.“

 


Römische Glasurne 1. Jh. n. Chr.

Historisches Museum Basel Barfüsserkirche

Stengelgläser um 1900

Sonderausstellung [8] Landesmuseum Mainz

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Glasdidgerridoo

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Polychrome volkstümliche Emailbemalung

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Antike Verwendung und moderne industrielle Nutzung des Materials Glas [10]

Gustav Edmund Pazaurek: Kunstgläser der Gegenwart. Monographien des Kunstgewerbes Bd. 19/20. Leipzig 1925.

  • Verpackung für Flüssigkeiten und empfindliche Stoffe - als Behältnisse für Salböle, Medikamente, Duftstoffe, Parfüm, Kosmetika bzw. kostbare Essenzen

  • Speise- und Trinkgeschirr │ Tischgeschirr

  • Fensterglas

  • Nippes und Spielzeug

  • Isoliermaterial
  • Heizelement
  • Datenübertragung

 

Glas in der Mikroskopie

Trichinen-Mikroskop um 1899

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

  • Brilllengläser werden ab ca. 1250, einfache Mikroskope und Fernrohre ab 1600 hergestellt.
  • Joseph Fraunhofer (1787–1826) versucht in Benediktbeuern, die Glasschmelze unter wissenschaftliche Kontrolle zu bringen und verbesserte Mikroskope, Fernrohre und Vermessungsgeräte.
  • In Jena gründete Carl Zeiss (1816-1888) 1846 eine optische Werkstätte und stellt ab 1866 gemeinsam mit Ernst Abbe (1840-1905) den Bau von optischen Instrumenten auf eine wissenschaftliche Grundlage.
  • 1884 wurde das Glastechnische Laboratorium gegründet, der späteren Jenaer Glaswerke & Gen., durch Otto Schott, Ernst Abbe, Carl Zeiss und Roderich Zeiss in Jena.

  • 1886 wurde das zehntausendste Mikroskop hergestellt, das Robert Koch (1843-1910) zum Geschenk gemacht wurde.

 

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[1] Tschechischer Bildhauer Jan Fišar (1933-2010). Zitat aus dem Dokumentarfilm "Das andere Glas aus Böhmen" von Jiři Havrda, 1995.

[8] Sonderausstellung des Landesmuiseums Mainz vom 13. Mai 2018 bis 28. April 2019: Ausgetrunken! Trinkgefäße von der Steinzeit bis zum Jugendstil.

[9] ARCHÄOLOGISCHE BODENFORSCHUNG BASEL-STADT / HISTORISCHES MUSEUM BASEL 2008, S. 376, Abb. S. 272-273.

[10] TRIER/NAUMANN-STECKNER 2016, S. 41.