Klosterkirche St. Marien auf dem Odfeld

Klaus A.E. Weber

 

Die Vorhalle am Nordeingang – das „Paradies“ – wurde im 19. Jahrhundert abgerissen.

Eingang zur Klosterkirche im September 2022

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die Marienkirche und ihre "weißen Mönche"

vernachlässigt - fremd genutzt - zerstört

 

Nordansicht der Klosterkirche St. Marien auf dem Odfeld

Ausschnitt aus dem Kupferstich um 1654 [44]

Lang- und Querhaus mit gotischem und romanischem Teil

 

"Ein Schatz in irdenen Gefäßen" [6]

In rund 870 Jahren von einer Mönchskirche zur Gemeindekirche

Die „wechselvolle Geschichte der Amelungsborner Klosterkirche ist geprägt von Aufbau, Blüte, Zerfall und Neubeginn und wird damit zum Bild auch menschlichen Lebens“.[6]

 

Gottesmutter im gotischen Chor

Alle Zisterzienserkirchen sind Maria geweiht.

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der christozentrische Abt Berhard von Clairvaux förderte "die leidenschaftliche Verehrung der Gottesmutter im Zisterzienserorden", weshalb auch das Kloster Amelungsborn der Jungfrau Maria geweiht wurde - wie alle Zisterzienserkirchen.[22]

 

Klosterkirche S. Marien │ um 1985 [30]

Querschiff und Langhaus von Süden mit der Vierungshaube von 1684

 

Südansicht der Klosterkirche │ "oben ohne" │ im April 2014

seit Dezember 2007 ohne die barocke Turmhaube [37]

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Nach längerer Planungs- und Vorbereitungszeit wurde am 17. Dezember 2007 aus baulich-statischen Gründen die Turmhaube mit geschweiftem Helm und Bleiverkleidung – die barocke Vierungshaube von 1684 - abgebaut.[37]

 

Aufbau des neuen Vierungsturmes │ 05. Februar 2016

© [hmh, Foto: Wolfram Grohs

 

Südansicht der Klosterkirche │ "oben mit" im Oktober 2018

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der neue schlichte, schlanke, gotische Vierungsturm im Abendlicht

Februar 2016

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Der Kirchenbau │ Oratorium [12][20][21][23]

"Mehr als 850 Jahre Geschichte ruhen auf St. Marien"[36]

Nach EGGELING [39] soll am 23. August 1129 Berhard von Clairvaux "ein jubelndes Glückwunschschreiben bei Einweihung des hohen Chores der Kirche an Abt und Konvent" gerichtet haben, das sich allerdings später als gefälscht erweisen sollte.[40]

 

Zur Baugeschichte

Die Klosterkirche auf der Hügelkuppe des Odfeldes wurde aus dem in nächster Nähe gebrochenen Buntsandstein gemauert; in dem romanischen Kirchenteil in Quadern aufgesetzt.

Der Bau der dreischiffigen Basilika mit stark überhöhtem Mittelschiff erfolgte bis 1158.

Ab 1355 (1340-1363) wurde die der Jungfrau Maria geweihte Klosterkirche durch die Vergrößerung und Aufstockung des Querhauses und des hohen gotischen Chors erweitert.

 

Romanisches Langhaus │ September 2022

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Romanisches Langhaus

  • romanisches, basikales, dreischiffiges, flachgedecktes und turmloses Langhaus aus der ersten Bauperiode im 12. Jahrhundert mit Stützenwechsel (abwechselnd typisch niedersächsischen Pfeiler und Würfelknaufsäulen in neun Arkaden); 1144-1158 errichtet von Berthold von Homburg und seiner Frau Sophia, durch den Bischof von Hildesheim geweiht[40]

 

Querhaus │ September 2022

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Querhaus

  • aus der ersten Bauperiode im 12. Jahrhundert stammendes romanisches, um 1350 gotisch überhöhtes und eingewölbtes Querhaus, das als Querschiff dem romanischen Langhaus vorgelagert ist und zum gotischen Chor überleitet; erstellt in der älteren Tradition mit geradem Chorabschluss und Umgang; später mit Vierungsturm

 

Gotischer Chor │ September 2022

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Gotischer Chor

  • hoher, dreischiffiger, rein gotisch flach geschlossener, gewölbter Chorraum aus dem 14. Jahrhundert (1355-1363) mit Wappenschildern der Stifterfamilien Braunschweig, Homburg, Mecklenburg-Werle und Everstein

 

Fehlende Steinmetzzeichen deuten darauf hin, dass der Kirchenbau von Ordenshandwerkern erstellt wurde.

