Intensive mittelalterliche Glashüttenaktivität

Klaus A.E. Weber

 

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Das Weser-Werra-Bergland (Weserbergland wie der gesamte Oberweserraum) gilt heute nach STEPHAN als "ein Kernraum der historischen Glaserzeugung Europas im Mittelalter bei hoher Anzahl im Gelände lokalisierter mittelalterlicher Hüttenplätzen, besonders aus dem 12./13. Jahrhundert, auch aus dem 14./15. Jahrhundert".[8]

Wie Geländebegehungen entlang permanent oder periodisch Wasser führender Bodenstrukturen ergaben, hinterließen mittelalterliche Glasmacher auch in der Landschaft des Hellentals archäologisch fassbare Spuren ihrer manuellen Kunstfertigkeit als Wanderarbeiter.

Glastechnische Relikte und gebrauchskeramische Funde belegen, dass bereits im 12./13. Jahrhundert in dem für das Spezialgewerbe ressourcenreichen Waldgebiet des Nordsollings Glas hergestellt wurde.

Alle im Hellentaler Umfeld (re)lokalisierten wüstgefallenen Glashüttenstandorte lagen abseits von dem von der mittelalterlichen Besiedlung erfassten nordöstlichen Sollingrand.

Das anhand von Oberflächenbegehungen erfasste Fundmaterial (Oberflächenfunde) ist bislang noch zu wenig aussagekräftig, als dass es eine hinreichend genaue Abgrenzung des potentiellen Produktionszeitraumes der hier angesprochenen Glashütten erlauben würde.

Nicht unerwartet bestehen bislang keine sicheren Bodenfunde zum Nachweise für das im Umfeld des Hellentals hergestellte Formenspektrum mittelalterlicher Hohl- und Flachglaswaren.

Die auf den kleinräumigen mittelalterlichen Hüttenplätzen geborgene gebrauchskeramische Fundstücke (Irdenware) dürften der Formen- und Warenentwicklung der Zeit um 1180-1270 in der Sollingregion (kugelbauchige Warenarten) entsprechen.

Ihre Provenienz ist zwar bislang ungesichert, vermutlich könnten aber der Irdenwareproduktion mittelalterlicher Töpfereien in den historischen Töpferregionen zwischen Weser, Werra, Leine [57] und/oder Nordhessen entstammen.

Dabei bleibt es zudem auch schwierig, die Irdenware eindeutig den bereits um 1200 im Solling dominierenden Töpfereien um Fredelsloh zuzuordnen und entsprechend exakt zu datieren.[4]

 

Mittelalterliche Waldglashütte in Hellental │ Mitte 12. bis Anfang 13. Jahrhundert

Schulterfragment mit kommaförmiger rötlicher Bemalung

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Kleinräumige mittelalterliche Glashütten

Mitte 12. bis Anfang 13. Jahrhundert - um 1170–1300

Wie systematische Geländeerkundungen seit dem Jahr 2003 ergaben, hinterließen gerade auch mittelalterliche Glasmacher im Umfeld des etwa 6 km langen Hellentals versteckte Spuren ihrer manuellen Kunstfertigkeit in Waldglashütten, die sich zuminddest teilweise vor etwa 1200 datieren lassen.[53]

Glastechnische Relikte wie auch vor allem gebrauchskeramische Funde legen nahe, dass Glaswaren bereits während des späten 12. bis 13. Jahrhunderts in dem für das Spezialgewerbe ressourcenreichen Waldgebiet hergestellt wurden.

Nach bisherigem Forschungsstand repräsentiert somit diese zeitliche Einordnung den bislang ältesten archäologisch fassbaren Zeitabschnitt und möglicherweise zugleich auch konjunkturellen Höhepunkt mittelalterlicher Glasherstellung im Umfeld des Hellentals.[54]

Mittelalterliche Glashüttenstandorte, die vor etwa um 1200 datierbar sind, gelten als ausgesprochen selten.

Nach STEPHAN [55] können möglicherweise „einige Fundplätze bei Hellental“ dazu gehören.

In archäologischer Hinsicht zeichnen sich mittelalterliche Glashüttenstandorte durch ein äußerst dürftiges Glasfundspektrum aus.

Ein intensiv genutztes „Glasrecycling“ bei hohem Materialwert ist hierbei zu vermuten.[56]

Als nichtkeramisches Fundgut waren Glastropfen, Glaskügelchen und Glasfäden in unterschiedlicher Anzahl, Größe und Färbung anzutreffen, hingegen aber keine sicheren Bodenfunde mittelalterlichen Hohl- wie Flachglases.

