Geschichte des Museums

Klaus A.E. Weber

 

Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Sammlung

In mehreren Etappen entstanden die Museumsidee, das heutige Regionalmuseum und seine Sammlung, gespeist von der Frage nach dem historischen Entstehungsprozess des abgelegenen neuzeitlichen Arbeiterdorfes im ehemals braunschweigisch-wolfenbüttelschen Waldgebiet des Mittelgebirges Solling.

 

Auch das Museum hat seine Geschichte

Die Entstehung und Entwicklung des HISTORISCHEN MUSEUMS HELLENTALS mit seiner Sammlungsgeschichte wird im Folgenden nachgezeichnet.

Dabei werden Besonderheiten herausgearbeitet.

Zur lokalhistorischen Spurensuche und als regionalgeschichtlicher Knotenpunkt wurde der Heimat- und Geschichtsverein für Heinade-Hellental-Merxhausen e.V. im Mai 2002 in der Mitgliedsgemeinde Heinade der Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf im südniedersächsischen Landkreis Holzminden gegründet – also in einem Raum mit mäßiger kultureller Ausstrahlung.

Mit der Gründung des Heimat- und Geschichtsvereins war auf Initiative des vom Rat der Gemeinde Heinade am 07. Dezember 2005 ernannten ehrenamtlichen Ortsheimatpflegers für Hellental (Dr. Klaus A.E. Weber) auch die systematische Entwicklung eines kleinen Dorfmuseums für den Sollingort Hellental ins Auge gefasst worden.

Hierdurch sollte die hervorgehobene glasgeschichtliche Bedeutung des abgelegenen „Alten Tals der Glasmacher“ im Nordsolling wie auch die besondere Geschichte des vorindustriellen Glasmacherortes und der späteren Arbeitersiedlung Hellental dauerhaft und öffentlich zugänglich präsentiert werden.

Nach anfänglichen musealen Improvisationen ebnete nach einem teils recht kontrovers geführten Abstimmungsprozess schließlich ein Beschluss des Rates der Gemeinde Heinade den Weg zur Etablierung eines Museums in der gemeindeeigenen Immobile des alten Hellentaler Gemeindebackhauses, einem marode gewordenen Fachwerkgebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Die Gemeindebürgermeister Heinrich Schoppe (Heinade) und Gerhard Ross (Hellental) begleiteten in den Folgejahren die Museumsentwicklung wohlwollend, aber kommunaltypisch vornehmlich unter haushälterischen Gesichtspunkten.

Seit dem 30. Januar 2009 ist Dr. Klaus A.E. Weber zugleich auch Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins für Heinade-Hellental-Merxhausen e.V. und heute Leiter des HISTORISCHEN MUSEUMS HELLENTAL.

 

2003

Auflösung des ehemaligen "Wald- und Lönsmuseums"

In Hellental bestand in der Sollingstraße bis zum Jahr 2003 in einer einfachen Holzbaracke das regional bekannte. private „Wald- und Lönsmuseum” von Willi Leßmann (1920-1991) - mit Sammlungsbeständen zur Mineralogie, Pflanzen- und Tierwelt (u. a. Orchideenfotografien), zu Hermann Löns (Buchbestand) und zum Dritten Reich (mit politisch bedenklichem Bestand!).[1]

Die Holzbaracke war seit dem Tode von Willi Leßmann im Jahr 1991 zusehends „verwaist” und durch wiederholte Bau- und Wasserschäden völlig unbrauchbar geworden.

Es wurde schließlich im Herbst 2003 von der Gemeinde Heinade in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Hellental des Heimat- und Geschichtsvereins für Heinade-Hellental-Merxhausen e.V. aufgelöst und das Holzgebäude vollständig abgetragen und das Baumaterial entsorgt.

Alle Sammlungsgegenstände waren zumeist ohne nachvollziehbaren Kontext bei unvollständiger, nicht dokumentierter Kenntnislage (ohne Erfassung und Beschriftung); die Provenienz der meisten Objekte blieb ohne Benennung der Fundorte und Fundzusammenhänge unklar.

Es fanden sich weitgehend irreparabel beschädigte Holz- und Tierobjekte sowie Bestandsreste ohne Aussagewert.

Eine Dokumentation bzw. Inventarisation war nicht nachweisbar.

Insgesamt befanden sich die Sammlungsobjekte in einem heruntergekommen Erhaltungszustand, so dass letztlich nur wenige Sammlungsgegenstände übernommen, andere entsorgt werden konnten.

Die vermutlich in den Jahren um 1960-1980 entstandene fotografische Sammlung mit zahlreichen, im Format unterschiedlichen Farbfotografien blühender Orchideen wurde mangels räumlicher Zuordnung und wegen des schlechten Erhaltungszustandes im Juli 2023 entsorgt, da viele der mit Kunststofffolie überzogenen, teils unscharfen Fotografien abgeblasst und nicht mehr zur Bewahrung als Museumsgut geeignet waren (s. Deakzession von Sammlungsgütern).