Ausdruck der alten zisterzienischen Abneigung gegen Schmuck und Farbe führte offenbar dazu, dass im Kirchinneren keine Wandmalereien angebracht wurden.

Das mittelalterliche Chorgestühl im Chor ist nicht ergalten geblieben.

 

Inschriftenstein an der Westfassade

Die evangelischen Äbte waren stets bemüht, die Klosterkirche baulich zu erhalten, so auch der Abt Christian Heinrich Behm [1662-1740].

Unterhalb des mittleren Rundbogenfensters ist an der Westfassade ein 13-zeiliger Inschriftenstein aus Buntsandstein eingelassen, der ausweist, dass 1717 Abt Behm am Langhaus den Fassadengiebel von Grund auf neu errichten und innen erneuern ließ.

Abt Behm war der Schwiegervater des "Glasermeisters im Sölling" Jobst Henrich Gundelach (1676-1740), der im Hellental die ortsfeste Glashütte Steinbeke betrieb.

 


 

Grund- und Aufriss der Kirche des Klosters Amelungsborn

dargestellt mit dem Dachreiter von 1684

mit geschweiftem Helm und Bleiverkleidung über der Vierung

Querhaus und Chor zeigen eine merkliche Achsenverschiebung nach Süden

aus STEINACKER 1907 ⦋10⦌

 

Maße der Kirche

Äußere Länge der ganzen Kirche (Nordseite) 60 m

  • innere Länge des Mittelschiffes bis zur Vierung 29 m, innere Breite ohne die Pfeiler 7,6 m, der Seitenschiffe 3,9 m; Höhe des Mittelschiffes 13,6 m, die der Seitenschiffe 6,6 m

  • innere Länge des Querhauses 22,8 m, innere Breite 6,9 m

  • innere Länge des Chormittelschiffes 19,5 m, Breite 7,3 m, die der Chorseitenschiffe je 5,3 m

  • Höhe von Querhaus und Chormittelschiff 17 m, die der Seitenschiffe des Chores 8,5 m

  • Spitze des vormaligen Dachreiters von 1684 über dem Boden 37,5 m

 

Gemeindealtar mit modernem Kreuz vor dem Langhaus

vier Rosenquarze mit Meditationskorpus in einem Bergkristall

1965 erstellt von Friedrich Marby

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Verbliebene Ausstattung

Die Klosterkirche St. Marien war ehemals reich ausgestattet, jedoch haben nur wenige Ausstattungsgegenstände die wechselhaften und zerstörerischen Zeiten überdauert.

 

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Grundriss nach Georg Dehio │ um 1985 [31]

mit den Kunstwerken (Nr. 1-23)

 

Vormals außen liegende Grabsteine/Grabplatten und Grabmäler ("Leichsteine") , teils mit Inschriften, Wappen und/oder Abbildungen der Bestatteten, wurden an die Innenwand des nördlichen Chorseitenschiffes versetzt.4⦌

So befand sich die Tumba der Eversteiner Grafen bauzeitlich ehemals stehend zwischen Pfeilern des Chores, wurde aber in die Mitte des südlichen Chorseitenschiffes verlegt.[27]

 

An der äußersten linken Wange des Levitenstuhls

vollplastische Freifigur des Bernhard von Clairvaux

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Im Hohen Chor steht an Stelle des linken Baldachins am Levitenstuhl die vollplastische, knabengroße Freifigur des tonsurierten Zisterziensermönchs Bernhard von Clairvaux (um 1090 - 1153) im Mönchgewand mit einem Hirtenstab in der Rechten und einem beschlagenen Buch in der Linken.[13][35]

Der Abt der Zisterzienserabtei Clairvaux in der Region Grand Est gilt als einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens.

 

Schlichte Würfelkapitelle der Pfeiler und Säulen im romanischen Langhaus

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Pfeiler und Säulen mit Würfelkapitellen

Sakralarchitektonisch zeigt das flach gedeckte, dreischiffige Langhaus einen einfachen Stützenwechsel zwischen abwechselnd typisch niedersächsischen Pfeilern und Säulen mit schweren Würfelkapitellen (Würfelknaufsäulen) in neun Arkaden.

