Arbeit und Ausbeutung

Klaus A.E. Weber

 

Arbeit

 

Lob der Arbeit [1]

Zum Tag der Arbeit wird das Lob der Arbeit gesungen.

Die Anerkennung gilt den Arbeitenden, zugleich den Chronisten, Kunstschaffenden, Fotografen.

Ihre Bildquellen zeigen Menschen bei ihrer Arbeit im Lauf der Zeit.

 

Kinderarbeit

 

Arbeitende Kinder im 19. und 20. Jahrhundert [4]

Forum Schweizer Geschichte Schwyz: Ausstellung │ 24.02.-27.10.2024

"Heuen, Vieh hüten, Torf stechen, klöppeln und spulen – Kinder unterstützten ihre Familien schon immer bei verschiedenen Tätigkeiten, besonders in der Landwirtschaft.

Mit dem Aufkommen der Industrie wurden Kinder vor allem in den Textilfabriken als billige Arbeitskräfte ausgebeutet, auch in der Schweiz.

Sie arbeiteten viele Stunden, übernahmen gefährliche sowie gesundheitsschädigende Aufgaben und durften oft nicht in die Schule.

Erst mit der Einführung des obligatorischen Schulunterrichts 1874 und der Annahme des Eidgenössischen Fabrikgesetzes 1877 wurde Schulbildung ein Grundrecht und die Arbeit von Kindern unter 14 Jahren in der Schweiz verboten.

Die Ausstellung zeigt die vielen Aspekte der damaligen Arbeit von Kindern und erklärt, wie die Kinderrechte in der Schweiz reguliert wurden."

 

Aus der Not geboren. Arbeitende Kinder zwischen Feld, Heim und Fabrik

Ausstellung des Landesmuseums Zürich: 19.12.2025 - 20.04.2026 [4]

Aus wirtschaftlicher Not war die Arbeit von Kindern lange Zeit für viele Familien überlebenswichtig – sei es auf dem Feld, im Haushalt oder in der Fabrik.

Bereits vor der Industrialisierung leisteten Kinder einen unentbehrlichen Beitrag zur Familienökonomie, sei es im Haus, auf dem Hof oder in der Heimarbeit.

Mit dem Aufkommen der Industrie wurden Kinder vor allem aus armen Familien in Textilfabriken als billige Arbeitskräfte ausgebeutet.

Sie arbeiteten viele Stunden, übernahmen gefährliche sowie gesundheitsschädigende Aufgaben und konnten oft nicht in die Schule.

Ab den 1830er Jahren führten die Kantone sukzessive die Schulpflicht ein.

1877 verbot das Eidgenössische Fabrikgesetz die Arbeit von Kindern unter 14 Jahren.

Trotzdem wurden Kinder weiterhin eingespannt, sei es für Heimarbeit oder in der Landwirtschaft.

Die Ausstellung thematisiert auch, wie Verding- und Heimkinder weg von ihren Familien zur Arbeit gezwungen wurden.

Und sie zeigt auf, wer sich für die Bildung der Kinder und ihren Schutz einsetzte und wie das Thema in der Gegenwart diskutiert wird.“

 

Aufwachsen unter Arbeitspflicht

Aus dem Newsletter des Landesmuseum Zürich/Schweizerisches Nationalmuseum vom 24. März 2026:

Mitte des 19. Jahrhunderts werden in der Schweiz erste Fabrikheime für Kinder und Jugendliche aus armen Verhältnissen geschaffen.

Sie leben, von den Eltern getrennt, einen streng geregelten, arbeitszentrierten Alltag.

Die neuen «Heimatgemeinden» sind in den 1850er-Jahren in der Schweiz verantwortlich für die Armenfürsorge.

Armut wird moralisch bewertet, Mittellosigkeit gilt häufig als Zeichen von Unfähigkeit.

Kinder und Jugendliche aus mittellosen Familien werden oft in Heimen und Einrichtungen versorgt, wo sie leben und zur Arbeit in Fabriken gezwungen werden.

Es fehlt an Freizeit, Schule und Ausbildung, die Kinder werden schlecht ernährt und mit Gewalt erzogen.

Verfolgt werden auch ökonomische Ziele, da Kinder und Jugendliche billige Arbeitskräfte sind.

Die 1855 gegründete Erziehungs- und Arbeitsanstalt am Gubel im Kanton Zug ist die Erste ihrer Art in der Schweiz. Kinder und Jugendliche arbeiten in der nahen Spinnerei, ungefähr ein Viertel der Arbeiterinnen und Arbeiter sind 14 Jahre alt oder jünger.

Die Tagesschicht beginnt um 7 Uhr mit Morgenessen und anschliessendem Schulunterricht, von 10 bis 22 Uhr wird gearbeitet, und dies an sechs Tagen die Woche.

Bei Nachtschichten standen die Kinder um 18.30 Uhr auf, nach dem Gebet und Essen wurde bis 7 Uhr morgens gearbeitet.