Somit bestehen auch keine Anhaltspunkte für im Umfeld des Hellentals hergestellte Fertigerzeugnisse und somit auch keine für das Formenspektrum mittelalterlicher Glaswaren.[58]

Vier mittelalterliche Glashüttenstandorte liegen „korrespondierend“ an der Westseite des mittleren und nördlichen Hellentals.

Beginnend auf dem Waldplateau des Forstortes Pottbusch im Hochsolling (ca. 440 m üNN) zieht das Seitental bogenförmig im Bereich der Forstorte Steinlade, Heidelbrink und Buchholz zum unteren Hellental, wo es nahe Merxhausen ins Hellental einmündet (ca. 260 m üNN).

Hierbei ist zu erwähnen, dass im oberen Abschnitt des Seitentals zwei Glashütten nahe eines alten talwärts führenden Fahrweges liegen, der in Verbindung mit der nahen „Alten Einbecker Straße“ gesehen werden kann.[59]

Sei die Waldnutzung der Sollingforsten bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts (etwa 1150/1200) relativ unproblematisch gewesen, so sei es durch stark vermehrten Holzeinschlag dann während des 13. Jahrhunderts zu einer zunehmenden Holzverknappung und Waldschädigung im Solling gekommen.[6]

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts (etwa 1370/1400) soll sich im Solling die Holzbilanz wieder verbessert haben.

Diese zeitliche waldökologische Betrachtung von STEPHAN [60] spiegelt sich auch in der archäologischen Datierung der im Folgenden beschriebenen kleinräumigen mittelalterlichen Glashüttenstandorte im Hellentaler Umfeld wieder.

Diese lagen abseits von dem von der mittelalterlichen agrarischen Besiedlung erfassten nördlichen Sollingrand und ließen keine dauerhaften Siedlungen entstehen.[61]

Schriftliche (archivalische) Zeugnisse zu den mittelalterlichen Waldglashütten im Umfeld des Hellentals konnten erwartungsgemäß nicht erfasst werden.[62]

Am Beispiel der um 1200 betriebenen Waldglashütte „Bremer Wiese“ lassen sich Überlegungen zur Selbstversorgung mittelalterlicher Glasmacherfamilien im Umfeld des Hellentals herleiten.

Zeittypisch wurde auf einer ebenerdigen Feuerstelle gekocht.

Das einfache Koch- und Tafelgeschirr bestand wahrscheinlich aus Ton (Gebrauchskeramik) oder Holz.

Die eher spärliche Alltagsküche der Glasmacherfamilien dürfte zeittypisch bestimmt und die Kochstelle mit Kugeltöpfen und Grapen (Dreibeintöpfe) zum Zubereiten von Speisen am offenen Feuer ausgestattet gewesen sein.

Getreide war als Grundnahrungsmittel - als Grundstoff für Brot und Brei - für das Überleben unverzichtbar.

Winterfester Roggen war das wichtigste Brotgetreide (Schwarzbrot), Hafer das wichtigste Breigetreide ("Haberbrey" als Morgenspeise).

Die Küche dürfte sich als fleischarm (Frischfleisch) bei geringer Variationsbreite erwiesen haben, wobei es spekulativ bleiben muss, ob es gelegentlich frischen Fisch aus dem Helle-Bach gab. Für „muos“ wurden vermutlich Erbsen, Linsen und Bohnen verwandt.[63]

Der Fund zweier stufig abgedrehter Spinnwirtel aus dem »Bodenarchiv« der Glashütte „Bremer Wiese“ belegt, dass hier von Glasmacherfamilien textiles Handwerk ausgeübt wurde.

Die Spinnwirtel gewähren somit einen alltagsgeschichtlichen Einblick in die soziale Gruppe von Glasmachern im mittelalterlichen Solling.

Es ist anzunehmen, dass in der glasgewerblichen Kleinsiedlung von Glasmacherfrauen und/oder Kindern Handspindeln zum Garnspinnen eingesetzt wurden, um Textilien des täglichen Gebrauchs auf der abgelegenen Waldglashütte selbst herzustellen.

 

Glashütten im Zeichen des "Aufbruchs in die Gotik" [1]

Das 12./13. Jahrhundert war eine mittelalterliche Epoche der Herrschaft, Repräsentation und Frömmigkeit, geprägt von Burgen, Rittern, Klöstern und aufkommenden Städten.

In jenem Zeitraum erfolgte der epochale „Aufbruch in die Gotik“ mit technischen Innovationen.