 

Levitenstuhl mit gotischem Maßwerk

Der auf der Südseite zwischen die mittleren Pfeiler des Chorquadrates eingepasste, kunsthistorisch besonders herausragende Steinaufbau des "Levitenstuhls" oder "Dreisitzes" stammt aus dem 3. Viertel des 14. Jahrhunderts (1370–1390).[8][13][26]

Auf dem prachtvollen Gestühl aus regionalem Buntsandstein mit

nahmen während der Messen die drei Leviten Platz - der an der Spitze des Mönchskonvents stehende Prior und zwei Diakone.[13]

Links davon steht die knabenhohe, plastische Freifigur des tonsurierten Zisterziensermönchs Berhard von Clairvaux, dem geistlichen Vater des Zisterziensordens.

 

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Der prächtige Levitenstuhl mit vier bildlichen Tugenddarstellungen an den Schitzwangen

3. Viertel 14. Jahrhundert

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

In der Mitte des Levitenstuhls saß der vor dem Hochaltar die Messe zelebrierende Priestermönch/Prior, rechts und links flankiert vom Diakon und Subdiakon, die lesenden Leviten.[34]

 

Vorderseite

Die Vorderansicht des Levitenstuhls bedecken die schmalen Schitzwangen im Halbrelief mit figürlichen Darstellungen mönchischer Tugenden.

GÖHMANN ⦋8⦌[13], HEUTGER [26] und DRÖMANN/GÖHMANN [17] beschreiben die vier originellen bildlichen Präsentationen wie folgt zusammengefaßt:

Die reich verzierte Arbeit aus dem roten Buntsandstein der Gegend bildet einen Teil der Abschrankung des Hohen Chores zwischen zwei südlichen Arkadenpfeilern.

Sie ist von Baldachinen mit unterschiedlichen tabernakelartigen Aufsätzen überdacht, die mit Fialen und Wimpergen dekoriert sind.

Schmale Schitzwangen illustrieren die vier Grundtugenden der Zisterziensermönche:

 

1. Wange

Frömmigkeit

Mönche mussten fromm sein

  • in Gestalt eines betenden, bärtigen Mannes von fürstlichem Geblüt mit langem gegürteten Mantel - möglicherweise jener König Hiskia, der um 700 v. Chr. gegen die Feinde Israels kämpfte und gegen den Götzenkult vorging

 

2. Wange

Tapferkeit

Mönche mußen tapfer sein und die Pforten der Hölle überwinden

  • tapferer Simon mit flammendem Haar (Feuerhaar), der - als Sinnbild der Überwindung der Höllenpforte durch Christus - einem aufgerichteten Löwen den Rachen aufreißt

 

3. Wange

Klugheit

mit dem Gewand der Demut umhüllte Schlauheit / mit Wachsamkeit vor den Ränken des Bösen

  • humorvoll selbstironisierend ein in die Mönchskutte gekleideter Fuchs, dem ein Buch an das Vorderbein geheftet ist und vor dem zwei Gänse schlafen; ein kleines Füchslein verbirgt sich in der Kapuze - so weiß sich Schlauheit mit dem Mantel der Demut zu umhüllen - als Sinnbild der Schlauheit, die sich mit dem Mantel zu tarnen pflegt

 

4. Wange:

Schweigsamkeit

  • rosettenartiges Blattwerk.

 

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Rückwand des gotischen Levitenstuhls

roter Buntsandstein │ 3. Viertel 14. Jahrhundert

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Rückwand

Fasst man STEINACKER [14], HEUTGER [28], GÖHMANN [13] und DRÖMANN/GÖHMANN [17] zusammen, so ist die Rückwand des gotischen Levitenstuhls, die in den südlichen Seitenchor zeigt, von vier aus der Fläche hervortretenden Strebepfeilern in drei hochrechteckige Felder geteilt, welche mit flachen figürlichen und ornamentalen Reliefs geschmückte sind – Mittelfeld mit seitlich angebrachten Nebenfeldern.