Anschliessend an den Schulunterricht gab es um 10 Uhr Nachtessen, Abendgebet und Bettruhe bis zum Abend.

Das eidgenössische Fabrikgesetz wird 1877 knapp angenommen, verboten wird darin die Arbeit in Fabriken von Kindern unter 14 Jahren.

Dennoch blieb Kinderarbeit bis weit ins 20. Jahrhundert in vielen Bereichen Realität.“

 

Frutigen und die giftigen Zündhölzer [5]

Die Herstellung von Zündhölzern aus gelbem Phosphor brachte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Arbeit in das verarmte Frutigland.

Es entwickelte sich eine Zündholzindustrie, die von Kinderarbeit und gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen geprägt war.

Die schlimmste Folge: die Phosphornekrose, eine grausame Krankheit, die Kieferknochen zerfraß.

 

Meilenstein des Kinder- und Arbeitsschutzes

Aus dem Newsletter des Landesmuseum Zürich/Schweizerisches Nationalmuseum vom 27. Januar 2026:

Am 21. Oktober 1877 nimmt das Schweizer Stimmvolk ein gesamtschweizerisches Gesetz zum Schutz von Arbeiterinnen und Arbeitern an.

Das «Fabrikgesetz» ist der erste Eingriff auf Bundesebene dieser Art.

Die aufkommende Industrialisierung des 19. Jahrhundert bringt eine neue Dimension der Ausbeutung von Kindern als Arbeitskräfte.

Kinder sind billige, leicht zu kontrollierende und für bestimmte Arbeiten besonders geeignete Arbeitskräfte.

Die Textilindustrie beispielsweise hatte einen besonders hohen Anteil an Kinderarbeit.

Noch 1868 waren von 5500 Personen in den Glarner Stoffdruckereien fast zehn Prozent Kinder unter 16 Jahren.

Das eidgenössische Fabrikgesetz wird nur knapp angenommen.

Unter anderem verbietet das Gesetz die Arbeit von Kindern unter 14 Jahren und begrenzt den Normalarbeitstag auf 11 Stunden.

Es schafft außerdem Fabrikinspektorate, die die Einhaltung der Regeln kontrollieren.

Durch das Fabrikgesetz geschützt waren jedoch nur industrielle Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter.

Ungeschützt blieben arbeitende Menschen in Haus- und Heimarbeit, in kleinen Handwerksbetrieben, oder in Dienstleistungsberufen.

Das änderte sich erst mit dem Arbeitsgesetz von 1964, das alle Branchen und Betriebe einschloss, doch wiederum die Landwirtschaft und Heimarbeit ausnahm.

Und wie steht es um die Kinder?

Erst 1978 wurde das Kinderrecht revidiert und 1997 trat die Schweiz der UNO-Konvention über die Rechte des Kindes bei, die Kinder vor gefährlicher und ausbeuterischer Arbeit schützt.“

 

Der unermüdliche Fabrikinspektor Nüsperli [6]

Mechaniker, Revolutionär und Fabrikant Edmund Nüsperli reist ab 1878 im Auftrag des Bundesrates durch die Schweiz, um das druckfrische Fabrikgesetz umzusetzen.

Er kämpft gegen Kinderarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen und tödliche Vergiftung.

 

Als unsere Kinder in den Fabriken schufteten [7]

Eine eigenartige Allianz von Kapitalismus und Katholizismus ermöglichte die massive Ausbeutung vieler Kinder – nicht weit weg, sondern im 19. Jahrhundert mitten in der Schweiz.

Tage mit bis 16 Stunden Arbeit waren komplett normal.

 

Wohnungsnot

 

Als die Wohnungsnot noch Arbeiterwohnungsfrage hiess [3]

Wohnungsnot – erstmals wurde dieses Thema hierzulande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert heiß diskutiert.

Das Thema hieß damals «Arbeiterwohnungsfrage», forderte die Stadtregierungen und führte sogar zu Krawallen.

 

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[1] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 06. Mai 2022 von Kurt Messmer, freischaffender Historiker mit Schwerpunkt Geschichte im öffentlichen Raum.

[2] zusammengestellt aus dem Newsletter des Landesmuseums Zürich vom 06. Januar 2025.

[3] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 06. Oktober 2023 von Guido Balmer, Kommunikationsbeauftragter der Direktion für Raumentwicklung, Infrastruktur, Mobilität und Umwelt des Kantons Freiburg und freischaffender Kommunikationsprofi.

[4] aus dem Newsletter des Landesmuseums Zürich │ Schweizerisches Nationalmuseum vom 29. Mai 2024.

[5] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 09. Januar 2026 von Hans Egli, in Frutigen aufgewachsen, studierte Chemie an der ETH, arbeitete als Chemiker in Basel.

[6] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 06. März 2026 von Stefan Keller, Historiker und Journalist, Autor.

[7] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 03.April 2026 von Michael van Orsouw, promovierter Historiker, Bühnenpoet und Schriftsteller.