Die im Standortverzeichnis beschriebenen hoch- bis spätmittelalterlichen Glashüttenstandorte liegen „korrespondierend“ im Westenl des Hellentals.

Beginnend auf dem Waldplateau des Forstortes Pottbusch im Hochsolling zieht das Seitental bogenförmig im Bereich der Forstorte Steinlade, Heidelbrink und Buchholz zum unteren Hellental, wo es nahe Merxhausen ins Hellental einmündet.

Hierbei ist zu erwähnen, dass im oberen Abschnitt des Seitentals zwei Glashütten nahe eines alten talwärts führenden Fahrweges liegen, der in Verbindung mit der nahen „Alten Einbecker Straße“ gesehen werden kann.

Nach heutigem Kenntnisstand könnte es in den zurückliegenden Jahrhunderten im Umfeld des Hellentals – bei vermutlich noch großer Dunkelziffer - eine perlschnurartige Aneinanderreihung von Glasproduktionsstätten an topografisch günstigen Standorten gegeben haben.

Dabei ist ungeklärt, ob mehrere oder aber nur einige wenige Glashüttenmeister im zeitlichen Neben- oder Nacheinander ihre Produktionsstätten betrieben haben.

Sie kommen und verschwinden im Dunkel der Glasgeschichte des Hellentals.

Auch bleibt es unklar, welche und wie viele Glasmacherfamilien unter welchem Hüttenmeister die mittelalterlichen Glashütten im Hellental unterhielten und welcher Größenordnung die Glasbetriebe zuzuordnen sind.

Da keine erschlossene Quellenlage besteht, bleibt zudem auch der Überblick über das Formenspektrum der ehemals im "Alten Tal der Glasmacher" hergestellten Glaswaren versagt.

Festgehalten werden kann aber, dass an keiner Stelle der mittelalterlichen Waldglashütten im Umfeld des Hellentals eine dauerhafte Neusiedlung entstand.

 

Standorte kleinräumiger, nicht ortsfester hoch- bis spätmittelalterlicher Waldglashütten

im Umfeld des Hellentals im Solling

Forschungsstand: Oktober 2021

© [hmh, Grafik: Klaus A.E. Weber

 

Oberflächenprospektionen fundarmer Glashüttenwüstungen

Bislang historisch und archäologisch eher vernachlässigt, erfolgte bislang an keiner Hüttenstelle eine archäologisch-wissenschaftliche Ausgrabung

Die mühsame Suche nach Standorten wüst gefallener mittelalterlicher Waldglashütten im Umfeld der Glashütten-Landschaft des Hellentals erfolgt seit dem Jahr 2003 durch wiederholte systematische Oberflächenbegehungen zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten.

Ausgemachte Oberflächenmerkmale und Oberflächenfunde sowie deren Interpretaion bestimmen die ungefähre Zeitstellung.

Für die zeitliche Einordnung ausgemachter Hüttenplätze ist wesentlich, dass im Weserbergland mittelalterliche Waldglashütten auffallend konzentriert in der Zeit um 1150-1250 bestanden.

Im Hinblick auf gebrauchskeramisches Fundgut gilt, dass die graue Irdenware in den Jahrzehnten um 1120/1160 und vor 1240/1260 eingeführt wurde.[2]

Auf den kleinen mittelalterlichen Glashütten dürfte erwartungsgemäß Holzascheglas hergestellt worden sein.

Zudem sind die Glashüttenstandorte ein wichtiger Indikator dafür, dass in der hier fassbaren hoch- bis spätmittelalterlichen Zeitstellung (noch) größere Restbestände von Sollingwald gegeben waren.[3]

Allgemein gilt glasarchäologisch, dass vielerorts der oberflächennah erkennbare Erhaltungszustand zahlreicher wüstgefallener mittelalterlicher Glashütten eher schlecht ist und nur spärliche Funde anhand von Oberflächenbegehungen auszumachen sind.[2]

Obwohl daher das Auffinden hoch- bis spätmittelalterlicher Glashüttenstellen mit ihren holzbefeuerten Glasöfen (unscheinbare Ofenhügel) geländemorphologisch wie auch wegen spärlicher oberirdischer Produktionsrelikte besonders schwierig ist, konnten anhand kleinräumig angelegter, systematischer Geländerecherchen oberflächennah aufgefundene Relikte in das 12./13. bis 14. Jahrhundert datiert werden.

Somit konnte für die abgelegene Glashütten-Landschaft des Hellentals der archäologische Nachweis erbracht werden, dass dort bereits seit dem Hoch- bis Spätmittelalter Ofenanlagen sowohl zur Glaserzeugung als auch zur Glasverarbeitung betrieben wurden.