 

Mittelfeld

  • hoher, reich gegliedert ausgearbeiteter Aufbau eines Fenstermaßwerks. über zwei Spitzbögen eine prächtige. plastisch herausgearbeitete Rose, aus Vierpässen gebildet, darüber tabernakelartige Gebilde mit Fialen, zwischen denen bärtiger Kopf mit Judenhut und gekrönter Frauenkopf  – diese Darstellung von Synagoge und Ecclesia, der Juden- und Christenheit, vereint „Kirche“ oder „Judenchristen“ und „Heidenchristen“, folgt einem besonders in gotischer Zeit weit verbreiteten ikonografischene Typus

 

linkes Nebenfeld

  • unter einer Maßwerkwimperge tiefer herausgearbeitet der bärtige, barhäuptige Apostel Jakobus der Ältere als Pilger mit Heiligenschein in langem Mantel mit seinem Attribut der Muschel auf der rechten Seite, in der linken Hand ein Buch haltend

 

rechtes Nebenfeld - mit frömmigkeitsgeschichtlicher Bedeutung

  • unter ähnlicher Wimperge mit einer fensterartigen Fiale eine Erscheinung Christi vor zwei Männern - links in der Höhe ein als Vision gedachtes Haupt Christi vor einem mit Kreuz belegten Heiligenschein; tiefer zwei bärtige Figuren in wallenden Gewändern – offenbar zwei Apostel, jedoch nur die linke Gestalt - der Visionär (Protomärtyrer) Stephanus - mit Heiligenschein, die mit den Schwurfingern der rechten Hand nach dem Christuskopfe emporzeigt und mit der linke Hand ein Schriftband mit der Inschrift in gotischen Minuskeln: video domin̅ i celo ("Ich sehe den Herrn im Himmel"; Paulus) führt, während die rechte Gestalt ein Buch hält.

 

Grablegungen und Grabplatten

 

Adlige Begräbnisstätte einer Stifterfamilie des Klosters

Mitte/Ende 14. Jahrhundert

Sandsteinernes Doppelgrabmal des Eversteiner Grafen Hermann III. von Polle († 1350/1351) [38]

und seiner Gemahlin Gräfin Adelheid zur Lippe

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Tumba des Eversteiner Grafen Hermann III. und seiner Gemahlin Gräfin Adelheid

Aus der Mitte/Ende des 14. Jahrhunderts, der Zeit der Errichtung des Chores, stammt das zwar schwerfällig gearbeitete, aber dennoch prunkvolle, sarkophagähnliche Grabmal der Kirche – die im südlichen Seitenschiff aufgestellte Sandsteintumba von Graf Hermann III. von Everstein [32] und seiner Gemahlin Adelheid, geborene Gräfin zur Lippe.[7][15]

Vermutlich erfolgte eine Erdbestattung.

Der Eversteiner Graf Hermann III. zu Polle [38] wird gepanzert dargestellt, seine Ehefrau Gräfin Adelheid im Faltenkleid mit Kopf- und Kinntuch.

RÖCKENER ⦋7⦌ beschreibt 1998 das Grabmal des nebeneinander liegenden Paares - eine Stifterfamilie des Klosters:

Die beiden nebeneinander liegenden Figuren sind fast vollplastisch aus dem Stein herausgearbeitet; die Frau hat die Hände betend vor der Brust, der Mann Trägt seine Waffen und das Schild mit Wappen, welches auf einem der Schlusssteine im Chorgewölbe wiederkehrt.

Trotz der Plastizität sind Körper und Gesichter etwas flach dargestellt; die Züge der Verstorbenen weisen keine individuellen Merkmale auf, sie sin mit einer idealisierten und schematisierten Physiognomie ausgestattet, ein typisches Stilmerkmal dieser Zeit1.

Unter den Füßen der beiden finden sich ein Löwen- und ein Hundepaar.

Die Köpfe werden von plastischen Wimpergen umgeben, die in ihrer jetzigen Form nicht original sind.

Das etwas erhöhte Grabmal, erst nachträglich an diesen Platz versetzt, erweist sich als gängiges Beispiel einer adeligen Begräbnisstätte im späten Mittelalter und zeugt von der der Bedeutung der Dargestellten für das Kloster.“

 

"Dem Gedenken der Väter"

Memorienplatte mit Klosterwappen im nördlichen Seitenschiff des Chores

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Umrahmung eines 1965 ausgehobenen Steinsarkes mit rundlicher Vertiefung für das Haupt

11./12. Jahrhundert

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Sandsteinsarkophag

Die Klosterkirche diente auch als Grablege, wie die 1965 ausgehobene, aus vier Sandsteinwerkstücken zusammengesetzte Umrahmung eines hochmittelalterlichen Sarkophags mit einer rundlichen Vertiefung für das beigesetzte Haupt des etwa 1,75 m großen Verstorbenen belegt.[24][34]

 

Gedenkplatte des Abtes Andreas Steinhauer (1512-1588)

Im südlichen Seitenschiff des Langhauses befindet sich die lebensgroß reliefierte Grabplatte des letzten altgläubigen (katholischen) und ersten evangelisch-lutherischen Abtes Andreas Steinhover (Steinhauer, 1512-1588), der in England das Licht der Welt erblickt hatte.