Nur eine Entsorgung von Sammlungsgegenständen kam in Betracht, da kein Museum oder keine andere geeignete Institution zur Übernahme bereit, ein Verkauf oder eine Schenkung an Einzelpersonen nicht möglich und die Entsorgung aus Gründen des Sammlungskonzeptes geboten war.

 

2007-2008

Restaurierung des alten Hellentaler Gemeinde-Backhauses

Im Gegensatz zu anderen Regionen, in denen zu jedem historischen Bauernhof als Nebengebäude auch ein Backhaus gehörte, wurde im Weserdistrikt (heute etwa Landkreis Holzminden) des ehemaligen Herzogtums Braunschweig ab 1744 die Errichtung zentraler Dorfbackhäuser verpflichtend.

Um ein solches Dorfbackhaus handelt es sich in Hellental, errichtet in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Projekt der Kreisvolkshochschule Holzminden

Auf Anregung des Ortsheimatpflegers Hellental verwirklichte die Kreisvolkshochschule Holzminden als erfolgreicher Träger von Qualifizierung- und Beschäftigungsprojekten für arbeitslose Jugendliche und Erwachsene im Zeitraum von 2007 bis 2008 die Teilrestaurierung des alten Hellentaler Gemeinde-Backhauses, das noch bis 2006 bewohnt war.

Das Projekt beinhaltete die Qualifizierung und Betreuung der Teilnehmenden mit dem Ziel der Eingliederung in das Berufsleben.

Ziel dieses Projektes war es, die berufliche Qualifizierung junger Menschen mit der Förderung der dörflichen Infrastruktur von Hellental zu verbinden.

Im Rahmen des Projektes wurden verschiedene Einzelmaßnahmen verwirklicht.

Neben der Sicherung der alten Bausubstanz des Fachwerkhauses erfolgten ein nutzungsgerechter Umbau des Gesamtgebäudes sowie die Instandsetzung des wieder aufgefundenen Steinbackofens.

Nach Fertigstellung der Baumaßnahmen entstand unter der Leitung des Hellentaler Ortsheimatpflegers und Mitwirkung der örtlichen Arbeitsgruppe des Heimat- und Geschichtsverein Heinade-Hellental-Merxhausen e.V. ein Ausstellungsgebäude für die besondere Glas- und Backhausgeschichte des Hellentals, das „Museum im Backhaus | Hellental“ mit angeschlossenem Backofen nach historischem Vorbild.

Das Projekt der Kreisvolkshochschule wurde aus Mitteln der Europäischen Union, des Landkreises Holzminden, der Gemeinde Heinade, der Agentur für Arbeit und der Arbeitsgemeinschaft zur Arbeitsvermittlung Holzminden finanziert.

 

2011-2012

Kulturnetzwerk Solling

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie „Kulturnetzwerk Solling” in den Jahren 2011-2012 des Sollingvereins Uslar und des Solling(haupt)vereins Neuhaus war eine orientierende Museumsberatung auch für das „Museum im Backhaus | Hellental“ durch die freiberufliche Museumsberaterin Dr. Beate Bollmann, Oldenburg, erfolgt.

Daraufhin wurde die Dauerausstellung des Museums grundlegend überarbeitet und durch eine veränderte Schwerpunktsetzung ab dem Jahr 2012 neu gestaltet.

Letztlich scheiterten die weitere Entwicklung und der Aufbau des Kulturnetzwerkes Solling aus politischen und persönlichen Gründen.

 

2016

Gemeinde 5.0

Der regionale Exkursionstag am 09. August 2016 der Allianz Ländlicher Raum[1] führte zu einem Besuch des »MUSEUMS IM BACKHAUS │ Glas & Brot im Solling«.[2]

 

Seit Oktober 2019

HISTORISCHES MUSEUM HELLENTAL

In Verbindung mit dem Heimat- und Geschichtsverein für Heinade-Hellental-Merxhausen e.V. entstanden, sind seit Oktober 2019 unter dem Dach des HISTORISCHEN MUSEUMS HELLENTAL zwei thematisch eigenständige Museumshäuser mit ihren markanten historischen Fachwerkbauten konzeptionell zusammengeführt - mit jeweils eigenem Profil.

Beide Gebäude sind Baudenkmale und als historische Gebäude in Nachnutzung.

Jeweils besteht ein inhaltlicher Zusammenhang mit der entsprechenden Sammlung.

 

MUSEUM IM BACKHAUS │ Glas & Brot im Solling

Das am Tag des offenen Denkmals® am 14. September 2008 nach längerer Renovierungsphase wieder öffentlich zugänglich gewordene historische Gebäude eines ehemaligen Dorfbackhauses beheimatet das kommunale Museum.

 

SOLLINGHAUS WEBER │ Museum der Alltagskultur

Erstmals öffnete das Museum mit dem historischen agrarisch-handwerklichen Gebäudeensemble seine Pforten zum Tag des offenen Denkmals® am 08. September 2019.

 

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[1] LANDKREIS HOLZMINDEN 1986.

[2] Niedersächsischer Städte- und Gemeindebund, Niedersächsischer Heimatbund, Niedersächsischer Landkreistag und Akademie Ländlicher Raum Niedersachsen.