Während des Mittelalters im Hellentaler Umfeld betriebene Glashütten dürften zumindest teilweise „Wanderglashütten“ gewesen sein, also dem Holzvorkommen nachwandernde, eigenständige Produktionsstätten mit Kleinsiedlungen auf Zeit.

Ohnehin fällt die Zeit des 12./13. Jahrhunderts in die "Pionierepoche" für große Waldbestände und nachhaltige Rodungen durch den Grundherren.

Die Entfernung zwischen den mittelalterlichen Glashüttenplätzen schwankt zwischen 140 m und 380 m.

Bei allen mittelalterlichen Glashüttenstandorten im Umfeld des Hellentals konnte obertägig bislang kein gläsernes Fundgut in Form von Hohl- oder Flachglas gesichert nachgewiesen werden.

Wie bei anderen mittelalterlichen Glashüttenstandorten, so ist auch hier die Frage ungeklärt nach

  • der Betriebsorganisation

  • der Ofentechnologie & Befeuerungstechnik

  • den Rezepturen

  • der Glasprodukte

  • der Lebens- und Arbeitsbedingungen.

 

Mehrstufige Glasherstellung

Verteilung der Hüttentypen: Ein-Ofen-Anlage │ Mehr-Ofen-Anlage [7]

Glashistorisch interessant ist der bei Geländeprospektionen anhand von Oberflächenbefunden greifbar gewordene mittelalterliche Komplex dreier relativ nahe zu einander linear positioniert liegender Waldglashütten im Umfeld des Hellentals:

Vermutet man einen engen zeitlichen Betriebszusammenhangs dieses „Glashüttentrios“, so könnten nacheinander oder miteinander auf einer Strecke von 380 m zwei Glas erzeugende wie zugleich auch verarbeitende Mehr-Ofen-Anlagen bestanden haben, gefolgt von einer 140 m weiter betriebenen Ein-Ofen-Anlage als Nebenofen zur nächst benachbarten Mehr-Ofen-Anlage als Haupthütte.

Eine arbeitsteilige Trennung der

  • Herstellung von Fritte bzw. Rohglas (zur Herstellung der Fritte bei Kaliumgläsern wurden Temperaturen von ca. 900–1.000° C benötigt)

  • Weiterverarbeitung zu Fertigprodukten

wäre hier zunächst zu diskutieren.

Anhand der dichten Nachbarschaftslage könnte nach STEPHAN [13] mindestens eine Haupthütte und mehrere Ein-Ofen-Anlagen des 13. Jahrhunderts vermutet werden.

Indes erfolgten (bislang) keine Grabungen, mit denen man die diese Vermutung hätte überprüfen könnte.

Nach STEPHAN ⦋19⦌ fertigten die Glasmacher hier zweifellos Glas, keine Fritte.

Dabei verfolgt er den Ansatz: Glasmacher haben Häfen nur dann verwendet, wenn sie Glas herstellten.

Kritisch merkt STEPHAN [13] an, dass es im Weserbergland trotz teils einleuchtender Überlegungen noch nicht sicher gelungen sei, den Produktionskreis einer Haupthütte mit zugehörigen Nebenhütten gesichert festzuschreiben.

Gemäß seiner Darstellung wurde im Werra-Weser-Leine-Bergland während des 13./14. Jahrhunderts in den Ein-Ofen-Anlagen überwiegend kein Rohglas, sondern ein Vorprodukt erschmolzen.

 

Erste archäologische Zeugnisse der mittelalterlichen Glashütte "Bremer Wiese"

spätes 12. Jahrhundert / um 1170

Oberflächenfunde im März 2007

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Auffallend häufig

Glastropfen mit unterschiedlicher Farbschattierung als typische Begleitprodukte

Als typische nichtkeramische Begleitprodukte waren vermutlich aus Holzascheglas bei langen Betriebszeiten und hohen Temperaturen entstandene, nicht oder nicht völlig korrodierten

  • tropfenförmig, oval oder unregelmässig ausgebildete Glastropfen

  • Glaskügelchen

  • Glasfäden

in unterschiedlicher Anzahl, Gestaltung und Größe mit polychromer Färbung bei Oberflächenbegehungen oder bei Mikroschürfungen anzutreffen.

Tropfen aus klarem, farblosem Glas waren nicht vertreten.

Nach STEPHAN [17] ist hierbei „von Probenentnahmen zur Überprüfung des Gemenges in zu hoch erhitzten Ofenbereichen auszugehen, welche in die Glasphase übergingen, oder um an besonders heißen Stellen zufällig ausgeschmolzenes abgetropftes Glasgemenge“.