  • Abt vom 29. November 1555 bis zum 27. Mai 1588

 

Gedenkplatte des 1588 verstorbenen Abtes Andreas Steinhauer

im zeitgenössischen Gelehrtengewand, die Bibel in der Hand haltend

[29]

Umschrift:

Anno Domini 1588 die 31. Julii placide obiit reverendus pater et doctissimus vir dom. Andreas Steinhower Anglus, qui abbatis officio in hoc monasterio laudabiliter annos 33 functus est, cuius corpus hic in pace requiescit. Amen.

Breite Schrifttafel mit Rollwerkrahmen und den Versen:

Anglia dat nobis, Roma Luthere relicta

Urbem dum repetis Leucoream (= Wittenberg), huncce virum,

Reginam Anglorum Hispanus qua classe fatigat

Quaque draco hanc pellit, sternit amara dies.

Is, quia pontificis Romani dogmate pulso

Accessit Christi vocibus, astra terit.

 

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Gruftplatte des 1588 verstorbenen Abtes "Andreae Steinhow(er)"

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Eine schlichte, vormals im Fußboden eingelassene Gruftplatte des Klosterreformators Abt Andreas Steinhauer (Andreae Steinhower) mit ausgetretener Schrift befindet sich im Chorbereich.

 

Grabplatte des Klosteramtmanns Barnstorff

Als kunstgeschchtlich besonders wertvoll gilt die barocke Sandstein-Grabplatte für den am 10. November 1715 verstorbenen Klosteramtmann Cornad Herman Barnstorff (1661-1715).

 

Grabplatte des 1715 verstorbenen Klosteramtmanns Barnstorff

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

GÖHMANN [15] führt hierzu aus, dass die Mitte der Sandstein-Grabplatte von einem längeren Inschriftentext im Lorbeerkranz ausgefüllt ist.

Darüber schweben zwei Putten, die ein Wappenschild halten.

Ein dritter Putto hält unten, auf einem Totenschädel gestützt, die Sanduhr, das Symbol der verrinnenden Zeit als Mahnung für die Lebenden.“

 

Taufstein, auf das Jahr 1592 datiert

Traditionszeichen: Wappen der Zisterzienser

weiß-rot geschachteter Schrägbalken, gekreuzt mit einem Abtstab

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Taufstein von 1592

GÖHMANN ⦋9⦌[15], RÖCKENER ⦋5⦌ und DRÖMANN/GÖHMANN [18] führen aus, dass sich der unterhalb des Ostfensters im südlichen Seitenchor in einer kleinen Tauf- und Beichtkapelle aufgestellte qualitätsvoll aus hellem (gelben) Sandstein gearbeitete Taufstein in leichten, eleganten Formen über einem oktogonalen Sockel becherförmig erhebt.

Der Taufstein mit dem eingeschlagenen Jahr seiner Stiftung 1592 ist reich mit im Renaissancestil verzierten und bemalten Blatt- und Rollwerkkartuschen, mit Voluten, Flügelköpfen und Fruchtgehängen besetzt.

Auf Rollwerk-Kartuschen umgeben das Taufbecken verschiedene Wappenschilder:

  • weiß-rot geschachteter Schrägbalken als Wappen der der Zisterzienser, gekreuzt mit einem Hirtenstab

  • Wappen des Abtes der Entstehungszeit, Vitus Buchius (reg. 1588-1598), mit einem Baum vor zwei gekreuzten Abtstäben

  • ehemals bemaltes herzoglich Braunschweigisches Wappen in Form eines dreimal geteilten und einmal gespaltenen Schildes

  • ein Leerschild, das einst bemalt als Halberstädter Wappen trug.

