Stempelgeprägte Schamotteziegel

Klaus A.E. Weber

 

Baubefund September 2007 - vordere Backfläche

Stempelgeprägte Schamotteziegel „Fürstenberger Porzellan Fabrik“

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Bauhistorisch überraschend wies der vorgefundene Original-Backofen eine Grundplatte mit einer Vielzahl heller in Ton vermauerter feuerfester, gestempelter und ungestempelter Schamottsteine unterschiedlicher Herkunft auf, ebenso auch die gemauerten Wände der drei Rauchkanäle.[6]

Insgesamt konnten 53 Ofensteine mit Stempelprägung bei der Freilegung der Backofenanlage geborgen werden.[1]

 

FÜRSTENBERGER PORZELLAN FABRIK

 

Zwei Typen von Schamotteziegeln mit der Stempelprägung

„Fürstenberger Porzellanfabrik“

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Hierbei war der Fund von 39 (73,6 %) Schamotteziegeln mit der Stempelprägung „FÜRSTENBERGER PORZELLAN FABRIK“ oder „FÜRSTENBERGER P. F.“ von besonderer Bedeutung.

Die wohl ältere Stempelprägung „FÜRSTENBERGER P.(orzellan) F.(abrik)“ wiesen 10 Schamotteziegel auf, 29 Schamotteziegel die wahrscheinlich jüngere Stempelprägung „FÜRSTENBERGER PORZELLAN FABRIK“:

Ziegelformat etwa 1 : 2 : 4

  • Länge: 25 cm

  • Breite: 12,5 cm

  • Fugenstärke: 6,5 cm

Im 19. Jahrhundert - im Zeitraum 1860-1870 - war es zu einem Niedergang der Porzellanherstellung in Fürstenberg gekommen.

Demnach wurden in jener Zeit aus einer brenntechnischen „Nebenproduktion“ der „Fürstenberger Porzellanfabrik“ auch Schamotteziegel hergestellt und regional verhandelt.

Aktenkundig ist die Lieferung von Ofensteinen an die ehemals herzogliche Eisenhütte „Carlshütte“ in Delligsen.[2]

Da beginnend um 1860 bis in die Folgejahrzehnte [3][4] die Herzoglich Braunschweigische Porzellanmanufaktur als „Fürstenberger Porzellanfabrik“ bezeichnet wurde, ist anzunehmen, dass die geborgenen stempelgeprägten Schamotteziegel aus der Zeit um 1860 oder wenig später stammen.

Somit könnte eine weitere bauliche Veränderung des Backofens während des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts vermutet werden, da spätestens um 1907 die Backofenanlage stillgelegt werden war.

 

S A C (Schorborn)

 

Schamotteziegel mit der Stempelprägung „SAC“

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Insgesamt 14 (26,4 %) Schamotteziegel trugen die schlichte Stempelprägung „S A C“, die der industriellen „Glaswarenfabrik Schorborn“[5] in der Zeit um 1859 zugeordnet werden konnte:

  • S A: Sollinger, Abraham │ Deensen

  • C: Clemens, Heinrich │ Schorborn

 

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[1] Im Rahmen des Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojektes der Kreisvolkshochschule Holzminden von September 2007 bis August 2008.

[2] mündliche Auskunft: Museum im Schloss der Porzellanmanufaktur FÜRSTENBERG (Thomas Krueger ⃒ Dr. Christian Lechelt).

[3] RÖNTGEN 2007, S. 80-81.

[4] noch 1928 erschien eine Werbeanzeige „Fürstenberger Porzellanfabrik“.

[5] NÄGELER 2013: In Schorborn werden 1859 Glashüttengebäude an den Kaufmann Abraham Sollinger (*1809) aus Deensen und an den Victualienhändler Jacob Heinrich Clemens (1815-1888) aus Schorborn verkauft; NLA WO, 40 Neu 10 Fb 6 Zg 20 / 1994 Nr. 1621.

[6] WEBER 2025.