 

Streng geregelte Baukriterien

bei der Errichtung mittelalterlicher Glashütten

Zur Frage, wie - bei bislang fehlenden archäologisch-wissenschaftlichen Grabungen - die Betriebsanlagen mittelalterlicher Glasöfen im Umfeld des Hellentals ausgesehen haben könnten, kann vergleichend Bezug genommen werden auf die bisherigen Grabungsuntersuchungen (2017-2018) hochmittelalterlicher Waldglashütten als Mehrofenanlagen im Tal der Holzminde im Glaserzeugungskreis Solling.⦋12⦌[16][18]

Es ergeben sich im Hinblick auf den Aufbau und Grundriss der hochmittelalterlichen Waldglashütten der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts folgende übereinstimmende bauliche Kriterien für die Schmelz- und Nebenöfen:

  • rechteckig-gestreckter Hauptschmelzofen mit parallel angeordneten, erhöhten Hafenbänken (Länge ca. 1,2 m)

  • Ofen zur Herstellung der Fritte
  • Streckofen für die Flachglasherstellung
  • Kühlofen
  • Nebenöfen (kleinere Hilfsöfen) zur Zubereitung von Farbpigmenten bzw. für metallurgisches Arbeiten (Länge ca. 0,8 m) - Vor-Ort-Aufbereitung metallischer Flussmittel, wie Blei- und/oder Kupferoxid
  • Haupt- und Nebenöfen sind radial um eine durch Sollingsandsteinplatten befestigte Arbeitsfläche angeordnet
  • Feuer- wie Schüröffnungen sind nach innen auf die zentrale  Arbeitfläche ausgerichtet

 

Schematische Rekonstruktion des rechteckig-gestreckten Schmelzofens

der spätmittelalterlichen Glashütte Glaswasen im Schönbuch [9]

zwischen 1470-1500

 

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[1] PUHLE 2009.

[2] STEPAHN 2014.

[3] STEPHAN 2010, S. 71.

[4] STEPHAN 2010, S. 139.

[6] STEPHAN 2010, S. 133-134.

[7] STEPHAN 2010, S. 136: STEPHAN 2020, S. 125-140.

[8] STEPHAN 2017, S. 8-16; STEPHAN 2020, S. 133-134.

⦋12⦌ KRAMER 2018d, S. 12-15.

⦋13⦌ STEPHAN 2020, S. 126.

[16] STEPHAN 2017a, S. 8-16.

[18] STEPHAN 2017b, S. 11.

⦋19⦌ STEPHAN 2020, S. 133-134.

[53] STEPHAN 2010, S. 138, 509; WEBER 2012b, S. 14-21.

[54] STEPHAN 2010, S. 136, 139; WEBER 2012c, S. 8-17.

[55] STEPHAN 2010, S. 138, 509.

[56] KÖNIG/KRABATH 2005, S. 16.

[57] vermutlich vor allem aus Töpfereien um Fredelsloh.

[58] Seltene, teils hervorragende Beispiele für möglicherweise regionale Waldglasobjekte des Hochmittelalters ergaben sich bei den interdisziplinären archäologischen Untersuchungen der Stadtwüstung Nienover im Solling (stadtzeitliche Gläser um 1200): LEIBER 1994, S. 22-25; Sachkultur Glas - Stadtwüstung Nienover bei STEPHAN/TRÖLLER-REIMER 2004, S. 46-48; STEPHAN 2007, S. 34-38; KÖNIG 2009, S. 188-191, 270-271, Tafel 37, 77; STEPHAN 2010, S. 260-263.

[59] WEBER 2012c, S. 8-17.

[60] STEPHAN 2010, S. 134.

[61] Ungeklärt bleibt bislang die Frage, wer das Errichten und den Betrieb der frühesten Glashütten im Solling wie im Umfeld des Hellentals veranlasste. Bei fehlendem Nachweis muss es spekulativ bleiben, ob hier lokalisierte mittelalterliche Glashütten einen Zusammenhang mit kirchlichen Einrichtungen (Klöster, Stifte) besteht und beispielsweise einen unmittelbaren Bezug zum 1129-1135 gegründeten Zisterzienserkloster Amelungsborn bei Negenborn aufweisen: LEIBER 1994, S. 18; KIRCHE 2005, S. 51; STEPHAN 2010, S. 134, 139; Leiber 2011.

[62] vergl. STEPHAN 2010, S. 507.

[63] SCHUBERT 2010, S. 72.