Der Taufstein "ist ein Geschenk eines Benediktinerabtes aus Corvey hier an den zweiten evangelischen Abt Vitus Busch".[33]

 

Sakramentnische mit ornamental skulpturierter romanischer Piscine an der Chorwand

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Romanische Handwaschbecken

Prächtig ornamental skulpturierte Piscinen

An der Ostwand des Chores befinden sich zwei kleine spitzbogige Ausgussnischen aus Buntsandstein; sechs weitere werden aufbewahrt.

In ihnen konnten Sakramentalien aufbewahrt und der Kelch abgestellt werden.

Bei den beiden, neben den Nischen platzierten, aus grauem Sandstein gefertigten, fast meterhohen Piscinen aus dem 12. Jahrhundert handelt es sich um säulenartige, reich mit Rankenwerk, Palmetten und Taumotiven dekorierte Ausgussbecken zur Aufnahme des Wassers, das bei Handwaschungen und beim Reinigen der Messgeräte verwendet wurde.[15][19][24]

 

Waschbecken mit eingemeißelten Ausgussrinnen

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Das in jeweils zwei Waschbecken mit eingemeißelter Ausgussrinne aufgefangene Wasser konnte nach außen abgeleitet werden, um im geweihten Boden der Kirche zu versickern.

 

1. Hälfte 18. Jahrhundert

Letzte größere Umgestaltung der Klosterkirche

"In der Sanierung und Umgestaltung des romanischen Langhauses der Amelungsborner Klosterkirche sowie des nördlichen Kreuzgangbereiches" bestand die besondere baugeschichtliche Leistung des bauaktiven Abtes Christian Heinrich Behm (1662-1740) - 11. Abt seit der Reformation (1712-1740).[1][2]

 

____________________________________________

[1] GÖHMANN 2004, S. 9.

[2] GÖHMANN 1991, S. 43-44 Legende 14) A.

⦋3⦌ RÖCKENER 1998, S. 2-6.

⦋4⦌ RÖCKENER 1998, S. 6-20.

⦋5⦌ RÖCKENER 1998, S. 16-18.

[6] MELCHER in MARX/OSTERMANN 2021, S. 10.

⦋7⦌ RÖCKENER 1998, S. 18.

⦋8⦌ GÖHMANN 1991, S. 54 Anm. 28.

⦋9⦌ GÖHMANN 1991, S. 56 Anm. 32.

⦋10⦌ Abb. in GÖHMANN 1991, S. 107 Abb. 25.

[11] GÖHMANN 1982, S. 84.

[12] GÖHMANN 1991, S. 15, 18, 20-23.

[13] GÖHMANN 1982, S. 85.

[14] STEINACKER 1907.

[15] GÖHMANN 1982, S. 86.

[16] GÖHMANN 1982, S. 87.

[17] DRÖMANN/GÖHMANN 2008, S. 21.

[18] DRÖMANN/GÖHMANN 2008, S. 22.

[19] DRÖMANN/GÖHMANN 2008, S. 24.

[20] LVR-LANDESMUSEUM BONN 2017, S. 305.

[21] MARX/OSTERMANN 2021, S. 123.

[22] HEUTGER 1968, S. 24-25.

[23] HEUTGER 1968, S. 31-32.

[24] HEUTGER 1968, S. 34.

[25] Amlungsborner Klosterküster Ulrich Marx.

[26] HEUTGER 1968, S. 36.

[27] MARX/OSTERMANN 2021, S. 42-43.

[28] HEUTGER 1968, S. 37.

[29] Abb, (korr.) u. Legende aus OSTERMANN/SCHRADER 1985; S. 12.

[30] Abb. aus OSTERMANN/SCHRADER 1985, S. 82.

[31] Abb. aus OSTERMANN/SCHRADER 1985, S. 78-80.

[32] OSTERMANN/SCHRADER 1985, S. 101.

[33] OSTERMANN/SCHRADER 1985, S. 102.

[34] OSTERMANN/SCHRADER 1985, S. 104.

[35] OSTERMANN/SCHRADER 1985, S. 137-138.

[36] TAH 1998.

[37] TAH 2007a, 2007b, 2007c.

[38] RAULS 1974, S. 29.

[39] EGGELING 1936, S. 295-309.

[40] RAULS 1974, S. 31.

[41] RAULS 1974, S. 33.

[44] MERIAN 1654, S. 42, 43.